Düsseldorf Panorama

Salafisten-Prediger beim KDDM-Cup

Düsseldorf. Einem Fernsehbericht zufolge hat „Abu Jibriel“ beim diesjährigen KDDM-Cup in der Mannschaft der Imame gespielt. Erst letztes Jahr hatte NRW.direkt aufgedeckt, dass der „Internet-Star unter den Salafisten-Predigern“ in einer familientherapeutischen Einrichtung als Erzieher tätig war. Die Islamismus-Expertin Sigrid Herrmann-Marschall kritisiert, die Stadt sei den Hinweisen auf den bekannten Prediger damals nicht nachgegangen.

Das von der Erziehungseinrichtung nach der Anfrage unserer Redaktion gelöschte Mitarbeiter-Profil von Mohamad G. (Beweisbild: Screenshot)

Seit mehreren Jahren findet in Düsseldorf an Christi Himmelfahrt der KDDM-Cup statt, ein Turnier muslimischer Fußball-Mannschaften, das vom Kreis der Düsseldorfer Muslime (KDDM) sowie Islamic Relief organisiert wird. In diesem Jahr kamen rund 8.000 Besucher auf die Anlage in Düsseldorf-Benrath, darunter auch Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD), der stellvertretende Ministerpräsident Joachim Stamp (FDP) sowie der umstrittene Fußball-Nationalspieler Mesut Özil. Geisel, Stamp und Özil hatten auch die Schirmherrschaft des Turniers übernommen. Höhepunkt des Fußball-Turniers ist traditionell das 20-minütige Spiel christlicher Pfarrer gegen muslimische Imame.

Wie das WDR-Fernsehen am Samstag in seiner Aktuellen Stunde berichtete, hat in diesem Jahr der Salafisten-Prediger „Abu Jibriel“ in der Mannschaft der Imame mitgespielt. Auf einem der Bilder vom KDDM-Cup war der Salafisten-Prediger sogar mit dem Düsseldorfer Oberbürgermeister abgelichtet. Auf Nachfrage des WDR behauptete der Vorstand des KDDM, Abu Jibriel habe sich unbemerkt in das Sportfest „eingeschlichen“.

„Einer der Internet-Stars unter den Salafisten-Predigern“

Der in Wuppertal lebende 49-jährige arabische Israeli Mohamad G. scheiterte 2017 vor dem nordrhein-westfälischen Oberverwaltungsgericht (OVG) mit seiner Klage auf Einbürgerung. Der deutsche Pass war ihm bereits von der Stadt Wuppertal wie auch vom Verwaltungsgericht in Düsseldorf verweigert worden, weil er nach Ansicht der Sicherheitsbehörden unter dem Namen „Abu Jibriel“ jahrelang in der Salafisten-Szene aktiv war. Mohamad G. bezeichnete die Erkenntnisse der Behörden als falsch und bestritt die Zugehörigkeit zur Szene, das OVG aber glaubte ihm nicht. Der FOCUS hatte Abu Jibriel bereits 2012 als „einen der Internet-Stars unter den salafistischen Predigern“ bezeichnet.

Bis Oktober 2017 wurde Mohamad G. auf der Internet-Seite einer familientherapeutischen Einrichtung in Düsseldorf-Wersten als erzieherisch tätiger Mitarbeiter aufgeführt. Lange Zeit blieb das unbemerkt, aber weniger als einen Tag, nachdem unsere Redaktion die Therapieeinrichtung in einer E-Mail um Stellungnahme bat, war sein Mitarbeiter-Profil wieder aus dem Netz gelöscht. Die Düsseldorfer Bundestagsabgeordnete Sylvia Pantel (CDU) reagierte empört und schaltete die Stadt ein.

Löschung soll mit Presse-Anfrage „rein gar nichts“ zu tun haben

Die aber hielt sich bedeckt, räumte jedoch ein, dass die Therapieeinrichtung von ihr Aufträge bekomme. Nachdem NRW.direkt darüber berichtet hatte, schaltete die Einrichtung einen Anwalt ein, der mitteilte, es sei alles nur „ein Missverständnis“: Mohamad G. sei bereits seit 2014 nicht mehr für die Einrichtung tätig. Auch sei dieser nichts von seiner salafistischen Einstellung bekannt gewesen. Die Löschung von insgesamt acht Mitarbeiter-Profilen sei „zeitlich weit vor Ihren Anfragen beauftragt“ worden, die zeitliche Überschneidung mit der Anfrage habe mit dieser „rein gar nichts“ zu tun gehabt.

„Unsere Mandantin hatte Ihre Presse-Anfrage nur deshalb nicht beantwortet, weil Ihre E-Mail in den Spam-Ordner eingegangen war, dies zu einem Zeitpunkt, in dem unsere Mandantin auf einer Urlaubsreise war“, hieß es weiter. Vollständig geklärt ist Abu Jibriels Tätigkeit für die Therapieeinrichtung aber noch immer nicht: Eine Nachfrage unserer Redaktion bei der Stadt, ob sie bestätigen könne, dass und seit wann er nicht mehr für diese Einrichtung tätig sei, blieb bis heute unbeantwortet.

„Stadt ist den Hinweisen offenbar nicht nachgegangen“

„Oberbürgermeister Thomas Geisel hat wohl nicht gewusst, mit wem er da fotografiert wurde. Leider war die Stadt Düsseldorf den Hinweisen auf die Betätigungen von Abu Jibriel offenbar nicht nachgegangen. Das hat sich nun gerächt“, wunderte sich die Islamismus-Expertin Sigrid Herrmann-Marschall. „Doch auch der KDDM sollte seine Aufstellung prüfen. Dass ein so bekannter Prediger mitkicken konnte, zeigt Mängel hinsichtlich der Abgrenzung zu salafistischen Akteuren auf.“

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