Köln Politik

Muslimbrüder bei DITIB-Tagung?

Köln. Die türkische Religionsbehörde Diyanet hat in der vergangenen Woche in der Groß-Moschee des umstrittenen Dachverbandes DITIB eine dreitägige Tagung abgehalten. Die Islamismus-Expertin Sigrid Herrmann-Marschall weist darauf hin, dass auch Personen aus dem Aktionsgeflecht der Muslimbruderschaft daran teilgenommen haben.

Von Mittwoch bis Freitag vergangener Woche kamen Vertreter islamischer Religionsgemeinschaften aus Deutschland und Europa, Akademiker, Aktivisten sowie Journalisten zu einem Treffen der europäischen Muslime mit dem Thema „Die Zukunft der Muslime in Europa“ zusammen. Die Tagung wurde in den Räumlichkeiten des Moschee-Dachverbandes DITIB in Köln abgehalten. Das berichtete das Online-Portal IslamiQ.

An der Tagung haben 80 Vertreter aus 18 Ländern teilgenommen. Ziel der Veranstaltung sei es gewesen, „Beiträge zur Zusammenarbeit zwischen den religiösen Institutionen in Europa zu erbringen, den Wissens- und Erfahrungsaustausch zu fördern, religiöse Dienstleistungen und Religionsunterricht auf gesunde Weise anzubieten und Ansätze für die Behebung gegenwärtiger Probleme zu definieren“, berichtete IslamiQ weiter. Dabei sei Professor Ali Erbas, der Vorsitzende der türkischen Religionsbehörde Diyanet, in seiner Eröffnungsrede auch auf die Situation der Muslime und der seiner Meinung nach steigenden Islamfeindlichkeit in Europa eingegangen.

Türkische Medien berichten ausführlich

Während in Deutschland offenbar nur IslamiQ über die Tagung berichtete, informierten türkische Medien wie Hürriyet und Haberler umso ausführlicher. Das offenbarte aber auch beunruhigende Einblicke: So seien in unter anderem von Haberler veröffentlichten Videos der Tagung in Köln auch Khaled Hanafy und Hussein Halawa zu erkennen gewesen, berichtete die Islamismus-Expertin Sigrid Herrmann-Marschall am Samstag in einem ihrer Blog-Beiträge.

Hanafy und Halawa gehören zur Führungsspitze des European Council for Fatwa and Research (ECFR). Diese Organisation werde dem „Aktionsgeflecht der Muslimbruderschaft“ zugeordnet, erläuterte die bekannte Expertin. Mit Jasser Auda habe auch ein Vertreter des entsprechenden US-Zweiges an der Tagung in Köln teilgenommen.

Muslimbrüder gefährlicher als Salafisten

Die Diyanet Isleri Türk Islam Birligi (Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion, abgekürzt DITIB) ist mit etwa 900 Moscheen und rund 800.000 Mitgliedern der größte Islam-Verband in Deutschland. Über ihre Satzung ist die DITIB an die türkische Religionsbehörde Diyanet in Ankara angebunden. Aufgrund mehrerer Skandale geriet der Verband in den letzten Jahren zunehmend in die Kritik. An der immer wieder von der deutschen Politik geforderten Loslösung von der Türkei zeigte die DITIB bislang keinerlei Interesse.

Die ursprünglich aus Ägypten stammende Muslimbruderschaft gilt als weltweit größte und gefährlichste Islamisten-Bewegung. Mittelfristig gehe von ihr eine größere Gefahr für die deutsche Demokratie aus als von der Salafisten-Szene, warnte Landesverfassungsschutz-Chef Burkhard Freier im Dezember. (ph)

Bild: Die DITIB-Zentralmoschee in Köln-Ehrenfeld. Bildrechte: NRW.direkt

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