Justiz

Sammelklage geprellter Air-Berlin-Kunden geplant

Düsseldorf. Der Rechtsanwalt Lothar Müller-Güldemeister bietet geprellten Air-Berlin-Kunden die Möglichkeit einer Sammelklage. Dabei will Müller-Güldemeister aber nicht auf die Insolvenzmasse der Pleite-Airline zugreifen, sondern gegen das Luftfahrtbundesamt vorgehen. Der Jurist wirft der Behörde die Verletzung von Amtspflichten vor.

Gestrandete Fluggäste an einem Serviceschalter von Air Berlin (Bild: NRW.direkt)

Das Angebot richtet sich an Kunden von Air Berlin, die ihren Flug vor dem 15. August 2017 gebucht und bezahlt haben, deren Flug aber wegen der Insolvenz nicht mehr stattgefunden hat. Die von dem Juristen Lothar Müller-Güldemeister zu diesem Zweck gegründete Airdeal GmbH teilte am Montag mit, die Geschädigten kostenlos zu vertreten. Bei einem Erfolg der Sammelklage sollen die Betroffenen zwei Drittel der erstrittenen Beträge als Entschädigung erhalten, das letzte Drittel würde die Airdeal GmbH als Honorar bekommen.

Der Rechtsanwalt will für die Ansprüche der Geschädigten jedoch nicht auf die Insolvenzmasse der Pleite-Airline zugreifen, sondern das Luftfahrtsbundesamt verklagen. Diesem wirft Müller-Güldemeister die Verletzungen von Amtspflichten vor. Im Visier hat er außerdem das ehemalige Management und andere Verantwortliche wie den arabischen Air-Berlin-Großaktionär Etihad Airways.

Skandal um die Insolvenz in Erinnerung gerufen

Auf der Internet-Seite der Airdeal GmbH wird der Skandal um die Insolvenz noch einmal in Erinnerung gerufen. Wörtlich heißt es dort: „Der größte Air-Berlin-Aktionär, Etihad, hatte noch im April 2017 schriftlich zugesagt, Air Berlin mindestens 18 Monate weiterzufinanzieren und den Flugbetrieb sicherzustellen. Das Luftfahrtbundesamt ist gesetzlich verpflichtet, die finanzielle Leistungsfähigkeit von Fluggesellschaften zu überprüfen und bei Risiken einzuschreiten. Aber es hat ebenso wie sein oberster Dienstherr, der CSU-Bundesverkehrsminister Dobrindt tatenlos zugeschaut, wie die Fluggäste der maroden Air Berlin weiter Vorauszahlungen von hunderten Millionen Euro anvertraut und verloren haben.“

Weiter heißt es: „Wenige Minuten nach dem Insolvenzantrag von Air Berlin stand die Bundesregierung mit einem ‚großzügigen‘ 150-Millionen-Überbrückungskredit bereit. Den sie sich einschließlich unglaublicher elf Prozent Zinsen und zusätzlich einer Million Euro Bearbeitungsgebühr vorab aus der Insolvenzmasse zurückzahlen lässt. Die Lufthansa hat die innerdeutschen Strecken von Air Berlin für einen Spottpreis übernommen, ist jetzt innerdeutsch Monopolist und hat sogleich die Preise drastisch erhöht. Air-Berlin-Kunden sind zweifach bestraft: Ihr Flugpreis ist weg und für ihren Ersatzflug mit Lufthansa dürfen sie jetzt das Doppelte zahlen. Etihad und Lufthansa, noch vor kurzem erbitterte Konkurrenten und einander spinnefeind, sind plötzlich beste Freunde und Kooperationspartner. Der Chef von Air Berlin, Thomas Winkelmann, kassiert weiter ein dickes Vorstandsgehalt.“ (ph)

Geschädigte Kunden von Air Berlin, die sich der Sammelklage anschließen wollen, können sich unter www.airberlin-regress.de/ kostenlos registrieren lassen. Fragen zu diesem Verfahren werden auf der Webseite ausführlich beantwortet.

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