Düsseldorf Politik

Nur kurzes und bedrücktes Gedenken

Düsseldorf. Mit einer Kranzniederlegung wurde am Freitag der Befreiung des KZ Auschwitz-Birkenau durch die Rote Armee gedacht. Im Gegensatz zu früheren Veranstaltungen zum 27. Januar war die Stimmung in diesem Jahr jedoch ungewöhnlich bedrückt.

Oded Horowitz bei seiner kurzen Rede (Bild: NRW.direkt)

Am 27. Januar 1945 befreiten Soldaten der Roten Armee die Überlebenden des KZ Auschwitz-Birkenau, des größten Vernichtungslagers des Nazi-Regimes. Zum Gedenken daran legten die Düsseldorfer Bürgermeisterin Klaudia Zepuntke und Oded Horowitz, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde der Stadt, am Freitagnachmittag am Mahnmal für die Deportierten am ehemaligen Güterbahnhof im Stadtteil Derendorf einen Kranz nieder.

Von 1941 bis 1944 wurden von diesem Bahnhof jüdische Bürger aus dem gesamten Regierungsbezirk Düsseldorf in Ghettos und Konzentrationslager deportiert. Am Abend vor den Terminen hatten sich die Juden im Schlachthof an der Rather Straße einzufinden, wo sie registriert und mittels Leibesvisitationen ausgeplündert wurden. Am Tag darauf mussten sie in südlicher Richtung zu den Verladerampen gehen, wo sie in Personenwagen Dritter Klasse verladen wurden.

Mit rund 60 Teilnehmern war die Gedenkveranstaltung ungewöhnlich schwach besucht. Im Gegensatz zum letzten Jahr waren weder deutsche noch israelische Flaggen zu erblicken, auch Transparente mit der Aufschrift „Nie wieder!“ waren nicht zu sehen. Nur ein nicht-jüdischer Veranstaltungsteilnehmer brachte eine deutsche sowie eine israelische Flagge mit, verzichtete aber dann darauf, diese zu entrollen.

„Das belastet schon“

Auf die Frage von NRW.direkt, ob es täusche, dass die Stimmung beim diesjährigen Gedenken an die Befreiung des KZ Auschwitz sehr bedrückt sei, antwortete Michael Szentei-Heise, Verwaltungsdirektor der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf: „Doch, das ist so.“ Er verwies auf die Rede des AfD-Politikers Björn Höcke vor zehn Tagen in Dresden. In dieser Rede hatte Höcke eine „Kehrtwende in der Erinnerungskultur um 180 Grad“ gefordert. Diese Rede sei auch in der Jüdischen Gemeinde intensiv diskutiert worden, sagte Szentei-Heise: „Das belastet schon.“ Darauf angesprochen, dass sich insbesondere im nordrhein-westfälischen Landesverband viele AfD-Mitglieder gegen Björn Höcke und dessen Verbleib in der Partei ausgesprochen haben, sagte er: „Das ist Theater, die wollen ihn doch gar nicht loswerden.“

In den offiziellen Reden wurde Höcke jedoch nicht beim Namen genannt. Klaudia Zepuntke erinnerte detailliert an die Befreiung des KZ Auschwitz-Birkenau und betonte, dass es „selbstverständlich ist, diesen Tag gemeinsam zu begehen“. Erst zum Ende ihrer Rede sprach sie davon, dass „Rechtsextreme“ die Erinnerung an die Verbrechen des NS-Regimes in Frage stellten. „Wir müssen besonders aufmerksam und geschichtsbewusst sein“, sagte Zepuntke.

Oded Horowitz sprach in seiner auffällig kurzen Rede von einer Erinnerung, „die natürlich auch uns, aber eigentlich der deutschen Gesellschaft wichtig sein sollte“. Nach einem Gebet des Gemeinderabbiners Raphael Evers war die Gedenkveranstaltung in diesem Jahr ungewöhnlich schnell wieder beendet.

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