Politik

„Neuausrichtung mit Merkel nicht möglich“

Düsseldorf. Angela Merkel erklärte die Erfolge der AfD am Wochenende mit Ängsten vor dem sozialen Abstieg. Damit greift die Bundeskanzlerin auf ein bei Linken beliebtes Erklärungsmuster zurück. Die konservative WerteUnion (WU) aber sieht dafür andere Gründe und fordert erneut indirekt Merkels Rücktritt als Parteivorsitzende. „Die Menschen sehen die Identität des Landes gefährdet und möchten, dass Deutschland Deutschland bleibt“, sagte die WU-Landesvorsitzende Simone Baum.

Angela Merkel (Bild: NRW.direkt)

Die Wahlerfolge der AfD sind nach Einschätzung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auch eine Folge von „Verlustängsten“. In ihrer am Samstag veröffentlichten wöchentlichen Videobotschaft sagte sie: „Ich glaube, es sind zum Teil Verlustängste, man hat sich sehr viel aufgebaut, man hat viele Umbrüche in der eigenen Biographie erlebt.“ Weiter sprach Merkel davon, die Sorgen der Menschen ernst zu nehmen und ihre Probleme zu lösen.

Bei den Erfolgen der AfD handele es sich nicht nur ein ostdeutsches Problem, so Merkel. „Wir sehen solche Sorgen vor der Globalisierung, vor der Anonymität, vor schlechterer Versorgung im Grunde auch in den alten Ländern. Und deshalb heißt es hier gesamtdeutsch dagegen vorzugehen.“ Damit bemühte die CDU-Bundesvorsitzende ein seit Jahren bei Linken weit verbreitetes Erklärungsmuster. Die von Linken dominierte Sozialwissenschaft erklärt traditionell jedes Phänomen auf dieser Welt vor dem Hintergrund sozialer Strukturen und Verteilungsfragen.

Die WerteUnion (WU), ein Zusammenschluss konservativer Initiativen in der Union, sieht sich durch die jüngsten Aussagen der Kanzlerin in ihrer direkt nach der Bundestagswahl erhobenen Forderung nach einer Trennung von Parteivorsitz und Kanzlerschaft bestätigt. „Wenn die Bundeskanzlerin als Hauptgrund für das Erstarken der AfD und die Verluste der Union die Angst der Menschen, besonders im Osten unseres Landes, vor sozialem Abstieg angibt, greift sie mit ihrer Analyse viel zu kurz“, sagte die WU-Landesvorsitzende Simone Baum am Sonntag.

„Wähler sehen Identität des Landes gefährdet“

„Aus Umfragen zur Wahl, vor allem aber aus Gesprächen mit Menschen im Wahlkampf wissen wir, dass die Sorge vor dem Verlust der eigenen Identität wie auch das Thema der inneren Sicherheit für den Wahlausgang besonders entscheidend war. Die abgewanderten Wähler möchten, dass Deutschland Deutschland bleibt. Diese Menschen sehen die Identität sowie die innere Sicherheit unseres Landes gefährdet, auch in Verbindung mit der Flüchtlingspolitik und der damit verbundenen Angst vor weiterer Islamisierung“, sagte Baum weiter. „Will die Union an die AfD verloren gegangene Wähler zurückgewinnen, geht das nur über eine schonungslose Analyse und Neuausrichtung der CDU-Politik unter Einbeziehung ihrer konservativen Mitglieder. Da beides mit Frau Merkel als Parteivorsitzender so nicht möglich ist, empfehlen wir eine Trennung von Kanzleramt und Parteivorsitz.“

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