Bochum Panorama

Proteste gegen die Ruhrtriennale-Intendantin

Bochum. Rund 250 Menschen demonstrierten am Samstag vor der Jahrhunderthalle gegen Ruhrtriennale-Intendantin Stefanie Carp und warfen ihr die Unterstützung der BDS-Bewegung vor. Die Solidaritäts-Kundgebung einer kommunistischen Splittergruppe für Carp war mit rund 30 Teilnehmern jedoch nur schwach besucht.

Teilnehmer der von Malca Goldstein-Wolf organisierten Kundgebung (Bild: NRW.direkt)

Insgesamt rund 250 Menschen demonstrierten am Samstag vor der Jahrhunderthalle in Bochum gegen Ruhrtriennale-Intendantin Stefanie Carp sowie eine kurz darauf stattfindende Podiumsdiskussion, zu der Carp auch zwei Unterstützer der BDS-Bewegung eingeladen hatte. Die Protestkundgebung wurde von der jüdischen Aktivistin Malca Goldstein-Wolf organisiert.

Unter den Teilnehmern, die teilweise aus dem ganzen Bundesgebiet angereist sind, waren auch Mitglieder von Jüdischen Gemeinden aus der Region sowie mehrere Vertreter der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG), so etwa der Düsseldorfer DIG-Vorsitzende André von Schúeck. Eine Gegenkundgebung des der Marxistisch-Leninistischen Partei Deutschlands (MLPD) nahestehenden „Internationalistischen Bündnis“, die zur „Solidarität mit der Intendantin der Ruhrtriennale“ aufgerufen hatte, fand mit rund 30 Teilnehmern hingegen nur wenig Anklang.

Aufgrund von Bezügen zur BDS-Bewegung ist die Ruhrtriennale, ein hauptsächlich vom Land finanziertes Kulturfestival, bereits seit Monaten in den Schlagzeilen: Zuerst hatte die neue Intendantin Stefanie Carp die schottische Musik-Gruppe „Young Fathers“ zur Teilnahme eingeladen, obwohl die Band für ihre Unterstützung der BDS-Bewegung bekannt ist.

„Kauft nicht bei Juden“

Die Kundgebung des „Internationalistischen Bündnis“ war nur schwach besucht (Bild: NRW.direkt)

BDS steht für „Boycott, Divestment and Sanctions“ (Boykott, Desinvestition und Sanktionen). Die Bewegung entstand 2005 durch palästinensische Organisationen und Gruppen, die sich das Modell des langjährigen Boykotts der arabischen Liga gegen Israel zum Vorbild gemacht hatten. Ziel dieser von vielen Politikern als antisemitisch eingestuften Kampagne ist die wirtschaftliche, politische und kulturelle Isolation Israels. In Deutschland hatte die BDS-Bewegung zunächst mit einer Kampagne gegen israelischen Waren begonnen. Boykottaufrufe für israelische Produkte führten schnell dazu, dass sich viele Menschen an die Nazi-Kampagne „Kauft nicht bei Juden“ erinnert fühlten.

Nach Kritik an der Einladung der „Young Fathers“ und einer Intervention von Landeskulturministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen wurde die Band wieder ausgeladen. Dann aber wurden sie von Carp erneut eingeladen, woraufhin die Young Fathers ihre Teilnahme selbst absagten. Stefanie Carp aber trieb den Skandal auf die Spitze, indem sie die BDS-Bewegung im Kulturausschuss des Landtages verteidigte und als Kämpfer für das Existenzrecht Palästinas bezeichnete.

Lorenz Deutsch, kulturpolitischer Sprecher der FDP-Landtagsfraktion, forderte daraufhin eine „personelle Neuaufstellung“ der Ruhrtriennale. Später forderten auch die DIG sowie Vertreter Jüdischer Gemeinden und Verbände den Rücktritt von Stefanie Carp. Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) ging auf Distanz zu Carp, indem er der diesjährigen Ruhrtriennale fernblieb.

„Der BDS will Israels Vernichtung“

Mit Plakaten mit Aufschriften wie „Der BDS will Israels Vernichtung. Stefanie Carp wollte den BDS auf der Bühne. Will die Ruhrtriennale solch eine Chefin?“ schlossen sich am Samstag auch die Demonstranten den Rücktrittsforderungen an. Neben Malca Goldstein-Wolf und Lorenz Deutsch sprachen Elio Adler, Gründer und Vorsitzender der deutsch-jüdischen WerteInitiative, der Kölner Schauspieler und Autor Gerd Buurmann sowie Thomas Wessel, Pfarrer der Christus-Kirche Bochum, auf der Protestkundgebung.

Dabei erinnerte Pfarrer Wessel daran, dass am 18. August vor 30 Jahren die Charta der Terror-Organisation Hamas veröffentlicht wurde, die zur Vernichtung Israels aufruft. Auch wies Thomas Wessel darauf hin, dass die Hamas wie auch die Terror-Organisation Volksfront zur Befreiung Palästinas (PFLP) zum Koordinierungskomitee der BDS-Bewegung gehören. Lorenz Deutsch beschrieb, wie sich Stefanie Carp vor dem Kulturausschuss des Landtags nur mit großer Mühe und erst nachdem sie von allen Seiten dazu befragt wurde, zum Existenzrecht des Staates Israel bekannt hatte. Von der BDS-Bewegung konnte sie sich nicht klar distanzieren, erinnerte der FDP-Politiker. Mehrere Redner kritisierten, dass „alles hier mit unseren Steuergeldern passiert“. (mn,ph)

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