Düsseldorf Politik

Polizei schützt AfD-Veranstaltung

Düsseldorf. Rund 400 Menschen haben am Freitag gegen eine Wahlkampfveranstaltung der AfD demonstriert. Die etwa 100 AfD-Anhänger wurden dabei von mehreren Einsatzhundertschaften geschützt. Die AfD-Bundesvorsitzende Frauke Petry wurde von einem Gegendemonstranten als „verdammte Hure“ beschimpft.

Gegendemonstranten (Bild: NRW.direkt)

Am Freitagnachmittag fand auf dem Johannes-Rau-Platz in Düsseldorf eine Wahlkampfveranstaltung der AfD statt. Überschattet wurde die Kundgebung von dem Angriff auf den baden-württembergischen AfD-Stadtrat Eberhard Brett am Abend zuvor. Der 57-Jährige befand sich auf dem Weg zu einer Veranstaltung seiner Partei, als er von einem 18-jährigen Mann mutmaßlich aus dem linken Spektrum mit einer Holzlatte angegriffen und auf den Kopf geschlagen wurde. Seiner Begleiterin wurde in den Rücken geschlagen. Rettungskräfte brachten Brett in ein Krankenhaus. In Düsseldorf aber sorgten mehrere Einsatzhundertschaften der Polizei rund um den Johannes-Rau-Platz von Anfang an für Sicherheit. Eine Sitzblockade von Gegendemonstranten, die den AfD-Anhängern den Zutritt zu ihrer Kundgebung unmöglich machen sollte, wurde schnell wieder aufgelöst.

Insgesamt kamen rund 400 Menschen zu den Gegenkundgebungen am Apollo-Theater. Flaggen der Gewerkschaft Verdi waren dort ebenso zu erkennen wie solche der Grünen, die SPD hatte einen Stand aufgebaut. Auch der Bundestagsabgeordnete Andreas Rimkus (SPD) und die Landeschefin der Grünen, Mona Neubaur, wurden von den Gegendemonstranten begrüßt. Jacques Tilly, prominentester Karnevalswagenbauer der Landeshauptstadt, posierte vor einem kleinen Motto-Wagen, der die AfD als Wolf im Schafspelz darstellte. Viele Gegendemonstranten trugen Plakate mit der Aufschrift „Refugees welcome“ („Flüchtlinge willkommen“).

Geisel: „Anständigkeit und Zivilisation“

Thomas Geisel (Bild: NRW.direkt)

Als erster Redner auf der Gegenkundgebung sprach Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD). „Diese Stadt steht für alles, wofür die AfD nicht steht: Hegemonie der Anständigkeit und Zivilisation“, sagte Geisel. Schnell kam der SPD-Politiker auf die anstehende Landtagswahl zu sprechen: „Was Sie wählen, ist zweitrangig. Aber bitte wählen Sie keine Strömungen, die unsere Gesellschaft spalten.“ Geisel sprach davon, „Rattenfängern nicht auf den Leim zu gehen“. Henrike Tetz, Superintendentin des Evangelischen Kirchenkreises Düsseldorf, warf der AfD vor, „Ängste und Hass zu schüren“.

Die meisten Redner warfen der AfD „Rassismus“ und „Ressentiments“ vor oder warben für „Toleranz“, mieden jedoch direkte inhaltliche Auseinandersetzungen. Völlig anders hielt das Michael Szentei-Heise, der Verwaltungsdirektor der Jüdischen Gemeinde in Düsseldorf. Szentei-Heise begann seine Rede damit, dass die AfD-Bundesvorsitzende Frauke Petry ihre Partei vor einigen Wochen „als Hüterin jüdischen Lebens in Deutschland“ dargestellt habe. Dies habe seine Gemeinde „auf Glaubwürdigkeit untersucht“. Gefunden habe sie ein Zitat eines Neusser AfD-Funktionärs, in dem von „Umvolkung“ die Rede gewesen sei. „Das ist kein ur-jüdischer Begriff“, bemerkte Szentei-Heise lakonisch. Dann kritisierte er Bestrebungen von baden-württembergischen AfD-Landtagsabgeordneten, staatliche Zuschüsse für Klassenfahrten zu Gedenkstätten von Verbrechen des Nazi-Regimes streichen zu wollen.

Noch während Szentei-Heise redete, marschierte eine Hundertschaft der linksextremen Antifa auf. Die Gegendemonstranten skandierten „AfD Faschistenpack, wir haben euch zum Kotzen satt“ und bezogen im Eingangsbereich der AfD-Kundgebung Position. Die Polizei sorgte jedoch dafür, dass Teilnehmer und Journalisten auch weiterhin zu dieser Zutritt hatten. Dennoch fanden sich nur etwas mehr als 100 AfD-Anhänger auf der kurz darauf beginnenden Wahlkampfveranstaltung ein.

Reil: „Freie Meinungsäußerung ist das höchste Gut“

Frauke Petry (Bild: NRW.direkt)

Erster Redner dort war der 2016 von der SPD zur AfD gegangene Essener Ratsherr Guido Reil. Der ehemalige Sozialdemokrat sprach darüber, dass vor einer Woche das Auto seiner Frau demoliert und sein Haus mit Parolen wie „Arbeiterverräter“ beschmiert wurde. Am meisten habe ihn dabei enttäuscht, dass kein einziger seiner Ratskollegen sein Bedauern darüber ausgedrückt habe. „Damit wird für mich ganz klar symbolisiert: Mit der AfD kann man das machen, die haben das verdient“, kritisierte Reil. „Und es gibt keinen Aufschrei der Demokraten.“ Das Recht der freien Meinungsäußerung bezeichnete er als „das höchste Gut“.

Immer wieder gingen die AfD-Politiker in ihren Reden auf die Gegendemonstranten ein, so etwa als Landessprecher Marcus Pretzell die auf Hörweite herangerückten Demonstranten mit den Worten „Euer Hass ist unser Ansporn“ begrüßte. Die Angesprochenen reagierten mit lautstarken „Haut ab!“-Rufen. Dann bot Pretzell dem SPD-Oberbürgermeister an, auf der AfD-Veranstaltung zu sprechen: „Herr Geisel, Sie sind herzlich eingeladen und bekommen zehn Minuten Redezeit.“ Zu diesem Zeitpunkt dürfte Thomas Geisel jedoch schon außer Hörweite gewesen sein, womit offen blieb, ob er das Angebot einer direkten Auseinandersetzung angenommen hätte. Als Marcus Pretzell über innere Sicherheit sprach und dabei Landesinnenminister Ralf Jäger (SPD) scharf kritisierte, stimmten die Gegendemonstranten „Hoch die internationale Solidarität“ an.

Letzte Rednerin war die AfD-Bundesvorsitzende Frauke Petry. Als die hochschwangere Petry auf die Bühne ging, wurde sie von einem Gegendemonstranten lautstark als „verdammte Hure“ beschimpft. Die AfD-Vorsitzende begann ihre Rede mit Ausführungen zur Familienpolitik, konnte sich die Ansprache an die Gegendemonstranten aber auch nicht verkneifen: „Diejenigen, die sich heute Antifaschisten nennen, verhalten sich, als seien sie selbst Faschisten.“ Die Reaktionen darauf waren geteilt: Die AfD-Anhänger reagierten mit „Frauke, Frauke!“-Rufen und Beifall, die Gegendemonstranten schrien „Halt die Fresse“. (ph)

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