Politik

Scharfe Kritik an Gaulands Worten

Düsseldorf. Politiker aller Parteien verurteilten die Aussage von AfD-Chef Alexander Gauland, Hitler und die Nazis seien „nur ein Vogelschiss in über 1.000 Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte“, mit scharfen Worten. Auch der AfD-Bundestagsabgeordnete Martin Renner verurteilte dessen Wortwahl. Sein Partei- und Bundestagskollege Uwe Witt entschuldigte sich bei Juden und Opfern der Nazi-Diktatur für Gaulands „unglaubliche Bagatellisierung“ der NS-Verbrechen.

Uwe Witt (Bild: NRW.direkt)

„Hitler und die Nazis sind nur ein Vogelschiss in über 1.000 Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte“, sagte der AfD-Vorsitzende Alexander Gauland am Samstag beim Bundeskongress der AfD-Jugendorganisation Junge Alternative im thüringischen Seebach. Dieser Satz fiel unmittelbar nach einem Bekenntnis von Gauland zur Verantwortung der Deutschen für den Nationalsozialismus von 1933 bis 1945.

Politiker anderer Parteien verurteilten Gaulands Rede mit scharfen Worten. „Gauland unterschreitet wieder jedes Niveau“, twitterte der parlamentarische Geschäftsführer der FDP-Bundestagsfraktion, Marco Buschmann. Hitler stehe unter anderem für die Ermordung von sechs Millionen Juden. „Wie kann man das einen ‚Vogelschiss‘ der Geschichte nennen?“ Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier verurteilte die Rede: „Wer heute den einzigartigen Bruch mit der Zivilisation leugnet, kleinredet oder relativiert, der verhöhnt nicht nur die Millionen Opfer, sondern will ganz bewusst alte Wunden aufreißen und sät neuen Hass, und dem müssen wir uns gemeinsam entgegenstellen.“

Auch im Ausland wurde mit Unverständnis reagiert: „Und welcher Vogel hat Gauland ins Hirn geschi…? Der Mann sollte abtreten“, schrieb der Schweizer Publizist und Nationalratsabgeordnete Roger Köppel auf seiner Facebook-Seite. „Der Krieg, den Hitler angefangen hat, hat unsägliches Leid über die Welt und auch über die Deutschen gebracht. Wer das mit solchen Sprachbildern abtut, hat nichts begriffen. Sollte so ein Politiker jemals etwas in Deutschland zu sagen haben, müssen wir die Bestände unserer Armee wieder hochfahren.“

„Es gibt Dinge, die sagt man einfach nicht“

Einzelne Mandatsträger des nordrhein-westfälischen Landesverbandes der AfD reagierten ebenfalls mit Entsetzen und Unverständnis über die Wortwahl von Alexander Gauland. „Wenn jemand über die jahrhundertlange Kultur der deutschen Nation spricht, dann finde ich es gut und richtig, dass auch über die schlimmste Verwüstung dieser Kultur – den Kulturbruch schlechthin -, ausgelöst durch die Nationalsozialisten und begangen an denjenigen, die viel für diese nationale Kultur geleistet haben, gesprochen wird. ‚Vogelschiss‘ ist ein Wort, welches weder in seiner Bedeutung noch in seiner Sprachqualität in diesem Kontext als verwendungsfähig angesehen werden könnte“, schrieb der in Haan lebende AfD-Bundestagsabgeordnete Martin Renner am Sonntag auf seiner Facebook-Seite.

Noch weiter ging der aus Witten im Ruhrgebiet stammende AfD-Bundestagsabgeordnete Uwe Witt: „Der größte Massenmörder Deutschlands, Hitler, ist beileibe kein Vogelschiss! Als Politiker der AfD entschuldige ich mich bei allen jüdischen Mitbürgern und den Opfern des Nazi-Regimes sowie deren Familien für diese unglaubliche Bagatellisierung durch unseren Parteivorsitzenden“, schrieb er am Samstagabend auf seiner Facebook-Seite. Witt ist Sprecher der Alternativen Mitte, einer bürgerlich-konservativen Gruppe innerhalb der AfD.

„Ich habe mich entschuldigt, weil Herr Gauland selber es nicht getan hat. Es wäre mir lieber gewesen, wenn er das selber getan hätte“, erklärte Uwe Witt unserer Redaktion. „Es gibt gewisse Dinge, die sagt man einfach nicht. Da muss man vorher darüber nachdenken.“ Gaulands Worte seien gegenüber den Opfern des NS-Regimes „taktlos“ gewesen. Auch dafür, die Nazi-Diktatur nach ihrer Zeitdauer zu beurteilen, zeigte er kein Verständnis: „Diese zwölf Jahre haben 50 Millionen Menschen das Leben gekostet. Und diese ganzen Spuren und Narben gehen ja auch nicht nach weiteren zwölf Jahren wieder weg.“ Dass er seit Samstag auf seiner Facebook-Seite für seine Entschuldigung beschimpft wird, sei ihm „egal“, sagte Uwe Witt. „Solche Dinge kann ich einfach nicht mittragen.“ (ph)

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