Abgebrannte Messehalle Düsseldorf Justiz

„Scheiß Deutsche, wir bringen euch um“

Düsseldorf. DRK-Mitarbeiter zu beschimpfen und ihnen mit dem Niederbrennen der Halle zu drohen, war Normalität in der als Asylbewerberunterkunft genutzten Messehalle. Als die Halle dann tatsächlich abbrannte, fanden das einige Bewohner „lustig und prima“. Das berichteten Zeugen am Freitag vor dem Landgericht.

Mohamed B. (Bild: NRW.direkt)

Beim Prozess um die am 7. Juni 2016 abgebrannte und bis dahin als Asylbewerberunterkunft genutzte Düsseldorfer Messehalle waren am Freitag zwei am Brandtag in der Essensausgabe beschäftigte Mitarbeiter als Zeugen geladen. Beide waren 2016 von einer Zeitarbeitsfirma an das Deutsche Rote Kreuz (DRK), das die Unterkunft betrieben hatte, ausgeliehen. Offenbar hatte das DRK deren Namen nicht der Polizei mitgeteilt, denn beide waren nicht vorab von der Polizei vernommen worden. Nachdem sie aus der Presse von dem Prozess gegen Adel Z. und Mohamed B. erfahren hatten, stellten sie sich aber selbst als Zeugen zur Verfügung.

Gegen Adel Z. und Mohamed B. wird seit 16. Januar vor der 3. Großen Strafkammer des Düsseldorfer Landgerichts verhandelt. Dem 27-jährigen Algerier Adel Z. wird vorgeworfen, die Halle angezündet zu haben, weil der gläubige Muslim darüber empört war, dass während des Ramadans tagsüber Speisen und Getränke an nicht fastende Mitbewohner ausgegeben wurden. Dem 27-jährigen Marokkaner Mohamed B. wird vorgeworfen, Adel Z. zu der Tat angestiftet zu haben, weil er mit der Unterbringung in den Messehalle unzufrieden war. Adel Z., der zu Prozessbeginn zugegeben hatte, Ende 2015 aus wirtschaftlichen Gründen aus Spanien und Italien kommend nach Deutschland weitergereist zu sein, bestreitet die Tat. Mohamed B. schwieg bislang zu den Vorwürfen.

„Nicht das erste Mal, dass jemand Feuer gelegt hat“

Die ausgebrannte Messehalle während der Abbrucharbeiten (Bild: NRW.direkt)

Der erste Zeuge, ein 58-jähriger Mann, berichtete davon, Adel Z. und Mohamed B. am Tag des Brandes bei der Ausgabe des „improvisierten Mittagessens“ gesehen zu haben. Dabei gab es Streit, weil einige Bewohner „mehr Essen haben wollten, bestimmte Sachen, die es wegen des Ramadans erst abends gab“. Hauptsächlich habe er sich mit Mohamed B. gestritten. Dann seien Adel Z. und Mohamed B. in Richtung der Hallenmitte gegangen. Rund sechs Minuten später gab es Feueralarm und er konnte eine Feuersäule erkennen. „Weil das nicht das erste Mal war, dass jemand Feuer gelegt hat“, suchte der Mitarbeiter die Feuerlöscher. Die seien aber nicht an dem dafür vorgesehenen Platz gewesen. Dann habe jemand eine Tür geöffnet, wegen des damit verbundenen Durchzugs hätten sofort zwei Drittel der Halle in Flammen gestanden. Danach sei er aus der Halle geflüchtet, dabei hätte er etwa ein halbes Dutzend Bewohner mit fertig gepackten Koffern gesehen.

Streit über das Essen habe es „öfters, also regelmäßig“ gegeben. Die Bewohner wären keine europäische Kost gewohnt gewesen und hätten sich oft darüber aufgeregt. „Von bestimmten Personen“ wäre das mit Beginn des Ramadans heftiger geworden, schilderte der 58-Jährige. Auch Mohamed B. habe sich dabei hervorgetan und mit Gesten sowie einem Mix aus Deutsch und Englisch klargemacht, „dass er lieber nichts isst, als diesen Fraß zu essen“. Immer wieder gab der Zeuge während seiner mehr als einstündigen Vernehmung schnippische oder missverständliche Antworten, woraufhin ihn die Vorsitzende Richterin mehrfach gereizt anfuhr.

„Verbrecher, Psychopathen und Kleinkriminelle in der Unterkunft“

Schneller, weniger missverständlich, aber gleichzeitig noch erschreckender verlief die Vernehmung des zweiten Zeugen: Der 57-jährige Sozialarbeiter schilderte, dass in der Asylbewerberunterkunft hauptsächlich „Verbrecher, Psychopathen und Kleinkriminelle untergebracht waren“. Die Polizei sei „jeden zweiten Tag“ dort im Einsatz gewesen. Von einer Kollegin habe er später erfahren, dass es am Vorabend des Brandes „extremen Krawall“ zwischen fastenden und nicht fastenden Bewohnern gegeben haben soll. Er selbst erinnerte sich daran, dass das DRK nach „massiven Beschwerden“ am Vortag ein warmes Mittagsessen versprochen hatte. Dies habe es dann aber doch nicht gegeben, stattdessen wurden Kleinigkeiten wie Brote mit Wurst oder Käse angeboten.

Bei der Essensausgabe am Tag des Brands seien die Mitarbeiter von zwei Bewohnern beschimpft und bedroht worden. Dabei habe es sich um „das Übliche“ gehandelt; Beleidigungen wie „Scheiß Deutsche“ und „Arschlöcher“ seien für die Mitarbeiter des DRK Normalität gewesen. Auch Drohungen wie „Wir legen die Halle in Schutt und Asche“, „Wir zünden euch an“, „Wir bringen euch alle um“ oder „Wir brennen die Halle nieder“ seien dort an der Tagesordnung gewesen. „Wenn man permanent beschimpft wird, dann wird man dem überdrüssig“, sagte der Mitarbeiter mit leiser Stimme.

„Die fanden das alles lustig und prima“

An Mohamed B. konnte sich der Sozialarbeiter gut erinnern; der sei „auffällig“ gewesen, weil er immer „mehr essen“ wollte. Das habe er damit begründet, dass er wegen seiner Leibesfülle „das Doppelte brauche“. Bei den Bewohnern, die am Brandtag die Mitarbeiter beschimpft und bedroht hatten, habe es sich nach seiner Erinnerung jedoch nicht um Adel Z. und Mohamed B. gehandelt. Nachdem der Brand ausgebrochen war, fielen ihm mehrere Bewohner auf, die mit gepackten Koffern herumstanden und „das alles lustig und prima fanden“. Einer von ihnen habe den Brand mit seinem Smartphone gefilmt. Auf die Frage der Richterin, ob er daraus schließe, dass die Bewohner vorab von dem Brand gewusst haben, sagte der 57-Jährige: „Selbstverständlich.“

Beide Zeugen beklagten, weder vom DRK noch von der Düsseldorfer Flüchtlingsbeauftragten Miriam Koch nach dem Brand Hilfe bekommen zu haben, um das Geschehen aufzuarbeiten. Es habe Zusagen gegeben, aber keine davon sei eingehalten worden. Auf die Frage eines Verteidigers, warum er psychiatrische Hilfe benötige, sagte der erste Zeuge: „Weil es mir schlecht geht.“ Der zweite kritisierte das „unprofessionelle Verhalten des DRK“, ließ aber offen, was genau er damit meinte.

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