Wirtschaft und Verkehr

Sorgt die EU-Kommission für Wettbewerb im Luftverkehr?

Düsseldorf. Sorgen die Bedenken der EU-Kommission gegen die Übernahme der Air-Berlin-Touristiktochter NIKI durch den Lufthansa-Konzern wieder für Wettbewerb? Zuletzt hieß es, die Lufthansa sei zu einem „weitreichenden Verzicht“ auf Start- und Landerechte in der Landeshauptstadt bereit.

Bereits seit Tagen ist bekannt, dass die EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager Bedenken gegen die Übernahme der ehemaligen Air-Berlin-Touristiktochter NIKI durch den Lufthansa-Konzern hat. In der Nacht zum Freitag lief eine Frist ab, innerhalb der die Lufthansa in Brüssel noch vortragen konnte, zu welchen Zugeständnissen sie für die Genehmigung der Übernahme bereit sei. Zuletzt berichtete die Bild-Zeitung, der Lufthansa-Konzern habe sich zu einem „weitreichenden Verzicht“ auf mit der Übernahme verbundenen Start- und Landrechten an strategisch wichtigen Flughäfen wie Düsseldorf bereit erklärt.

Für den Wettbewerb und die Fluggäste in der Region wäre das eine erfreuliche Nachricht: Nach der einseitige Begünstigung des Lufthansa-Konzerns durch die Bundesregierung ist es bei der Zerlegung der insolventen Air Berlin am Flughafen Düsseldorf zu einer marktbeherrschenden Stellung der zur Lufthansa gehörenden Low-Cost-Airline Eurowings gekommen. „In Düsseldorf zum Beispiel sind jetzt 90 Prozent aller Slots für Starts und Landungen in der Hand der Lufthansa“, kritisierte der österreichische Luftfahrtunternehmer Niki Lauda vor Wochen im Wirtschaftsmagazin Bilanz. „Kein neuer Konkurrent hat die Chance, von Düsseldorf irgendwohin zu fliegen, es gibt keine Slots.“

Kommen bislang chancenlose Interessenten zum Zuge?

Die Brüsseler Wettbewerbshüter wollen ihre Entscheidung am 7. Dezember bekanntgeben. Die Kommission könnte die Frist aber auch noch um zwei Wochen verlängern. Aber auch eine vertiefte Prüfung, die weitere 90 Tage in Anspruch nehmen würde, ist nicht ausgeschlossen. Condor, der British-Airways-Mutterkonzern IAG sowie der österreichische Luftfahrtunternehmer Niki Lauda haben sich laut Medienberichten bereits für den Fall ins Spiel gebracht, dass die EU-Kommission die Übernahme nicht genehmigt.

Aufgrund der Begünstigung des Lufthansa-Konzerns waren die drei Interessenten bei der Zerlegung der insolventen Air Berlin bislang chancenlos. „Normalerweise darf eine gescheiterte Gesellschaft nur dann von dem dominanten Anbieter übernommen werden, wenn es keine Alternative gibt“, sagte Christoph Debus, Chef der Flugsparte von Thomas Cook, zu der auch Condor gehört, am Dienstag der FAZ. „Im Fall von NIKI hat es bekanntermaßen mehrere Alternativen gegeben.“

Aber auch ein anderes Szenario kann nicht ausgeschlossen werden: Sollte dem Lufthansa-Konzern die Übernahme verweigert werden oder die EU-Kommission sich für eine vertiefte Prüfung entscheiden, dürfte die Lufthansa ihre Zahlungen an NIKI einstellen. Dann müsste ein möglicher Käufer die entsprechende Kaufsumme sofort aufbringen. Sollte das nicht gelingen, müsste NIKI den Flugbetrieb einstellen.

Bild: Flugzeug von NIKI. Bildrechte: NRW.direkt

Print Friendly, PDF & Email