Düsseldorf Nachrichten

Rüstet Düsseldorf auf?

Düsseldorf. Umfrageergebnisse sollten in dieser Woche verdeutlichen, wie sicher sich die Menschen in der Landeshauptstadt fühlen. Dennoch stiegen im Januar die Anträge für den kleinen Waffenschein. Auch wollen immer mehr Menschen schießen lernen.

Hauptbahnhof Düsseldorf (Bild: NRW.direkt)

Ist der Hauptbahnhof der unsicherste Ort in Düsseldorf? (Bild: NRW.direkt)

Am Mittwoch wurden von der Stadt die Ergebnisse einer Umfrage mitgeteilt, bei der rund 16.000 Düsseldorfer schriftlich um ihre Teilnahme gebeten und unter anderem zur Lebensqualität und ihrem Sicherheitsempfinden befragt wurden. 6.285 Fragebögen konnten ausgewertet werden. Die Lebensqualität in der Landeshauptstadt wurde hoch eingeschätzt; rund 91 Prozent der Befragten gaben an, gerne in Düsseldorf zu leben. Punkten konnte die Stadt insbesondere mit ihren Einkaufsmöglichkeiten, den kulturellen Angeboten und mit ihrer Familien- und Kinderfreundlichkeit.

Am sichersten fühlen sich die Düsseldorfer im eigenen Stadtviertel und an den Uferzonen des Rheins. Jeweils 64 Prozent der Befragten gaben an, sich dort im Hinblick auf Belästigungen, Gewalt oder Kriminalität „sehr sicher“ oder „eher sicher“ zu fühlen. Auch beim Besuch von Großveranstaltungen in Sportstadien oder Konzerthallen, in der Stadt zu Fuß unterwegs oder in öffentlichen Verkehrsmitteln fühlt sich noch mehr als die Hälfte sicher. In der Altstadt aber fühlen sich 45 Prozent der Befragten „eher“ oder „sehr unsicher“, am Hauptbahnhof sind es 56 Prozent, die sich „eher“ oder „sehr unsicher“ fühlen. Eine möglicherweise subjektive Einschätzung, denn gerade am Hauptbahnhof waren in den letzten Monaten fast immer Sicherheitskräfte in hoher Anzahl zu sehen.

Aber nur drei Tage nach der Verkündung der Umfrageergebnisse wurde durch einen Pressebericht bekannt, dass immer mehr Düsseldorfer den kleinen Waffenschein beantragen, der nach einer Zuverlässigkeitsprüfung zum Führen von Signal-, Reizstoff- und Schreckschusswaffen berechtigt. Seit dem Jahreswechsel gingen täglich acht bis zehn solcher Anträge bei der Polizei ein, allein im Januar waren es 480. Das Polizeipräsidium sieht diesen Trend mit Sorge und weist die Antragsteller darauf hin, dass die Schreckschusswaffen wie echte aussehen und damit „schnell zu hochriskanten Situationen führen“ können.

„Schießen macht Spaß“

Neben der Nachfrage nach Reizgas und Pfefferspray stieg in der Landeshauptstadt auch das Interesse an einer Schießausbildung. So waren die Trainingstermine und „Schnupperkurse“ im Schießsport-Verein „Gunner’s Club“ noch nie so schnell ausgebucht wie in diesem Jahr. Angemeldet hätten sich junge wie auch „sehr alte“ Menschen. Die Rheinische Post zitiert den Vorstandssprecher des Vereins mit den Worten: „Im Dezember haben wir die Anmeldungsmöglichkeit im Internet freigeschaltet – und nach zwei Wochen waren wir voll.“

Bei den nur am sportlichen Aspekt orientierten Vereinen wird dieser Trend jedoch mit großer Skepsis gesehen. So würde das Schießsport-Zentrum „Magnum“ im Stadtteil Flingern Kursteilnehmer abweisen, falls sich diese mit Hilfe einer Waffe nur verteidigen wollen. Eine Haltung, die einen deutlichen Unterschied etwa zu den USA offenbart, wo es in vielen Bundesstaaten als völlig normal betrachtet wird, dass Eltern ihre Kinder zum Schießtraining schicken, damit sich diese später mit Hilfe einer Waffe selbst verteidigen können. In Düsseldorf aber wirbt der „Gunner’s Club“ auf seiner Internet-Seite mit dem Slogan „Schießen macht Spaß“, weist aber gleichzeitig über die Presse darauf hin, dass scharfe Schusswaffen „nicht zur Selbstverteidigung taugen“ würden.

Sogenannte Bürgerwehren jedoch sind inzwischen auch in Düsseldorf kein Thema mehr. Anfang Januar sorgte die Facebook-Gruppe „Düsseldorf passt auf“ für Schlagzeilen, weil sie innerhalb weniger Tage fast 14.000 Mitglieder für sich gewinnen konnte. Der erste und einzige Patrouillengang der Gruppe in der Altstadt wurde zum medialen Ereignis, bei dem die Polizei die Vertreter von „Düsseldorf passt auf“ vor gewaltsamen Übergriffen von Linken schützen musste. Inzwischen ist es aber still geworden um die Gruppe, die, wie die meisten Bürgerwehren in Nordrhein-Westfalen, nur noch in virtueller Form existiert. (ph)

Print Friendly, PDF & Email