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Petry und Pretzell verlassen die AfD

Düsseldorf. Frauke Petry und Marcus Pretzell werden die AfD verlassen. Seinen Fraktionsvorsitz will Pretzell am Freitag niederlegen. Nachdem ihn eine Journalistin zu provozieren versuchte, warf er den Medien vor, maßgeblich zur Entwicklung der AfD beigetragen zu haben.

Frauke Petry und Marcus Pretzell bei der konstituierenden Sitzung des Landtags Anfang Juni (Bild: NRW.direkt)

Der AfD-Fraktionsvorsitzende Marcus Pretzell wird die Fraktion wie auch die Partei verlassen. Seinen Fraktionsvorsitz will er am Freitag niederlegen. Der Landtagsabgeordnete Alexander Langguth will ebenfalls Fraktion und Partei verlassen. Ihre Mandate wollen Pretzell und Langguth behalten. Das teilte die AfD-Landtagsfraktion am Dienstag mit.

Auch Pretzells Ehefrau, die AfD-Bundesvorsitzende Frauke Petry, teilte am gleichen Tag mit, die Partei verlassen zu wollen. Nachdem Petry bei der Bundestagswahl am Sonntag in Sachsen eines von drei Direktmandaten der AfD holte, überraschte sie am Tag darauf mit der Ankündigung, nicht der AfD-Bundestagsfraktion angehören zu wollen.

Weitere Schwächung der bürgerlichen Kräfte

Frauke Petry und Marcus Pretzell hatten in jüngerer Vergangenheit mehrfach die Radikalisierung der AfD kritisiert und eine konsequente Abgrenzung zum rechten Rand sowie eine realpolitische Ausrichtung der Partei gefordert. Aus der AfD wurden sie dafür teilweise massiv persönlich angefeindet.

Mit dem Rückzug des Ehepaares dürften die bürgerlich-konservativen wie auch die pro-israelischen Kräfte in der AfD stark geschwächt sein. Der nordrhein-westfälische AfD-Landesverband, der sich Radikalisierungstendenzen anderer Teile der Partei bislang überwiegend verweigert hatte, dürfte durch Pretzells Rückzug vor nicht wenige Probleme gestellt sein.

Journalistin versucht zu provozieren

Zum Eklat kam es, als Marcus Pretzell am Dienstag zusammen mit seinen Fraktionsvorstandskollegen Markus Wagner und Helmut Seifen eine Stellungnahme gegenüber dem WDR abgab. Zuerst betonte Pretzell, dass sein Parteiaustritt nichts mit der Fraktion zu tun habe: „Im Gegenteil: Ich muss mich heute auch für die vergangene Zusammenarbeit bedanken, die hat hier ausgezeichnet funktioniert. Ich verlasse die Fraktion mit einem weinenden Auge.“

Nachdem er zu den Beweggründen für seinen Parteiaustritt nichts sagen wollte, wurde er von der WDR-Journalistin gefragt: „Wollen Sie nicht zu den grölenden Höckes und Gaulands dazugehören, die Frau Merkel jagen wollen, um das deutsche Volk wieder heimzuholen?“

Die Antwort von Marcus Pretzell lautete: „Ach wissen Sie, das sind so Fragen, die mich überlegen lassen, ob Sie es nicht vielleicht sind, die ganz maßgeblich zu einer solchen Radikalisierung der Gesellschaft beitragen. Und der WDR ist da leider sehr weit vorne, weil Ihnen die Fähigkeit zur Differenzierung völlig abgeht.“ Weiter sagte Pretzell: „Sie bedienen Klischees. Damit tun Sie das, was Sie der AfD und anderen Parteien vorwerfen. Und Sie sind diejenigen – und zwar gerade beim WDR – die maßgeblich zur Entwicklung der AfD und diesem Wahlergebnis beigetragen haben. Denn jede dieser Fragen, die Sie stellen und senden, bringt noch mehr Leute auf die Palme und dazu, über ihren Schatten zu springen und am Ende Dinge zu wählen, von denen sie selbst gar nicht überzeugt sind.“ (ph)

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