Düsseldorf Justiz Lau-Prozess Mönchengladbach

Pierre Vogel besucht Lau-Prozess

Düsseldorf/Mönchengladbach. Beim Prozess gegen den Salafisten-Prediger Sven Lau erschien am Mittwoch überraschend dessen alter Weggefährte Pierre Vogel als Zuschauer. In der Verhandlung ging es erneut um die Glaubwürdigkeit des Hauptbelastungszeugen Ismail I.

Pierre Vogel 2011 in Mönchengladbach (Bild: NRW.direkt)

Pierre Vogel (Archivbild: NRW.direkt)

Unerwartete Überraschung im Hochsicherheitstrakt des Düsseldorfer Oberlandesgerichts (OLG): Am Mittwochmorgen erschien Pierre Vogel mit zwei weiteren Salafisten, um die Verhandlung gegen seinen früheren Weggefährten Sven Lau als Zuschauer zu verfolgen. Nach Sitzungsbeginn gesellten sich noch zwei Salafisten zu der Runde. Gegen Sven Lau wird seit Anfang September vor dem Fünften Strafsenat des OLG verhandelt. Vorgeworfen wird dem ehemaligen Mönchengladbacher Salafisten-Chef die Unterstützung in Syrien aktiver Terror-Organisationen.

Zusammen mit dem Braunschweiger Imam Muhammed Ciftci bildeten Pierre Vogel und Sven Lau 2010 und 2011 das Führungstrio des Mönchengladbacher Salafisten-Vereins Einladung zum Paradies (EZP). Von der Politik wurden deren aggressive öffentliche Auftritte im Stadtteil Eicken mit dem Verweis auf die Religionsfreiheit geduldet. Eine Bürgerinitiative sorgte mit ihren beharrlichen Protesten jedoch dafür, dass Ciftci und Vogel nach rund einem Jahr entnervt aufgaben und die Stadt wieder verließen.

Der Auftritt von Pierre Vogel am Mittwoch vor Gericht wirkte inszeniert. Vermutlich wissend, dass ihn alle Journalisten im Saal genau beobachten, erhob er sich beim Eintreten der Richter und sagte dabei laut: „Vor einem deutschen Gericht ist das so.“ Nachdem Sven Lau in seine Richtung grüßte und winkte, drehte er sich zu seinen Begleitern um und sagte in rheinischem Dialekt: „Wat sieht der jut aus.“

„Da hat uns der freundliche Herr I. zweimal angelogen“

Zu sehen bekam Pierre Vogel die Vernehmung eines Mönchengladbacher Staatsschützers, der detailliert schilderte, wie sich ihm der Hauptbelastungszeuge Ismail I. im Juli zu Sven Lau offenbarte. Die Bereitschaft, Lau zu belasten, sei dabei von Ismail I. ausgegangen. Im Verlauf der Befragung stellte sich aber auch heraus, dass Ismail I. die Vernehmung durch den Ermittler am Vortag an zwei Stellen anders wiedergegeben hatte. Sven Laus Anwalt Mutlu Günal trumpfte sofort auf: „Da hat uns der freundliche Herr I. gestern zweimal angelogen.“ Der Vorsitzende Richter Frank Schreiber wandte jedoch ein, dass noch nicht geklärt sei, ob Ismail I. am Dienstag damit bewusst die Unwahrheit gesagt habe.

Die Glaubwürdigkeit von Ismail I. gilt als hoch umstritten. Nach seiner eigenen Verurteilung zu vier Jahren und sechs Monaten Haft wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung hatte Ismail I. eingeräumt, das Gericht „für blöd verkauft“ zu haben, um seine eigene Strafe gering zu halten. Im Prozess gegen Sven Lau beharrte er bislang darauf, dass seine Aussagen der Wahrheit entsprechen. Einen Zusammenhang zu der demnächst anstehenden Entscheidung, ob er nach Verbüßung von zwei Dritteln seiner Haftzeit vorzeitig auf freien Fuß kommt, bestritt Ismail I. mehrfach.

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