Bochum Panorama

Schulung für Jugendliche durch Muslimbrüder?

Bochum. In der Khaled-Moschee findet am kommenden Wochenende eine Schulung zur Biographie des Propheten Mohammad statt. Bei den Referenten handelt es sich um „zwei langjährig und einschlägig bekannte Akteure“ aus dem Aktionsgeflecht der Muslimbruderschaft, warnt die Islamismus-Expertin Sigrid Herrmann-Marschall. „Bochum hat mit dem IKV einen Ort, an dem immer wieder Muslimbrüder auftreten.“

Ankündigung der Sira-Schulung (Beweisbild: www.ikv-online.net)

Am 16. sowie am 17. Februar findet in der Khaled-Moschee des Islamischen Kulturvereins Bochum (IKV) eine „Sira-Schulung“ statt. Dabei handelt es sich laut der auf Facebook sowie auf der Web-Präsenz des IKV veröffentlichten Ankündigung um „eine intensive Schulung zur Biographie des Propheten Mohammad“ in deutscher Sprache. Als Referenten für die zweitätige Schulung sind Taha Amer und Ahmed Khalifa angekündigt.

Bei Amer und Khalifa handelt es sich jedoch um „zwei langjährig und einschlägig bekannte Akteure“. Das teilte die Islamismus-Expertin Sigrid Herrmann-Marschall am Sonntag mit. So ist Taha Amer der Vorsitzende des Rats der Imame und Gelehrten Deutschlands (RIGD). „Diese Organisation nimmt eine wichtige Funktion im Aktionsgeflecht der Muslimbruderschaft ein“, erläuterte Herrmann-Marschall. „Dort sind die Imame vieler Einrichtungen bundesweit vernetzt.“

„Zielgruppe des Sira-Projekts vorrangig Kinder und Jugendliche“

Dabei verwies die Islamismus-Expertin auf den hessischen Verfassungsschutzbericht von 2017, in dem der RIGD im Kapitel zur Muslimbruderschaft abgehandelt wird. Dort ist auch zu lesen, dass es sich bei der Zielgruppe des Sira-Projektes „vorrangig um Kinder und Jugendliche“ handelt.

Bei Ahmed Khalifa handelt es sich um den langjährigen Imam des „Islamischen Zentrums München“. Auch er sei in den letzten zehn Jahren immer wieder in solchen Zusammenhängen auffällig geworden, erläuterte die Expertin weiter. Dabei verwies sie unter anderem auf eine Razzia in München im Jahre 2009, bei der auch seine Wohnung durchsucht wurde. „Unter anderem sollen die Männer finanzielle Mittel aus gescheiterten Moscheebauvorhaben über ihre Organisation umgeleitet und für islamistische Zwecke missbraucht haben“, schrieb die Münchner Abendzeitung damals.

„Größere Gefahr für die Demokratie als durch al-Qaida oder IS“

Ankündigung der Veranstaltung vom 26. Dezember 2018 (Beweisbild: Facebook)

Die Muslimbruderschaft wird von den Innenbehörden immer kritischer gesehen. „Mittelfristig geht von den hiesigen Ablegern der mächtigsten globalen Islamisten-Bewegung eine größere Gefahr für die Demokratie aus, als durch die Terror-Organisationen al-Qaida oder dem Islamischen Staat (IS)“, hieß es etwa im Dezember in mehreren Medienberichten unter Berufung auf Sicherheitsbehörden. Auch Landesverfassungsschutz-Chef Burkhard Freier warnte zuletzt mehrfach vor den Strukturen der Muslimbruderschaft.

Die war aber offenbar erst am 26. Dezember beim IKV Bochum zu Gast: Für diesen Tag hatte der Verein eine Veranstaltung über „Islamkonforme Finanzgeschäfte in Europa“ angekündigt. Dabei wurde auch auf ein „Kinderprogramm“ verwiesen. Bei der auf Facebook veröffentlichten Ankündigung wurde als Hauptgast Ali al-Qaradaghi genannt. „Mit al-Qaradaghi ist an dem Tag ein hochrangiger Funktionär in Gremien der Muslimbruderschaft geladen. Es war bis vor kurzem stellvertretender Vorsitzender des European Council for Fatwa and Research (ECFR) und war langjährig, bis dieser abdankte, Stellvertreter von Yusuf Al Qaradawi, einem der wichtigsten Vordenker der Muslimbruderschaft“, erläuterte Sigrid Herrmann-Marschall bereits in einem Blog-Beitrag vom 23. Dezember 2018.

„IKV ein Ort, an dem immer wieder Muslimbrüder auftreten“

„Überall dort, wo es mindestens extremistische Einflüsse gibt, muss mehr denn weniger über diese Sachverhalte und Verhaltensweisen gesprochen werden. Nur so kommen wir näher an die real vorliegenden Haltungen und zu einer Einschätzung, welche Linie der einzelne Akteur oder der jeweilige Verein verfolgt“, lautete ihr abschließendes Fazit. „Wahrnehmen sollten dies auch die Lehrer von Bochum und umliegenden Kommunen, denn solche Einrichtungen haben oft eine relevante und stark einbindende Jugendarbeit, die ideologisch stark festigt und Probleme bereiten kann. Bochum jedenfalls hat mit dem IKV einen Ort, an dem immer wieder Muslimbrüder auftreten.“ (ph)

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