Illegales Rennen in Mönchengladbach Justiz Mönchengladbach

Mutmaßlicher Todes-Raser erneut schwer belastet

Mönchengladbach. Beim sogenannten Raser-Prozess wurde der Hauptangeklagte Manuel S. am Mittwoch erneut durch einen Zeugen schwer belastet. Bei dem mutmaßlichen illegalen Autorennen im Juni 2017 wurde ein Fußgänger getötet. Zu Prozessbeginn hatten die Angeklagten bestritten, sich ein Rennen geliefert zu haben.

Vor der 2. Großen Strafkammer des Mönchengladbacher Landgerichts wurde am Mittwoch der Prozess um ein mutmaßlich illegales Autorennen am 16. Juni 2017 fortgesetzt. Hauptangeklagter ist der 29-jährige Manuel S., dem vorgeworfen wird, mit seinem 180 PS starken Seat Cupra bei einem Überholmanöver während eines Rennens in der Innenstadt mit rund 100 Kilometern pro Stunde in den Gegenverkehr gerast und dabei einen Fußgänger erfasst und getötet zu haben. Nachdem der Fußgänger nach dem Aufprall 36 Meter durch die Luft geschleudert wurde, kam dessen Körper nur zum Stillstand, weil er unter einem abgestellten Auto eingeklemmt wurde. Der 38-jährige Mann starb noch vor Ort.

Ebenfalls angeklagt ist der 26-jährige Nasratullah A. Ihm wird vorgeworfen, an dem Rennen beteiligt gewesen zu sein und Unfallflucht begangen zu haben. Eine Mordanklage wurde vom Landgericht nicht zugelassen. Dennoch drohen beiden Angeklagten im Falle einer Verurteilung wegen fahrlässiger Tötung bis zu fünf Jahren Haft. Zu Beginn des Prozesses vor rund drei Wochen räumten beide das Unfallgeschehen sofort ein. Die jungen Männer bestritten aber, dass es sich dabei um ein Rennen gehandelt habe.

„Ein Wagen gehört nicht zur Szene“

Aber bereits die ersten Zeugenaussagen zeichneten ein anderes Bild des Geschehens. Dieser Trend setzte sich auch am Mittwoch fort: Zuerst berichtete ein 38-jähriger Feuerwehrmann, der auf dem Rückweg von einem anderen Einsatz zufällig am Unfallort vorbeigekommen war, dass dort ein Autofahrer gesagt habe, einer der Wagen „gehört nicht zur Szene“. Daraufhin habe ein Polizist sofort gefragt: „Zu welcher Szene?“

Noch schwerwiegender dürfte die Aussage eines anderen Fußgängers sein, der nur wenige Sekunden vor dem tödlichen Unfall die Straße überquert hatte. Er habe „aufheulende Motorengeräusche“ gehört, schilderte der 46-Jährige. Kurz darauf habe er mehrere Autos gesehen, „die ein Beschleunigungsrennen gefahren sind“. Wie der Unfallwagen in den Gegenverkehr gerast sei, sei ihm klar gewesen: „Das war ein ganz eindeutiger Überholvorgang. Der ist nicht ausgewichen, definitiv nicht.“ Nach dem Aufprall sei der andere Fußgänger durch die Luft geschleudert worden und vor dem Vorderrad eines geparkten Wagens liegen geblieben. Der Mann sei „sehr deformiert“ gewesen und er habe „kaum mehr etwas Menschliches erkennen können“.

„Du hast gerade jemand umgebracht, du Arschloch“

In diesem Moment sei er davon ausgegangen, dass der Mann bereits tot gewesen sei, schilderte der Zeuge. Daraufhin sei er zu dem Fahrer des Unfallwagens gelaufen und habe ihm entgegengerufen: „Herzlichen Glückwunsch, du hast gerade jemand umgebracht, du Arschloch.“ Der Unfallfahrer habe daraufhin gerufen: „Oh nein, oh nein.“

Dann aber hätte sich herausgestellt, dass der 38-Jährige noch einen Pulsschlag hatte. Damit war für einen Moment unklar, ob das Opfer nicht doch überlebt. Der Unfallfahrer aber habe nicht danach gefragt, wie es dem Mann geht. Das habe ihn „sehr schockiert“, berichtete der Zeuge. Auch habe er beobachtet, dass die Fahrer untereinander „sehr vertraut miteinander gesprochen“ hätten.

Nachdem die Kammer eine Videoaufnahme vom Unfallgeschehen zu sehen bekam, sprach der Vorsitzende Richter Ralf Gerads davon, dass die Aufnahme zu keiner der bislang gehörten Darstellungen passe. Dies sei ein Hinweis darauf, dass die Zeugenaussagen subjektiv seien, sagte der Richter. Der Prozess wird nächste Woche fortgesetzt. Derzeit wird von Plädoyers in der ersten Dezember-Woche und einem Urteil am 12. Dezember ausgegangen. Ralf Gerads deutete am Mittwoch an, dass die Urteilsbegründung in diesem Fall umfangreich ausfallen dürfte. „Das ist ja keine einfache Sache“, sagte er.

Bild: Blumen, Kerzen und ein Holzkreuz erinnern am Unfallort an den getöteten Fußgänger. Bildrechte: NRW.direkt

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