Düsseldorf Wirtschaft und Verkehr

„Piloten-Revolte“ sorgt für Chaos

Düsseldorf. Erst am Wochenende kam es am Flughafen wegen der Warteschlangen vor den Sicherheitskontrollen zu einer Eskalation. Dabei wurden Mitarbeiter von Fluggästen beschimpft. Am Dienstag sorgten Piloten der insolventen Air Berlin mit kollektiven Krankmeldungen für ausgefallene Flüge und neues Chaos. Für Mittwoch liegen bereits 149 weitere Krankmeldungen von Piloten vor.

Große Teile der Air-Berlin-Flotte blieben am Dienstag am Boden (Bilder: NRW.direkt)

Erst am Wochenende eskalierte die Situation am Flughafen Düsseldorf: Nachdem es erneut lange Warteschlangen an den Sicherheitsschleusen gegeben hatte, stellte der Airport am Sonntag Schilder mit dem Hinweis auf, dass wegen Personalmangels des Sicherheitsunternehmens Kötter nur wenige Kontrollspuren geöffnet seien. Daraufhin wurden die Mitarbeiter des Sicherheitsdienstleisters „angepöbelt und beschimpft“, so einer der Mitarbeiter gegenüber der Rheinischen Post. Später entschied der Flughafen, die Schilder wieder abzunehmen.

Seit Wochen kommt es im Terminal des größten nordrhein-westfälischen Flughafens zu langen Warteschlangen, weil die Sicherheitskontrollstellen nicht in ausreichendem Maße mit Personal besetzt werden können. Für die Kontrollen zuständig ist die Bundespolizei. Die aber hat die Kontrollen an Flughäfen in Nordrhein-Westfalen sowie in Baden-Württemberg an private Dienstleister ausgelagert. „Was derzeit im Bereich der Sicherheitskontrollen passiert, bedeutet einen Imageschaden für den Flughafen. Dabei ist der Flughafen nicht verantwortlich für das, was dort passiert“, sagte der Düsseldorfer Oberbürgermeister Thomas Geisel auf einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz am Montag.

Beim Briefing oder auf dem Weg zum Flugzeug krank gemeldet

Am Dienstag gab es neues Chaos, weil sich rund 200 von insgesamt 1.500 Piloten der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin in einer offenbar konzertierten Aktion kurzfristig krank gemeldet haben. Viele davon hatten sich „während des Crew-Briefings unmittelbar vor dem Flug oder auf dem Weg zum Flugzeug“ krank gemeldet, teilte die Fluglinie mit. Bei den vermeintlich Kranken soll es sich hauptsächlich um Kapitäne gehandelt haben.

Einige Medien bezeichneten den wilden Streik als „Piloten-Revolte“. Grund soll eine Auseinandersetzung über den Übergang von Piloten der insolventen Airline auf deren möglichen Käufer sein. Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit hatte kurz zuvor Befürchtungen geäußert, dass der Langstreckenbetrieb von Air Berlin dabei komplett eingestellt werden könnte.

Die teilweise noch von der LTU übernommen Verträge mit den hochbezahlten Langstreckenpiloten gelten als einer von vielen Gründen für den wirtschaftlichen Niedergang von Air Berlin. Nach dem Willen der Bundesregierung soll jetzt der Lufthansa-Konzern große Teile der insolventen Fluggesellschaft übernehmen. Das Interesse der Lufthansa besteht offenbar darin, die entsprechenden Teile in die Billigfluglinie Eurowings zu integrieren – zu deren Konditionen die bisherigen Mitarbeiter von Air Berlin aber nicht passen würden.

42 Flüge ausgefallen

Als Folge des wilden Pilotenstreiks fielen am Dienstag in Düsseldorf 22 abgehende Flüge, darunter fünf in die USA, sowie 20 ankommende Flüge aus. Tausende Fluggäste suchten daraufhin bei den Serviceschaltern von Air Berlin Hilfe. Am frühen Nachmittag war die Warteschlange vor einem Air-Berlin-Schalter auf eine Länge quer durch das Terminal angewachsen. Wegen der langen Bearbeitungsdauer warteten viele der gestrandeten Fluggäste auf Klappstühlen sitzend, bis sie endlich an der Reihe waren.

Am Mittwoch dürfte es kaum besser werden: „Für morgen liegen uns gegenwärtig 149 Krankmeldungen von Kapitänen und First Officers vor“, heißt es in einem dem Fachmagazin airliners.de vorliegenden Brief von Air Berlin an deren Mitarbeiter. (ph)

Bild ganz oben: Gestrandete Fluggäste an einem Serviceschalter von Air Berlin

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