Düsseldorf Panorama

Salafisten-Prediger in Therapieeinrichtung nur „Missverständnis“?

Düsseldorf. Dass eine als Salafisten-Prediger „Abu Jibriel“ bekannte Person im Internet als Mitarbeiter einer Therapieeinrichtung vorgestellt wurde, sei nur ein „Missverständnis“ gewesen. Damit wäre es nur „fair“, wenn NRW.direkt seine Berichterstattung dazu wieder aus dem Netz löschen würde. Das wurde unserer Redaktion letzte Woche von einer von der Einrichtung eingeschalteten Rechtsanwaltskanzlei mitgeteilt.

Das von der Therapieeinrichtung am 9. Oktober gelöschte Mitarbeiter-Profil von Mohamad G. (Beweisbild: Screenshot)

Unter der Überschrift „Salafisten-Prediger als Erzieher?“ berichtete NRW.direkt am 13. Oktober zum ersten Mal darüber, dass der den Sicherheitsbehörden als Internet-Prediger „Abu Jibriel“ bestens bekannte Mohamad G. auf der Internet-Seite einer Therapieeinrichtung im Düsseldorfer Süden als deren Mitarbeiter vorgestellt wurde. Hintergrund waren die Recherchen der Islamismus-Expertin Sigrid Herrmann-Marschall, die sich nach einem Gerichtsurteil vom 6. September, nach dem Mohamad G. wegen seiner Aktivitäten in der Salafisten-Szene nicht deutscher Staatsbürger werden kann, erneut mit ihm beschäftigt hatte und dabei auf die Internet-Seite der Düsseldorfer Therapieeinrichtung aufmerksam wurde.

Bereits fünf Tage vor der Veröffentlichung hatte unsere Redaktion die Therapieeinrichtung angeschrieben und dieser damit die Möglichkeit einer Stellungnahme eingeräumt. Davon wurde aber kein Gebrauch gemacht. Stattdessen ließ die Einrichtung nur einen Tag nach der Versendung unserer E-Mail acht Mitarbeiter-Profile aus dem Internet löschen, darunter auch das von Mohamad G.

Einrichtung bekommt Aufträge der Stadt

Nachdem die Stadt Düsseldorf mitgeteilt hatte, dass die betreffende Einrichtung von ihr Aufträge über ambulante Dienste bekomme und unsere Redaktion auch noch erfahren hatte, dass die Stadt der Einrichtung mit dem Entzug dieser Aufträge gedroht haben soll, sofern Mohamad G. weiter dort tätig ist, haben wir uns zu eine weiteren Veröffentlichung dazu entschlossen. Diese erfolgte am 2. November unter der Überschrift „Salafisten-Prediger noch immer als Therapeut tätig?“. Auf diese Veröffentlichung haben wir die Therapieeinrichtung vier Tage vorher aufmerksam gemacht und ihr dabei erneut die Möglichkeit einer Stellungnahme gewährt.

Auch in diesem Fall wurde von der Möglichkeit einer Stellungnahme keinerlei Gebrauch gemacht. Damit blieb es Sigrid Herrmann-Marschall sowie der Düsseldorfer Bundestagsabgeordneten Sylvia Pantel (CDU) vorbehalten, die Situation zu kommentieren. Dabei sprach Herrmann-Marschall von einer „undurchsichtigen und skandalösen Reaktion“ der Einrichtung, Pantel forderte eine „konsequente Reaktion der Stadt“.

„Löschung hat mit Ihren Anfragen nichts zu tun“

Eine Woche nach dieser Veröffentlichung nahm die bekannte Kölner Rechtsanwaltskanzlei Höcker mit unserer Redaktion Kontakt auf und bezeichnete den Vorgang als „Missverständnis“, das daraus resultiere, dass Mohamad G. bereits seit 2014 nicht mehr für die Therapieeinrichtung tätig gewesen sei, sein Mitarbeiter-Profil aber erst drei Jahre später gelöscht wurde. Dies habe mit unserer Presse-Anfrage vom Tag zuvor „rein gar nichts“ zu tun gehabt. Damit sei es nur „fair“, wenn NRW.direkt den Artikel „Salafisten-Prediger noch immer als Therapeut tätig?“ löschen würde. Unter anderem heißt es in der E-Mail der Kanzlei Höcker:

„Die Löschung, die dann leider erst später erfolgte und offenbar zeitlich mit Ihrer Presseanfrage zusammenfiel, hatte rein gar nichts mit Ihrer Presseanfrage zu tun. Tatsächlich arbeitet Herr G. schon seit 2014 nicht mehr in dem Betrieb unserer Mandantin. Er war dort auch niemals als Therapeut tätig und auch kein Arbeitnehmer. Er arbeitet bis 2014 als freie Honorarkraft für den Betrieb unserer Mandantin. Selbstredend ist die Stadt Düsseldorf darüber informiert, dass Herr G. schon seit mehreren Jahren nicht mehr für unsere Mandantin arbeitet. Es droht unserer Mandantin daher auch kein Entzug städtischer Aufträge.

Unsere Mandantin hatte Ihre Presse-Anfrage nur deshalb nicht beantwortet, weil Ihre E-Mail in den Spam-Ordner eingegangen war, dies zu einem Zeitpunkt, in dem unsere Mandantin auf einer Urlaubsreise war.

Durch die Informationen, die Sie nun von uns erhalten haben, dürfte sich das Narrativ Ihres Berichts „Salafisten-Prediger noch immer als Therapeut tätig?“ vom 2. November eindeutig erledigt haben. Ebenso erledigt haben dürften sich die empörten Reaktionen der Islamismus-Expertin Herrmann-Marschall (SPD, „undurchsichtige und skandalöse Reaktion“) und der Bundestagsabgeordneten Pantel (CDU, „fordert konsequente Reaktion der Stadt“), die allesamt auf einem Missverständnis beruhen.

Daher wäre es – trotz der verpassten Stellungnahme-Möglichkeit durch unsere Mandantin – im Interesse der Wahrheit fair, wenn Sie Ihren oben genannten Bericht löschen und in einem weiteren Bericht klarstellen, dass und warum sich das Missverständnis nun aufgelöst hat. Es wäre auch wünschenswert, dass Sie die von Ihnen zitierten Politikerinnen in diesem Sinn aufklären und beruhigen könnten.

Fakten sind:

1. Es gibt seit 2014 keinen „Mitarbeiter“ G. mehr im Hause unserer Mandantin.

2. Die Löschung der ehemaligen Mitarbeiter (unter anderem G.) wurde zeitlich weit vor Ihren Anfragen beauftragt (siehe unten) und hat mit Ihren Anfragen oder einer vermeintlichen Geheimniskrämerei nichts zu tun.

3. Unsere Mandantin verhält sich daher weder undurchsichtig noch skandalös.

4. Ihr droht auch kein Entzug städtischer Aufträge. Lediglich ergänzend sei angefügt, dass unserer Mandantin eine salafistische Einstellung oder gar Aktivität des Herrn G. nicht bekannt war.“

E-Mail an Werbe-Agentur einziger Beleg

Als Beleg für die Richtigkeit dieser Darstellung wurde lediglich eine weitere E-Mail angefügt, die am 30. August von der Therapieeinrichtung an eine Werbeagentur verschickt worden sein soll. Darin wurde unter anderem angeordnet, dass acht Mitarbeiter-Profile gelöscht werden sollen, darunter auch das von Mohamad G. Ein konkretes Datum dafür wurde nicht genannt.

Weitere Belege für die Richtigkeit dieser Darstellung, insbesondere für die Behauptung, Mohamad G. sei seit 2014 nicht mehr für die Einrichtung tätig gewesen, enthielt die E-Mail der Kanzlei nicht.

Stellungnahme unserer Redaktion: Die Darstellung, Mohamad G. sei bereits 2014 nicht mehr für die Therapieeinrichtung tätig gewesen, sein Mitarbeiter-Profil sei jedoch erst im Oktober 2017 aus dem Internet gelöscht worden, möchten wir nicht kommentieren. Gleiches gilt für die Darstellung, die Löschung seines Mitarbeiter-Profils am 9. Oktober habe nichts mit der E-Mail zu tun, die wir am 8. Oktober an die Einrichtung verschickt haben, um ihr die Möglichkeit einer Stellungnahme zu gewähren.

Ob es sich bei diesen Vorgängen tatsächlich um ein „Missverständnis“ gehandelt hat, ist unserer Auffassung nach noch zu klären. Dazu haben wir Anfang dieser Woche eine Anfrage an die Stadt verschickt, ob sie Belege dafür hat, ob und wenn ja, seit wann Mohamad G. nicht mehr für diese Einrichtung tätig ist. Bis zur Veröffentlichung dieses Artikels haben wir darauf jedoch noch keine Antwort bekommen.

Im Übrigen möchten wir darauf verweisen, dass die Therapieeinrichtung seit einschließlich 8. Oktober jederzeit die Möglichkeit hatte, mit uns schriftlich oder telefonisch Kontakt aufzunehmen. Warum sie davon bis heute keinerlei Gebrauch gemacht und stattdessen die Kanzlei Höcker beauftragt hat, erschließt sich uns nicht. Eine Löschung unseres Artikels „Salafisten-Prediger noch immer als Therapeut tätig?“ lehnen wir ab, da wir korrekt recherchiert und berichtet haben.

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