Monheim am Rhein Politik

Monheimer Bürgermeister will Gleichstellung der DITIB mit Kirchen

Monheim. Bürgermeister Daniel Zimmermann (Peto) will, dass der umstrittene Moschee-Dachverband DITIB christlichen Kirchen und jüdischen Gemeinden gleichgestellt wird. Auftritten radikaler Prediger würde er mit Hausverboten begegnen. „Zimmermann operiert offensichtlich von einem Niveau aus, das durch die persönliche Begegnung vor Ort und oberflächliche Kennverhältnisse maßgeblich beeinflusst wird“, befürchtet die Islamismus-Expertin Sigrid Herrmann-Marschall.

Daniel Zimmermann (Bild: NRW.direkt)

Der Monheimer Bürgermeister Daniel Zimmermann (Peto) fordert die Gleichstellung des umstrittenen Islam-Verbands DITIB mit christlichen Kirchen und jüdischen Gemeinden. „Man sollte die DITIB als religiöse Körperschaft des öffentlichen Rechts wie eine christliche Kirche oder die jüdischen Gemeinden anerkennen. Dann müssen sie sich selbst finanzieren und die rechtlichen Anforderungen erfüllen, die gesetzt sind“, sagte der Kommunalpolitiker am Mittwoch in einem Interview der Rheinischen Post. Er habe mit der DITIB bisher „keine schlechten Erfahrungen gemacht“, sagte der 36-jährige Zimmermann, der der Monheimer Jugendpartei Peto angehört. Peto verfügt mit 26 von 40 Sitzen über die absolute Mehrheit im Stadtrat von Monheim.

Mit seinem leidenschaftlichen Engagement dafür, dass zwei islamische Gemeinden von der Stadt jeweils rund 400.000 Euro Steuergelder als Zuschuss für ihre für Moschee-Neubauten erforderlichen Grundstücke bekommen, brachte es der Monheimer Bürgermeister 2016 landesweit in den Schlagzeilen. Bei einer der Gemeinden handelte es sich um eine des Moschee-Dachverbandes DITIB.

Diese reagierte im September 2016 mit einem an die politischen Parteien verschickten „Raumprogramm“. Laut eines damaligen Berichts in der Online-Ausgabe der Rheinischen Post soll darin von einem Gebetssaal für 800 Personen, einer Wohnung für Imam und Hausmeister, acht Schulungsräumen, einer Teestube für 100 bis 150 Menschen, einem Konferenzsaal für 400 Menschen, Spiel- und Hobbyräumen für Kinder sowie einem Geschäft für halales Essen die Rede gewesen sein. Ein entsprechender Screenshot dieser Darstellung liegt unserer Redaktion vor.

DITIB wegen mehrerer Skandale in der Kritik

Die Diyanet Isleri Türk Islam Birligi (Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion, abgekürzt DITIB) ist mit etwa 900 Moscheen und rund 800.000 Mitgliedern der größte Islam-Verband in Deutschland. Über ihre Satzung ist die DITIB an die türkische Religionsbehörde Diyanet in Ankara angebunden. Aufgrund mehrerer Skandale geriet der Verband in den letzten Jahren zunehmend in die Kritik. An der immer wieder von der deutschen Politik geforderten Loslösung von der Türkei zeigte die DITIB bislang keinerlei Interesse.

Zuletzt geriet die DITIB wegen einer ursprünglich geheimen Konferenz in ihrer Kölner Zentralmoschee in die Schlagzeilen, an der offenbar auch Personen aus dem Spektrum der Muslimbruderschaft teilgenommen haben. Von der Rheinischen Post dazu befragt, sagte der Monheimer Bürgermeister: „Sie spielen auf die Versammlung in Köln an, bei der radikale Prediger auftraten. Die würden bei uns Hausverbot bekommen.“

Islamismus-Expertin spricht von „Monheimer Naivität“

„Jetzt wird deutlich, warum Daniel Zimmermann auf seiner Sicht beharrt: Er kennt dem Anschein nach die übergeordneten Zusammenhänge, Einbindungen und Abläufe nicht“, schrieb die Islamismus-Expertin Sigrid Herrmann-Marschall am Mittwoch in ihrem Blog-Beitrag „Monheimer Naivität“. So habe der Bürgermeister „die aktuelle Diskussion offensichtlich nicht näher verfolgt. Er ist nicht im Bilde, dass die DITIB die Anerkennung schon als Religionsgemeinschaft nicht einmal betrieben hat“. Dass Zimmermann auf die Präsenz radikaler Prediger bei der DITIB in Köln mit dem Verweis auf ein Hausverbot reagiert hat, zeige ein „erschütterndes Durchdringungsniveau“, denn eine Kommune habe ein solches Recht gar nicht, erläuterte die Islamismus-Expertin.

„Daniel Zimmermann operiert offensichtlich von einem Niveau aus, das durch die persönliche Begegnung vor Ort und oberflächliche Kennverhältnisse maßgeblich beeinflusst wird. Die Berichterstattung zur DITIB und deren Wandel scheint er grob zu kennen, durchdringt sie aber nicht. Der Monheimer Bürgermeister scheint es für ausreichend zu halten, auf einer solchen Basis Entscheidungen für die Zukunft zu treffen. Das kann er meinen, zielführend für Monheim ist das aber nicht“, lautete das Fazit von Sigrid Herrmann-Marschall.

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