Abgebrannte Messehalle Düsseldorf Justiz

Ramadan-Missachtung „tatauslösend“?

Düsseldorf. Am Montag begann der Prozess um den Brand einer als Asylbewerberunterkunft genutzten Messehalle. Einem der damaligen Bewohner wird vorgeworfen, den Brand gelegt zu haben, weil er darüber erzürnt war, dass im Ramadan tagsüber an nicht fastende Bewohner Speisen und Getränke ausgegeben wurden. Der Algerier bestreitet die Tat.

Staatsanwalt Martin Stücker erläutert die Anklage (Bild: NRW.direkt)

Am 7. Juni 2016 wurde die als Asylbewerberunterkunft genutzte Messehalle 18 in Düsseldorf durch einen Brand vollständig zerstört. 70 Feuerwehrleute und 50 weitere Helfer waren mehr als 20 Stunden im Einsatz, um den Großbrand zu löschen. Weil die ausgebrannte Halle einsturzgefährdet war, musste die Feuerwehr bereits in der darauffolgenden Nacht mit dem Abriss des Gebäudes beginnen. Der Schaden wurde später auf rund zehn Millionen Euro geschätzt.

Zwei Nordafrikaner wurden noch während der Löscharbeiten verhaftet, nachdem sie sich einem Journalisten als Brandstifter zu erkennen gegeben haben sollen. Die Reaktionen in der lokalen Politik waren unterschiedlich: Ratsherr Olaf Lehne (CDU) forderte die Abschiebung der Brandstifter, falls sich die Vorwürfe vor Gericht bestätigen sollten. Vertreter der Grünen protestierten sofort, die Partei „Die Linke“ forderte gar Lehnes Rücktritt als Vorsitzender des Düsseldorfer Deutschen Roten Kreuzes. Der Düsseldorfer SPD-Vorsitzende Andreas Rimkus sprach davon, dass niemand in ein Kriegsgebiet abgeschoben werden dürfe. Flüchtlingsbeauftragte Miriam Koch (Grüne) bezeichnete die Brandstiftung als „Einzelfall“.

Ramadan-Verpflegung soll Adel Z. „erzürnt“ haben

Vor der 3. Großen Strafkammer des Düsseldorfer Landgerichts begann am Montag der Prozess gegen die mutmaßlichen Brandstifter. Dabei war der Zuschauerraum bis auf den letzten Platz gefüllt. Die ursprüngliche Anklage der besonders schweren Brandstiftung wurde vom Gericht auf Körperverletzung und schwere Brandstiftung abgemildert, weil es keine Schwerverletzten oder Toten gab.

Hauptangeklagter ist der 27-jährige Adel Z. Dem Algerier wird vorgeworfen, den Brand gelegt zu haben, weil er „darüber erzürnt“ war, dass trotz des Fastenmonats Ramadan, der gläubigen Muslimen die Aufnahme von Speisen und Getränken nur in der Zeit zwischen Sonnenuntergang und Sonnenaufgang gestattet, auch morgens und zur Mittagszeit Speisen und Getränke an nicht fastende Bewohner der Asylbewerberunterkunft ausgegeben wurden. Seine Wut darüber sei „tatauslösend“ gewesen, sagte Staatsanwalt Martin Stücker. Adel Z. habe deswegen in einem leer stehenden Zimmer eine Flasche Wodka auf einer Matratze ausgegossen und entzündet. Das habe innerhalb weniger Minuten zum Vollbrand der Messehalle geführt.

Olaf Heuvens, der Verteidiger von Adel Z., kündigte an, dass sein Mandant in der nächsten Woche aussagen werde. Er bestreite jedoch „jeglichen Zusammenhang mit dem Brand“. Als gläubiger Muslim habe Adel Z. keinen Wodka besessen.

Richterin akzeptiert kein islamisches Recht

Ebenfalls angeklagt ist der 27-jährige Mohamed B. Der Marokkaner soll mit der Unterbringung in der Messehalle „höchst unzufrieden“ gewesen sein. Ihm wird vorgeworfen, Adel Z. zur Tat angestiftet haben, indem er in den Tagen zuvor immer wieder lautstark geäußert haben soll, die Halle solle niedergebrannt werden, um so eine Verlegung der Bewohner in andere Unterkünfte zu erzwingen. Am Tag vor dem Brand sollen sich Adel Z. und Mohamed B. „ausgetauscht“ haben.

Sein Anwalt Tim Görmiller kündigte an, dass Mohamed B. schweigen wolle. Als dessen Übersetzerin mitteilte, dass Mohamed B. verheiratet sei, wollte die Vorsitzende Richterin Pascale Wierum wissen, ob die Ehe nach deutschem oder nach islamischem Recht geschlossen wurde. Nachdem die Übersetzerin geantwortet hatte, dass es sich um eine Ehe nach islamischem Recht handele, lautete Wierums kurzer Kommentar: „Also ledig.“

Nur wenige Minuten nach der Verlesung der Anklageschrift war der erste Verhandlungstag aber auch schon wieder beendet. Am 26. Januar soll der Prozess mit der Aussage von Adel Z. fortgesetzt werden. Das Landgericht hat bis 23. März insgesamt 13 Termine angesetzt.

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