Abgebrannte Messehalle Düsseldorf Justiz

Mutmaßlicher Brandstifter Wirtschaftsflüchtling

Düsseldorf. Vor dem Landgericht bestritt Adel Z., etwas mit der Brandstiftung in der Messehalle zu tun zu haben. Seine Befragung offenbarte, dass der Algerier Ende 2015 aus Italien nach Deutschland gekommen war, „um sein Leben zu verbessern“. Nach mehreren wirtschaftlich erfolglosen Jahren in Spanien und Italien wurde er erst in Deutschland zum Asylbewerber.

Adel Z. wartet auf seinen Prozess (Bild: NRW.direkt)

Am Donnerstag äußerte sich der 27-jährige Adel Z. vor der 3. Großen Strafkammer des Düsseldorfer Landgerichts zu den Vorwürfen, er habe am 7. Juni 2016 eine als Asylbewerberunterkunft genutzte Messehalle in Brand gesetzt. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Algerier vor, in einem leerstehenden Zimmer der Messehalle eine Flasche Wodka auf einer Matratze ausgegossen und entzündet zu haben, weil er „darüber erzürnt“ war, dass trotz des Fastenmonats Ramadan, der gläubigen Muslimen die Aufnahme von Speisen und Getränken nur in der Zeit zwischen Sonnenuntergang und Sonnenaufgang gestattet, auch morgens und zur Mittagszeit Speisen und Getränke an nicht fastende Bewohner der Asylbewerberunterkunft ausgegeben wurden.

Die Messehalle in Düsseldorf-Stockum wurde durch den Brand vollständig zerstört. Weil die ausgebrannte Halle einsturzgefährdet war, musste die Feuerwehr bereits in der darauffolgenden Nacht mit dem Abriss des Gebäudes beginnen. Der Schaden wurde später auf rund zehn Millionen Euro geschätzt. Adel Z. und sein Mitangeklagter Mohamed B. wurden noch während der Löscharbeiten verhaftet. Während Adel Z. in Untersuchungshaft blieb, wurde der nur wegen Anstiftung angeklagte Mohamed B. schon Wochen später wieder auf freien Fuß gesetzt. Bis zum Prozess musste er sich dreimal wöchentlich bei einer Polizeiwache in Düsseldorf-Wersten melden. Aufgrund der Prozesstermine muss sich Mohamed B. jetzt nur noch einmal wöchentlich bei der Polizei melden.

In drei Ländern wirtschaftlich gescheitert

Die abgebrannte Messehalle während der Abrissarbeiten (Bild: NRW.direkt)

Bei der fast zweistündigen Befragung von Adel Z. brauchten dessen Dolmetscherin wie auch die Vorsitzende Richterin Pascale Wierum starke Nerven, weil der 27-jährige immer wieder andere Dinge erzählte, als die, nach denen er gefragt wurde. Die Richterin hakte jedoch immer wieder konsequent nach. Heraus kam dann, dass Adel Z. in Algerien „wegen der Aufstände“ im Jahr 2011 als Friseur nicht mehr genügend Geld verdient hatte. Ende 2011 ging er nach Spanien, wo er zwei Jahre lang „von Unterstützung“ lebte. Einen Asylantrag stellte er dort nicht.

Ende 2013 zog er weiter nach Italien, wo er ebenfalls keinen Asylantrag stellte. Nachdem er dort „nichts hatte“, ging er Ende 2015 weiter nach Deutschland. Als Grund gab er an, er habe „sein Leben verbessern“ wollen. In Dortmund stellte er einen Asylantrag, danach wurde er der Landeshauptstadt zugewiesen. Damit konnte er „von Sozial leben“: „Ich schlafe bei Ihnen und ich bekomme das Essen von Ihnen“, sagte er wörtlich.

Mit der Brandstiftung will Adel Z. aber nichts zu tun haben. Als „gläubiger, aber nicht strenger Muslim“ habe er während des Ramadans gefastet. Nach einer letzten Mahlzeit vor Sonnenaufgang habe er sich schlafen gelegt. Ein syrischer Mitarbeiter des Deutschen Roten Kreuzes habe ihn geweckt und ihm gesagt, es gebe ein Feuer. Dann habe er schnell seinen Koffer gepackt und die Halle verlassen. Die Darstellung eines Polizisten, sein Koffer sei „fein säuberlich“ gepackt gewesen, erklärte er damit, dass sich bereits vorher mehrere T-Shirts darin befunden hatten. Von der Richterin darauf angesprochen, dass ein Zeuge ihn gesehen haben soll, wie er den Brand gelegt habe, sagte Adel Z.: „Der soll herkommen.“ Pascale Wierums Antwort lautete: „Ja, der kommt auch.“

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