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Salafisten-Konvoi gestoppt?

Siegburg. Auf einem Rastplatz der A3 wurde am Dienstag ein Konvoi ausrangierter Rettungswagen von der Polizei gestoppt. Nach einer Kontrolle konnte der Konvoi seine Fahrt in Richtung Türkei fortsetzen. Handelte es sich bei einigen Insassen um Personen aus der Szene um Pierre Vogel?

Pierre Vogel 2011 in Mönchengladbach (Bild: NRW.direkt)

Pierre Vogel (Bild: NRW.direkt)

Während einer regulären Streifenfahrt fiel den Polizisten ein Konvoi aus acht ausrangierten Rettungsfahrzeugen mit rund einem Dutzend Insassen auf. Auf dem Rastplatz Logebachtal weigerten sich die kontrollierten Männer zunächst, ihre Wagen zu öffnen. Also warteten die Polizisten auf einen richterlichen Beschluss, um ins Innere der Fahrzeuge zu sehen und die Männer zum Aussteigen zu bewegen. In den Autos fanden die Polizisten Kleidung, Babynahrung und andere Hilfsgüter. Die Waren sollten in die Türkei und nach Syrien gebracht werden, so die Auskunft der Insassen. Nach der Kontrolle durften die Männer ihre Fahrt in Richtung Türkei fortsetzen. Mehrere Zeitungen berichteten, dass „möglicherweise“ einige der Insassen der Szene um den Salafisten-Prediger Pierre Vogel zuzuordnen sind. Die Polizei wollte das jedoch nicht bestätigen.

Nordrhein-Westfalen gilt als Salafisten-Hochburg. Auf 100.000 Einwohner kommt einer neuen Statistik zufolge rund ein „Gefährder“. Als Gefährder gilt offiziell „eine Person, bei der bestimmte Tatsachen die Annahme rechtfertigen, dass sie politisch motivierte Straftaten von erheblicher Bedeutung“ begehen könnte. Mit Ausbruch des syrischen Bürgerkrieges ist die Zahl der salafistischen Gefährder stark gestiegen. Ausrangierte Rettungswagen werden von den Sicherheitsbehörden mit großem Argwohn gesehen, da diese im syrischen Bürgerkrieg auch zu terroristischen Anschlägen benutzt werden.

Verhöhnung des angegriffenen Polizisten

Pierre Vogel war erst in der letzten Woche wegen eines Messer-Angriffs einer 15-Jährigen auf einen Polizisten in Hannover in den Schlagzeilen. Offenbar hatte das Mädchen Kontakte zu Vogel, der dies jedoch abstritt: Er habe das Mädchen seit sechs Jahren nicht mehr gesehen und davor auch jeweils nur für kurze Gespräche. Seine Unterstützung sicherte er ihr trotzdem zu: „Sie ist unsere Schwester. Und wir stehen zu unserer Schwester. Denn der Prophet hat zu uns gesagt: Helfe deinem Bruder oder deiner Schwester, wenn er im Recht ist oder wenn er im Unrecht ist.“

Auf die Frage eines Facebook-Nutzers, ob er auch dem angegriffen Polizisten helfen würde, antwortete der Salafisten-Prediger jedoch: „Welche Hilfe braucht er denn genau? Braucht der einen Anwalt? Einen Arzt? Krankenkasse? Reha? Wünscht der unseren Besuch? Ach nein, der ist ja trotz lebensgefährlicher Verletzung schon nach einer Woche aus dem Krankenhaus entlassen worden. Gut, dass er nicht an Nierensteinen leidet, dann wäre er drei Wochen geblieben.“ Die Staatsanwaltschaft geht inzwischen davon aus, dass die Messer-Attacke einen islamistischen Hintergrund hatte. (ph)

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