Kolumnen Politik

NRW im Energiewendewahn

Wind- und Solarstrom drücken unabhängig vom Bedarf ins Stromnetz. Statt deren weiteren Aufbau zu stoppen, will die Landesregierung nun unwirtschaftliche Pumpspeicherkraftwerke erforschen. Während RWE und EnBW bereits aus solchen Projekten ausgestiegen sind, gehen CDU und FDP diesen Irrweg weiter. Die Kosten tragen die Steuerzahler. Eine Kolumne von Christian Loose.

Christian Loose

Wind- und Sonnenstrom werden immer dann erzeugt, wenn der Wind weht und die Sonne scheint. Ob der Strom dann aber auch benötigt wird, ist für dessen Erzeuger irrelevant, denn der Netzbetreiber muss ihn zum festgelegten Preis abkaufen. Die Netzbetreiber verkaufen den erworbenen Strom dann über die Börse, was regelmäßig zu Verlusten führt, der über die sogenannte EEG-Umlage vom Stromverbraucher ausgeglichen wird. Eine vierköpfige Familie zahlt dafür jährlich etwa 270 Euro.

Wegen der Schwankungen bei der Erzeugung von Wind- und Solarstrom müssen im Hintergrund immer Reservekraftwerke betrieben werden. Denn es könnte jederzeit zu einem Einbruch bei der Stromproduktion kommen, bei dem die Netze zusammenbrechen würden. So erbrachte der Solarstrom in den Mittagsstunden des 11. Dezember nur knapp 1,3 Gigawatt (GW) Leistung – nicht mal so viel wie zwei große Braukohlekraftwerksblöcke. Am 7. August aber lieferte der Solarstrom das 20-fache davon, nämlich etwa 26 GW Leistung. Wegen dieser Schwankungen werden Kraftwerke benötigt, die dauerhaft als Reserve im Hintergrund gehalten werden.

Im Gegenzug können die Reservekraftwerke nicht schnell genug abgeschaltet werden, wenn plötzlich der Wind aufdreht. Dann muss der Strom ins Ausland exportiert und zum Teil teuer „entsorgt“ werden. So mussten in den Morgenstunden des Heiligabends sogar über sechs Cent pro Kilowattstunde bezahlt werden, damit jemand den Strom abnimmt.

Reservekraftwerke für die langfristigen Schwankungen

Jetzt muss man das Problem nüchtern analysieren: Wir haben sowohl kurz- als auch langfristig stark schwankende Stromproduktionen aus sogenannten erneuerbaren Energien. Eine Lösung für die langfristigen Schwankungen ist der Aufbau oder der Beibehalt langfristiger Reserven wie Braunkohle-, Steinkohle-, Kern- und Gaskraftwerken.

Allerdings wird derzeit kein Betreiber neue Kraftwerke bauen, da der an der Börse zu erzielende Strompreis zu gering ist, um die Baukosten jemals wieder einzuspielen. Konkret heißt das: Auf längere Sicht wird Deutschland mit dem immer älter werden Kraftwerkspark weitermachen müssen. Die Kenntnisse über den Neubau von Kraftwerken werden uns in den nächsten Jahren verloren gehen.

Pumpspeicherkraftwerke als Lösung?

Für die kurzfristigen Schwankungen sollen nunmehr Pumpspeicherkraftwerke her. So denkt sich das zumindest die schwarz-gelbe Landesregierung. Auf meine Nachfrage in den Budgetberatungen, wo diese Speicher in Nordrhein-Westfalen denn gebaut werden sollen, bekam ich zur Antwort, dass die „energiewirtschaftlichen Rahmenbedingungen für die Investition in Pumpspeicherkraftwerke derzeit relativ ungünstig“ seien. Deshalb hätten die Träger bereits signalisiert, „ihr Projekt vor dem Hintergrund der aktuellen energiewirtschaftlichen Rahmenbedingungen zurzeit nicht weiter verfolgen zu wollen“. Lediglich am von Trianel geplanten Standort Nethe bestehe derzeit Interesse an der konkreten Fortsetzung der Planung.

Die verschiedenen Energiekonzerne haben der Landesregierung also bereits mitgeteilt, dass sich der Bau der Kraftwerke nicht lohnt. Auch haben RWE bereits 2014 und EnBW im Oktober 2017 angekündigt, das Großprojekt Atdorf im geographisch günstigeren Südschwarzwald aus Kostengründen fallen zu lassen. All dies hält die Landesregierung aber nicht davon ab, dem Unternehmen Trianel für die Planung bis zu 6,5 Millionen Euro in Aussicht zu stellen. Einem Energieunternehmen, an dem viele Stadtwerke in Nordrhein-Westfalen beteiligt sind – und das damit mittelbar in politischer Hand ist.

Doch was kann ein solches Kraftwerk leisten? Das Kraftwerk in Nethe könnte lediglich Strom für sechs Stunden zur Verfügung stellen und hätte nicht mal eine Leistung von 0,4 GW. Windstrom schwankt aber viel extremer. So produzierte der Wind am 20 Dezember nur 3,5 GW, während er nur vier Tage später 34 GW Strom lieferte – so viel wie 34 Großkraftwerke. Das zeigt, dass der Neubau eines solchen Pumpspeicherkraftwerks ein Witz ist im Vergleich zu den Schwankungen durch erneuerbare Energien, insbesondere durch die Windenergie.

6,5 Millionen Planungskosten für nichts

Der Bau eines solchen Kraftwerks würde einige hundert Millionen Euro verschlingen. Letztlich um ein Problem lösen zu wollen, das wir ohne Windstrom nicht hätten. Aber keine Angst, dieses Projekt wird angesichts der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen nie kommen. Was dem Bürger aber fehlen wird, sind die 6,5 Millionen Euro Planungskosten, die CDU und FDP dafür verschwenden wollen. Denn CDU und FDP müssen den Bürgern zeigen, dass die Energiewende nicht scheitern darf. Denn diese ist – wie so vieles – aus deren Sicht „alternativlos“.

Damit ist das Fazit ernüchternd: Das Festhalten an dem Irrweg einer Zufallsenergie aus Solar- und Windkraft wird unseren Industriestandort langfristig schädigen. Da helfen auch keine Luftnummern mehr, wie die Pumpspeicherkraftwerke im weitgehend flachlandigen Nordrhein-Westfalen.

Die Kolumnen bei NRW.direkt geben die Meinung des jeweiligen Autors wieder. Dabei muss es sich nicht zwangsläufig um die Meinung unserer Redaktion handeln.

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Über den Autor

Christian Loose

Der im Münsterland geborene Christian Loose ist seit 2015 wirtschaftspolitischer Sprecher der NRW-AfD. Seit Juni 2017 ist er Abgeordneter im Düsseldorfer Landtag. Der gelernte Bank- und Diplomkaufmann arbeitete acht Jahre bei einem großen Energieunternehmen und führte dort wirtschaftliche Analysen für Großprojekte ab einer Million Euro durch. Eines seiner politischen Ziele ist es, die Steuergeldverschwendung der Politiker zu bekämpfen, wofür er auch einen entsprechenden Straftatbestand fordert. Sein Lieblingszitat stammt von der ehemaligen britischen Premierministerin Margret Thatcher: „The problem with socialism is that you eventually run out of other people’s money." Übersetzt: „Das Problem mit dem Sozialismus ist, dass dir am Ende das Geld anderer Leute ausgehen wird."