Kolumnen Politik

Radikalfeministinnen gegen den § 219a

Kulturkämpferinnen haben es auf die Abschaffung des Werbeverbots für Abtreibungen abgesehen. Unter dem Motto der sexuellen Selbstbestimmung veranstalten sie am Samstag einen Aktionstag gegen das Lebensrecht der Ungeborenen. Eine Kolumne von Anette Schultner.

Anette Schultner

Wann beginnt das menschliche Leben? Unsinnigerweise hört man immer wieder: bei der Geburt. Also hätte demnach zwar ein Kind, das im sechsten Monat geboren wird, ab dann Menschenrechte, wäre das genauso entwickelte Kind aber noch nicht geboren, hätte es diese nicht. Es würde gar nicht als Mensch gelten. Für jeden auch nur minimal logisch denkenden Menschen ist offensichtlich, was für ein haarsträubender Unfug das ist. Doch vor allem in linken Milieus wird für das noch ungeborene Kind aus einem solchen Blickwinkel mitunter das zutiefst entmenschlichende Wort „Zellhaufen“ benutzt, teilweise auch „parasitärer Zellhaufen“.

Fakt ist: Wenn die Samenzelle in die Eizelle eindringt und mit ihr verschmilzt, beginnt die Zellteilung eines neuen menschlichen Lebens, in dem genetisch alles angelegt ist. So definiert auch das Embryonenschutzgesetz die befruchtete, entwicklungsfähige menschliche Eizelle als Embryo mit Menschenwürde.

Kurz nach der Befruchtung findet die Einnistung in der Gebärmutterschleimhaut statt und die Schwangerschaft nimmt ihren weiteren Weg. Alle Anlagen sind da; was es braucht, ist Entwicklungszeit. Doch dass ein Mensch noch in der Entwicklung und im Wachstum ist, lässt ihn nicht weniger Mensch sein. Bedenken Sie: Der Mensch entwickelt sich auch noch erheblich nach der Geburt. Wenn wir anfangen, willkürlich Termine zu setzen, wann ein Mensch ein Mensch ist, kommen wir leicht in ein äußerst brutales Denken.

Das eigene Lebensrecht des Ungeborenen

So gibt es Wissenschaftler, die die These vertreten, ein Kind sei in den ersten zwei Lebensjahren – nach der Geburt! – immer noch kein Mensch, denn ihm fehle das Ich-Bewusstsein. Völlig willkürlich ist es auch, einem Ungeborenen bis zur zwölften Woche das Menschsein abzusprechen. Unsere Gesetze teilen diese Idee selbstverständlich nicht. Sie finden nicht ohne Grund die Gesetze zu Schwangerschaftsabbrüchen im Strafgesetzbuch im 16. Abschnitt unter „Straftaten gegen das Leben“. Eine Abtreibung ist rechtswidrig, sie wird nur unter bestimmten Bedingungen nicht bestraft.

Dieses Bewusstsein aber haben immer weniger Menschen. Immer weniger Menschen sind sich bewusst, dass das ungeborene Kind ein eigenes Lebensrecht hat. Auch gegenüber seiner Mutter. Darauf weist auch diese Passage in § 219 StGB Abs. 1 hin: „Dabei muss der Frau bewusst sein, dass das Ungeborene in jedem Stadium der Schwangerschaft auch ihr gegenüber ein eigenes Recht auf Leben hat…“

Es gibt bestimmte gesellschaftliche Gruppen, meistens in rot-grünen Milieus verankert und mit radikalfeministischer Agenda, die seit Jahrzehnten einen Kulturkampf gegen das Lebensrecht der Ungeborenen zugunsten eines sogenannten „Selbstbestimmungsrechts“ oder „Frauenrechts auf Abtreibung“ führen. Das es aber als tatsächliches Recht nicht gibt und nicht geben darf, denn sonst hieße das, der Selbstbestimmung eines Menschen mehr Bedeutung beizumessen als dem Wert eines anderen ganzen Menschenlebens. Hinzu kommt, dass es mit der Selbstbestimmung vieler Frauen, die abtreiben, nicht weit her ist: Oft führt erst immenser äußerer Druck durch Partner, Eltern, Arbeitgeber oder andere zum Schritt der vorgeburtlichen Kindstötung. Ein Thema, das bei den Radikalfeministinnen übrigens keine Rolle spielt, was zeigt, wie viel mehr es ihnen um eine Agenda als um das wirkliche Wohl der Frauen geht.

Kulturkampf gegen das Werbeverbot für Abtreibungen

Im Fokus dieser radikalfeministischen Gruppen steht seit geraumer Zeit die Abschaffung der in § 219a StGB festgeschriebenen Werbeverbotes für den Abbruch der Schwangerschaft. „Wer öffentlich, in einer Versammlung oder durch Verbreiten von Schriften seines Vermögensvorteils wegen oder in grob anstößiger Weise 1. eigene oder fremde Dienste zur Vornahme oder Förderung eines Schwangerschaftsabbruchs oder 2. Mittel, Gegenstände oder Verfahren, die zum Abbruch der Schwangerschaft geeignet sind, unter Hinweis auf diese Eignung anbietet, ankündigt, anpreist oder Erklärungen solchen Inhalts bekanntgibt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft“ heißt es dort wörtlich. Für die Unterrichtung von Ärzten und gesetzlich anerkannten Beratungsstellen gilt dies laut Absatz 2 jedoch nicht.

So lange es dem Gesetzgeber ernst ist mit dem Schutz des Lebens, kann er natürlich keine Werbung für Straftaten akzeptieren, die nur unter besonderen Bedingungen nicht als Straftat geahndet werden. Doch die politische und juristische Seite interessiert die Radikalfeministinnen nicht. Ihnen geht es um den Kulturkampf.

Bündnis gegen das Lebensrecht Ungeborener

Dafür findet am kommenden Samstag in mehreren deutschen Städten ein Aktionstag eines „Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung“ statt. Dieses Bündnis besteht aus diversen Beratungsstellen, verschiedenen feministischen Gruppen, linken Verbänden, Gewerkschaften, Parteien und Einzelpersonen. Gegründet hat sich dieses Bündnis in Widerstand gegen die jährliche Berliner Lebensrechtsdemonstration „Marsch für das Leben“.

Die Radikalfeministinnen stehen nicht immer offen zu ihrer marxistisch-kulturkämpferischen Agitation, sondern sagen dann, der § 219a StGB stünde der Information der Frauen über Abtreibungsmöglichkeiten entgegen. Wenn man sich allein den betreffenden Paragraphen durchliest, erkennt man den offensichtlichen Unsinn dieser Argumentation.

Wenn man in Deutschland eine vorgeburtliche Kindstötung vornehmen lassen will, muss man sich vorher beraten lassen, was – nebenbei bemerkt – viele Beratungsstellen sehr oft nicht praktizieren, wie es ihnen der Gesetzgeber aufträgt. In § 219 StGB Absatz 1 findet sich nämlich auch dieses: „Die Beratung dient dem Schutz des ungeborenen Lebens. Sie hat sich von dem Bemühen leiten zu lassen, die Frau zur Fortsetzung der Schwangerschaft zu ermutigen und ihr Perspektiven für ein Leben mit dem Kind zu eröffnen; sie soll ihr helfen, eine verantwortliche und gewissenhafte Entscheidung zu treffen.“

Ich halte es für völlig inakzeptabel, dass einzelne Beratungsstellen sich mit der Art ihrer „Beratungsarbeit“ überhaupt noch zu einem großen Teil aus öffentlichen Mitteln finanzieren lassen und Beratungsscheine für Abtreibungen ausstellen dürfen.

Zahlreiche Informationswege

Jedoch gibt es heute eine riesige Zahl weiterer Beratungsstellen, bundesweit rund 1.600. Es gibt auch die Informationen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung und vieles mehr, besonders im Internet. Offiziell kommt es jährlich in Deutschland zu 100.000 Abtreibungen, die Dunkelziffer liegt doppelt so hoch. Das sind allein in Deutschland in zehn Jahren zwei Millionen Kinder, denen ihr grundlegendstes Recht, das ihres Lebens, vorenthalten wurde. Aber die Radikalfeministinnen sagen, es mangele an Information zu Abtreibungsmöglichkeiten. Diese enorme Verachtung für das Lebensrecht der unschuldigen Ungeborenen macht sprachlos.

So müssen andere für die sprechen, die noch nicht sprechen können und so ihr Recht auf Leben und ihre Menschenwürde verteidigen. Lassen Sie uns gemeinsam nicht nachlassen, unsere Stimmen zu erheben für die Ungeborenen! Für das Leben!

Die Kolumnen von NRW.direkt geben die Meinung des jeweiligen Autors wieder. Dabei muss es sich nicht zwangsläufig um die Meinung unserer Redaktion handeln.

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Über den Autor

Anette Schultner

Anette Schultner engagierte sich bereits in Schul- und Studienzeiten parteipolitisch sowie in freien Gemeinden. Zunächst mehr als zwei Jahrzehnte in den Unionsparteien, später in der AfD. Dort war sie Mitgründerin und bis zu ihrem Ausscheiden aus der Partei Vorsitzende der „Christen in der AfD". Seit Herbst 2017 engagiert sich Schultner für die Blaue Wende. Dort ist sie auch als Referentin für Familien- und Kirchenpolitik tätig. Im April erschien bei SCM Hänssler ihr Buch „Konservativ. Warum das gut ist."