Düsseldorf Politik

Pantel sagt Teilnahme an Ahmadiyya-Veranstaltung wieder ab

Düsseldorf. Sylvia Pantel wollte am Donnerstag eine Veranstaltung der Ahmadiyya-Gemeinde zur Stellung der Frau im Islam besuchen, um kritische Fragen zu stellen. Aber nachdem die islamische Gemeinde die Veranstaltung ungefragt mit ihr als Interview-Partnerin bewarb, sagte die CDU-Politikerin empört wieder ab. „Ich möchte ausdrücklich betonen, dass ich weder eine Unterstützerin der Ahmadiyya-Gemeinde bin noch deren Frauenbild teile“, sagte Pantel.

Frauen aus der Ahmadiyya-Gemeinde bei einer Demonstration in Köln (Bild: NRW.direkt)

„Eine Reise durch die islamische Zeit“ hieß die Ausstellung, die vom 6. bis zum 9. Februar im Düsseldorfer Rathaus zu sehen war. Ausrichter war die Ahmadiyya Muslim Jamaat-Gemeinde (AMJ). Obwohl selbst die politisch linkslastige Internet-Enzyklopädie Wikipedia darauf verweist, dass die weltweite Vorherrschaft des Islam zu den Zielen der AMJ gehört, wurde diese im April 2013 als erste muslimische Gemeinde in Deutschland als Körperschaft des öffentlichen Rechts anerkannt. Mit diesem Status ist die Gemeinde den christlichen Kirchen rechtlich gleichgestellt.

Die Ausstellung im Rathaus geriet zum Skandal, nachdem der Düsseldorfer Anzeiger berichtet hatte, dass dort auch Broschüren mit Titeln wie „Die Rechte und Pflichten einer Frau im Islam“, „Die islamische Ehe“ oder „Warum trägt die Muslima Schleier oder Kopftuch?“ angeboten wurden. Bei näherer Betrachtung hätten die bunten Heftchen jedoch frauenfeindliche Inhalte offenbart. Etwa, dass Frauen nicht ohne Einverständnis des Mannes arbeiten gehen dürfen sowie Schleier oder Kopftuch tragen, um sich „vor anderen Männern zu schützen“. Auch sollten Frauen, im Gegensatz zu Männern, die unter bestimmten Voraussetzungen bis zu vier Frauen ehelichen können, nur einen Mann haben, weil sie sonst zu häufig schwanger würden. Die Aussage, dass Frauen nicht gegen ihren Mann opponieren, war ebenfalls in einer der Broschüren zu finden.

Geschlechtertrennung und Überordnung der Männer

Auch die Recherchen der Islamismus-Expertin Sigrid Herrmann-Marschall bestätigen ein entsprechendes Frauenbild der AMJ. So gehöre die strikte Geschlechtertrennung ebenso zu deren Ideologie wie die Überordnung der Männer gegenüber den Frauen oder die Tatsache, dass Ahmadiyya-Frauen nur Männer aus ihrer Gemeinde heiraten dürfen. „Frauen werden nur dann als gleichwertig betrachtet, wenn sie die ‚gottgewollten‘ geringeren Rechte akzeptieren“, erklärte Herrmann-Marschall.

Sylvia Pantel, Vorsitzende der Düsseldorfer Frauen Union, war über die Ausstellung im Rathaus empört: „Es ist nicht hinzunehmen, dass Frauen hier unter dem Deckmantel der Religionsfreiheit in ihren Bürgerrechten beschnitten werden“, sagte sie damals unserer Redaktion. „Wir diskutieren über eine gendergerechte Sprache und übersehen gleichzeitig elementare Menschenrechte. Frauen und Männer sind gleichberechtigte Partner! Und wenn eine solche Ausstellung ohne Reaktion in unserem Rathaus stattfinden kann, finde ich das für alle Frauenorganisationen in unserer Stadt beschämend.“ Die Düsseldorfer CDU-Ratsfraktion reagierte ebenfalls mit Empörung auf die bei der Islam-Ausstellung angebotenen Broschüren.

Ahmadiyya wirft CDU „religiös-kulturelle Vorurteile“ vor

Eine Kritik, die die Ahmadiyya-Gemeinde offenbar verärgert hat: Als diese im Oktober für Donnerstag eine Diskussions-Veranstaltung unter dem Motto „Islam und Emanzipation – Die Stellung der Frau im Islam“ angekündigt hatte, hieß es in der Einladung wörtlich: „Frauenfeindlichkeit, Freiheitsberaubung und Unterdrückung – das assoziieren derzeit viele Bürger mit dem Stichwort Islam und seine Haltung gegenüber Frauen. Ferner wurde seitens der CDU-Fraktion die Islam-Ausstellung 2017 der AMJ im Düsseldorfer Rathaus zur Zielscheibe von politischen Vorwürfen und religiös-kulturellen Vorurteilen.“

Diese Einladung wurde auch an die Düsseldorfer CDU verschickt, was dort als Herausforderung zu weiterer Diskussion verstanden und auch entsprechend angenommen wurde: Sofort meldeten sich Sylvia Pantel und andere Mitglieder der Frauen Union für die Diskussionsveranstaltung an. Pantel beschloss, „den öffentlichen Raum der Veranstaltung zu nutzen, um aus dem Publikum heraus meine Fragen an die Gemeindemitglieder stellen zu können“. Dabei wollte sie auch sogenannte Ehrenmorde thematisieren. Konkret wollte sie den Fall der 19-jährigen Lareeb Khan ansprechen, die von ihren Eltern ermordet wurde, weil sie außerehelichen Geschlechtsverkehr hatte. Khans Familie gehört der AMJ an. Dazu richtete Pantel vorab eine schriftliche Anfrage an die umstrittene Gemeinde.

Die aber nutzte ihre Anmeldung auf wenig lautere Art: Anfang letzter Woche schrieb die AMJ Journalisten an, um sie auf die Veranstaltung am Donnerstag in Düsseldorf-Bilk aufmerksam zu machen. In dem Anschreiben wurde Sylvia Pantel den Pressevertretern zusammen mit der in der Öffentlichkeitsarbeit der Ahmadiyya-Gemeinde sehr aktiven Journalistin Khola Maryam Hübsch als Interview-Partnerin angeboten.

„Dieses Vorgehen ist nicht zu tolerieren“

Daraufhin sagte Sylvia Pantel ihre Teilnahme an der Veranstaltung wieder ab. „Ich möchte ausdrücklich betonen, dass ich weder eine Unterstützerin der Ahmadiyya-Gemeinde bin noch deren Frauenbild teile“, sagte die CDU-Politikerin. Sie habe der Gemeinde „zu keiner Zeit zugesagt“, als Interview-Partnerin zur Verfügung zu stehen und sei dazu auch nie gefragt worden.

„Dass die Gemeinde ungefragt mit mir als Interview-Partnerin wirbt, ist für mich nicht zu tolerieren und zeigt offensichtlich deren Arbeitsweise. Aufgrund dieses Vertrauensbruches habe ich mich nun dazu entschlossen, der Veranstaltung fernzubleiben. Außerdem habe ich einen Anwalt damit beauftragt, rechtliche Schritte einzuleiten, da von Seiten der AMJ an dieser Stelle bewusst getäuscht wurde und ganz offensichtlich ein falscher Eindruck entstehen sollte“, begründete Sylvia Pantel ihre Haltung. (ph)

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