Politik

Regierung will IS-Kinder zurückholen

Düsseldorf. Die Bundesregierung plant, Kinder deutscher IS-Frauen zurückzuholen. Die Kinder der Jihadisten sollen dann in Deutschland „deradikalisiert“ werden. Die Islamismus-Expertin Sigrid Herrmann-Marschall sieht diese Pläne kritisch. „Wenn die Mütter nicht kooperieren, kann eine ‚Deradikalisierung‘ nur noch stattfinden, wenn die Kinder in Pflegefamilien kommen“, warnt sie.

Die Bundesregierung will die Kinder deutscher IS-Frauen wieder zurückholen. Das berichtete die Bild-Zeitung am Dienstag. Laut eines internen Berichtes des Bundesinnenministeriums, der der Zeitung vorliegt, sollen die Kinder nach der Rückkehr von Angehörigen und sozialen Einrichtungen betreut und „deradikalisiert“ werden.

Dem Bericht zufolge sollen sich mindestens 270 Frauen mit deutschem Pass und ihren Kindern in den Kampfgebieten in Syrien oder im Irak aufhalten. Ungefähr die Hälfte der Kinder sind Geheimdiensterkenntnissen zufolge dort geboren. Insgesamt 980 deutsche Islamisten haben die Terror-Organisation Islamischer Staat (IS) bei Kampfhandlungen unterstützt. Rund 170 davon sind dabei getötet worden. Etwa ein Drittel sind bislang nach Deutschland zurückgekehrt. Die wenigsten davon sind in Haft; so waren in Nordrhein-Westfalen Anfang März 59 von insgesamt 74 islamistischen Rückkehrern auf freiem Fuß.

„Diese Kinder können gefährlich sein“

Im Dezember hatte der Bundesverfassungsschutz noch eindringlich vor der Rückkehr von IS-Kindern gewarnt. „Es gibt Kinder, die in den ‚Schulen‘ im IS-Gebiet einer Gehirnwäsche unterzogen wurden und in starkem Maße radikalisiert sind“, sagte Hans-Georg Maaßen, Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz. „Für uns ist das ein Problem, weil diese Kinder und Jugendlichen mitunter gefährlich sein können.“

Auch die Frauen unter den Rückkehrern stellten zum Teil eine Bedrohung dar. „Frauen, die in den vergangenen Jahren in IS-Gebieten gelebt haben, sind oftmals derart radikalisiert und identifizieren sich so mit der IS-Ideologie, dass man sie mit Fug und Recht auch als Jihadistinnen bezeichnen kann“, sagte Maaßen dazu.

„Deradikalisierung“ nur in Pflegefamilien möglich?

„Da sind noch eine Reihe Fragen völlig ungeklärt“, warnt die Islamismus-Expertin Sigrid Herrmann-Marschall. „Wenn die Mütter nicht kooperieren, kann eine ‚Deradikalisierung‘ nur noch stattfinden, wenn die Kinder in Pflegefamilien kommen. Das aber ist daran geknüpft, dass eine konkrete Kindeswohlgefährdung im Raum steht. Die kann bei fanatisierten Frauen, die ihrem Glauben alles unterordnen, durchaus angenommen werden. Trotzdem sind die rechtlichen Hürden dafür hoch, weil das Erziehungsrecht ein hohes Gut ist.“

„Auch ist unklar, ob bei schwerer radikalisierten Kinder noch etwas bewirkt werden kann“, sagte Herrmann-Marschall am Mittwoch unserer Redaktion. „Versucht werden muss es aber trotzdem. Die Kinder sind Opfer und dürfen damit nicht alleine gelassen werden. Hier sollten alle rechtlichen und pädagogischen Möglichkeiten ausgeschöpft werden.“

Bild: Salafistin mit Kind. Bildrechte: NRW.direkt

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