Mönchengladbach Politik

Razzia bei islamischem Kulturverein

Mönchengladbach. Rund 250 Polizisten durchsuchten am Dienstag die Räume des islamischen Kulturvereins Masjid Arrahman. Der marokkanische Moschee-Verein wird seit Jahren mit Salafisten in Verbindung gebracht. „An der Notwendigkeit derartiger Durchsuchungen zeigt sich auch eine verfehlte Politik“, kommentierte Sigrid Herrmann-Marschall angesichts der Vorgeschichte. „Intransparenz fördert Gegengesellschaften“, warnte die bekannte Islamismus-Expertin.

Die Baugrube der neuen Masjid-Arrahman-Moschee zu Beginn des Aushubs (Bild: NRW.direkt)

Am Dienstagmorgen durchsuchten rund 250 Polizisten die Räume eines Mönchengladbacher Moschee-Vereins sowie 15 Wohnungen von Vereinsmitgliedern. Bei den Durchsuchungen stellten die Ermittler unter anderem Laptops, Mobiltelefone, Speichermedien und schriftliche Unterlagen sicher.

Die Durchsuchungen sind Teil von vereinsrechtlichen Ermittlungen des Landesinnenministeriums. Nach Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden ist der Verein Anlaufstelle für zahlreiche Personen aus dem salafistischen und islamistischen Spektrum.

„Wenn wir Hinweise darauf haben, dass sich ein Moscheeverein zum Treffpunkt von gefährlichen Extremisten entwickelt hat, handeln wir“, sagte Landesinnenminister Herbert Reul (CDU). Mit den Durchsuchungen vom Dienstag sei jedoch kein unmittelbares Verbot des Moschee-Vereins verbunden. Ziel der polizeilichen Maßnahme sei es, den bestehenden Verdachtsmomenten nachzugehen. „Die sichergestellten Gegenstände und Unterlagen werden jetzt sorgfältig ausgewertet. Wenn wir dabei genügend Beweise bekommen und ein Verbot nach dem Vereinsgesetz möglich ist, werden wir den Verein verbieten“, sagte Reul.

Eine der ersten Moscheen von Sven Lau?

Auf Nachfrage unserer Redaktion bestätigte ein Sprecher des Innenministeriums, dass es sich bei der Moschee um die an der Mittelstraße im Stadtteil Rheydt handelt. Dort ist der islamische Kulturverein Masjid Arrahman beheimatet. Der Verein wird seit Jahren mit Salafisten in Verbindung gebracht.

2012 wurde das jedoch von dem marokkanischen Moschee-Verein dementiert. Dabei verwies der Verein darauf, dass Salafisten-Prediger wie Pierre Vogel und der ehemalige Mönchengladbacher Salafisten-Chef Sven Lau in seiner Moschee Hausverbot hätten. Lediglich jüngere „Mitläufer“ der Salafisten seien in der Masjid-Arrahman-Moschee zum Zwecke der „Re-Integrierung“ willkommen.

Vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf kam jedoch 2016 beim Prozess gegen den später wegen Unterstützung einer ausländischen terroristischen Vereinigung zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilten Sven Lau heraus, dass dieser um 2005 herum regelmäßiger Besucher der Moschee an der Mittelstraße gewesen sein soll. Später wechselte Lau in den Mönchengladbacher Stadtteil Eicken, um dort in seiner eigenen Moschee auf deutsch zu predigen.

Moschee-Bau der Öffentlichkeit zunächst verschwiegen

Derzeit baut der Masjid-Arrahman-Verein an der Mittelstraße eine mehr als 1.600 Quadratmeter große Moschee mit einer 17 Meter hohen Kuppel. Die neue Moschee soll ausschließlich aus Spenden finanziert sein.

Die von der Stadt nicht über das Bauvorhaben informierte Öffentlichkeit erfuhr erst durch die Rheinische Post davon. Damit blieb der Aushub der Baugrube Ende 2016 zunächst weitestgehend unbemerkt. Das Freitagsgebet in der bisherigen Masjid-Arrahman-Moschee wird von bis zu 800 Gläubigen besucht.

„Intransparenz fördert Gegengesellschaften“

„An der Notwendigkeit derartiger Durchsuchungen zeigt sich auch eine verfehlte Politik“, sagte die Islamismus-Expertin Sigrid Herrmann-Marschall unserer Redaktion. „Transparenz, wissen, was stattfindet, ist ein wichtiges Mittel bei Gegengesellschaften. Dies nur Journalisten wie Gabi Peters von der Rheinischen Post zu überlassen, geht fehl. Eltern, Lehrer und Sozialarbeiter müssen wissen, was in den Einrichtungen stattfindet. Nur so können erste Schritte in die Radikalisierung unwahrscheinlicher gemacht werden: Indem die Kinder dort gar nicht erst hingehen.“

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