Mönchengladbach Panorama

Moschee-Verein bestreitet Salafismus-Bezüge

Mönchengladbach. Der Vorstand der Masjid-Arrahman-Moschee bestreitet Bezüge zu Salafisten. Mitte November führten entsprechende Verdachtsmomente zu einer spektakulären Razzia bei dem islamischen Kulturverein. Haben sich viele Anhänger des 2011 aufgelösten Salafisten-Vereins Einladung zum Paradies nur in einen anderen Stadtteil umorientiert? Derzeit baut der umstrittene Verein eine mehr als 1.600 Quadratmeter große Moschee mit einer 17 Meter hohen Kuppel.

Zehn Tage nach der Durchsuchung des islamischen Kulturvereins Masjid Arrahman in Mönchengladbach-Rheydt hat sich dessen Vorstand am Freitag erstmals zu den Salafismus-Vorwürfen geäußert. Gemeindevorstand Mohamed Ouahlit erklärte gegenüber dem WDR, man wolle eine „offene Moschee“: „Jeder kann bei uns seine Gebete verrichten. Wir können die Beter nicht kontrollieren und sagen: Dieser oder jener Mensch ist mit der Grundordnung von Bundesrepublik Deutschland nicht einverstanden.“

Die auf Hörensagen beruhende Darstellung eines Sozialarbeiters, Pierre Vogel habe trotz eines Hausverbots bis vor etwa anderthalb Jahren dort als Gastprediger reden dürfen, wurde von Mohamed Ouahlit bestritten: „Wir haben mit diesem Kerl überhaupt nichts zu tun.“

Anhänger der Salafisten wanderten von Eicken nach Rheydt

2010 und 2011 demonstrierte eine Bürgerinitiative rund ein Jahr lang gegen den in Mönchengladbach-Eicken beheimateten Salafisten-Verein Einladung zum Paradies (EZP). Dessen prominenteste Vertreter waren die in der Mönchengladbacher Öffentlichkeit ironisch als „Dreigestirn“ bezeichneten Prediger Pierre Vogel, Muhamed Ciftci und Sven Lau. Die Proteste hatten die Einleitung eines Verbotsverfahrens durch den damaligen Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) gegen EZP zur Folge. Im Juni 2011 kam EZP einem möglichen Verbot durch eine Selbstauflösung zuvor. Vogel und Ciftci verließen die Region daraufhin wieder. Lau wandte sich anderen Moschee zu und ging später auch nach Syrien. Die meisten ehemaligen EZP-Anhänger aber blieben in Mönchengladbach und zogen in den Stadtteil Rheydt.

Als 2012 erste Vorwürfe gegen die Masjid-Arrahman-Moschee laut wurden, sie würde Salafisten beherbergen, bestritt der Moschee-Verein entsprechende Bezüge. Prediger wie Pierre Vogel und Sven Lau hätten dort Hausverbot, hieß es. Lediglich einige junge Mitläufer würden zum Zwecke der „Re-Integrierung“ geduldet.

Die Politik reagierte lange Zeit nicht auf den umstrittenen Moschee-Verein. Erst am 13. November erfolgte eine spektakuläre Razzia, die vom Landesinnenministerium damit begründet wurde, dass den Verdachtsmomenten nunmehr nachgegangen werde. Nach Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden sei der Verein Anlaufstelle für zahlreiche Personen aus dem salafistischen und islamistischen Spektrum.

Moschee-Bau der Öffentlichkeit zunächst verschwiegen

Derzeit baut der Masjid-Arrahman-Verein an der Mittelstraße in Rheydt eine mehr als 1.600 Quadratmeter große Moschee mit einer 17 Meter hohen Kuppel. Die neue Moschee soll ausschließlich aus Spenden finanziert sein. Die von der Stadt nicht über das Bauvorhaben informierte Öffentlichkeit erfuhr davon erst durch eine Zeitung. Damit blieb der Aushub der Baugrube Ende 2016 zunächst weitestgehend unbemerkt. Das Freitagsgebet in der bisherigen Masjid-Arrahman-Moschee wird von bis zu 800 Gläubigen besucht.

Bild: Die Baustelle der neuen Masjid-Arrahman-Moschee. Bildrechte: NRW.direkt

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