Politik Wuppertal

Salafisten wieder aktiv

Wuppertal. Nur wenige Tage nach dem Verbot der Organisation Die wahre Religion (DWR) haben die Salafisten mit „We love Mohamed“ einen neuen Verein gegründet. Die Darstellung von Landesinnenminister Ralf Jäger (SPD), DWR habe eine „pseudoreligiöse Ideologie“ verbreitet, ruft selbst bei Linken Kritik hervor. Die Entsorgung der bei DWR beschlagnahmten Korane ist bislang ungeklärt.

Ibrahim Abou-Nagie (Bild: NRW.direkt)

Ibrahim Abou-Nagie (Bild: NRW.direkt)

Medienberichten vom Freitag zufolge haben die Salafisten nur kurz nach dem von Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) angeordneten Verbot der Organisation Die wahre Religion (DWR) einen neuen Verein gegründet. So sollen die radikalen Muslime in Wuppertal ihre Aktivitäten jetzt unter dem Namen „We love Mohamed“ weiterführen.

Wegen des DWR-Verbots hatte es am Dienstag in zehn Bundesländern großangelegte Razzien gegen die salafistische Vereinigung gegeben. Alleine in Nordrhein-Westfalen wurden an insgesamt 34 Orten Wohnungen, Büroräume und Moscheen durchsucht. DWR war eng verknüpft mit der Koran-Verteilaktion „Lies!“. Das erklärte Ziel von „Lies!“ war, jedem Haushalt einen Koran in deutscher Sprache zur Verfügung zu stellen. Hierzu wurde jahrelang in Fußgängerzonen missioniert.

Initiator der Kampagne ist der derzeit in Malaysia untergetauchte 52-jährige Ibrahim Abou-Nagie. Die Sicherheitsbehörden werfen dem gebürtigen Palästinenser vor, mit seinen Kampagnen auch die Terror-Organisation Islamischer Staat (IS) unterstützt zu haben. Sein Anwalt Mutlu Günal bestreitet die Vorwürfe. Abou-Nagies Weggefährte Pierre Vogel hat sich bislang nicht zum DWR-Verbot geäußert.

„Wer Moslem ist, bestimmt Ralf Jäger“

Landesinnenminister Ralf Jäger (SPD) sprach unmittelbar nach den Razzien gegen DWR von der „pseudoreligiösen Ideologie“ der Salafisten-Organisation. Das war offenbar selbst dem linken Blog Ruhrbarone zu viel, der daraufhin titelte: „Wer Moslem ist, bestimmt Ralf Jäger.“ Inzwischen droht dem umstrittenen Landesinnenminister bereits der nächste Erklärungsnotstand: Nach Informationen des WDR-Magazins WESTPOL sollen 47 von insgesamt 140 Islamisten, die vor ihrer Ausreise nach Syrien oder in den Irak Kontakt zu DWR oder an „Lies!“-Aktionen teilgenommen hatten, aus Nordrhein-Westfalen stammen. Die Landesbehörden hatten stets bestritten, dass es sich bei NRW um eine Salafisten-Hochburg handelt.

Noch nicht geklärt ist die Frage, wie die am Dienstag rund 20.000 beschlagnahmten Koran-Übersetzungen entsorgt werden sollen. Der Koran ist Muslimen heilig und darf nicht einfach zerstört werden. Wie WELT+/N24 berichten, soll dem Bundesinnenminister aus Sicherheitskreisen zu einer „sorgfältigen und respektvollen“ Prüfung geraten worden sein, um nicht den Zorn von Muslimen in aller Welt auszulösen. (ph)

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