Düsseldorf Politik

Stark besuchter Holocaust-Gedenktag

Düsseldorf. Mit mehr als 150 Menschen war die Veranstaltung zum Holocaust-Gedenktag am Sonntag trotz starkem Regen deutlich stärker besucht als in den Vorjahren. Auch die Reden waren eindringlicher als in den Jahren zuvor. Am Rande der Veranstaltung erteilte Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) dem von der JU gewünschten „Heinrich-Heine-Flughafen“ eine klare Absage.

Am 27. Januar 1945 befreiten Soldaten der Roten Armee die Überlebenden des KZ Auschwitz-Birkenau, des größten Vernichtungslagers des Nazi-Regimes. Zum Gedenken daran legten Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD), Oded Horowitz, Vorstandsvorsitzender der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf, und Oberrabbiner Raphael Evers am Sonntagnachmittag am Mahnmal für die Deportierten am ehemaligen Güterbahnhof im Stadtteil Derendorf einen Kranz nieder.

Mit mehr als 150 Menschen, darunter auch der Bundestagsabgeordnete Andreas Rimkus (SPD) und der Ratsherr Andreas-Paul Stieber (CDU), war die Veranstaltung deutlich stärker besucht als in den Vorjahren. Von 1941 bis 1944 wurden von diesem Bahnhof mehr als 6.400 Juden aus Düsseldorf, dem westlichen Ruhrgebiet, vom Niederrhein sowie aus dem Bergischen Land in Ghettos und Konzentrationslager deportiert. Am Abend vor den Terminen hatten sich die Juden im Schlachthof an der Rather Straße einzufinden, wo sie registriert und mittels Leibesvisitationen ausgeplündert wurden. Am Tag darauf mussten sie in südlicher Richtung zu den Verladerampen gehen, wo sie in Personenwagen Dritter Klasse verladen wurden. Um in sichtbarer Form daran zu erinnern, wurde 2012 das Mahnmal am ehemaligen Güterbahnhof eingeweiht.

Auch die Reden am Holocaust-Gedenktag waren am Sonntag deutlich eindringlicher als in den Vorjahren. „Die Übergriffe auf Juden nehmen zu. Leider ist auch Düsseldorf vor Hass und Hetze nicht gefeit“, sagte Thomas Geisel und erinnerte an einen Übergriff gegen einen 17-jährigen Juden im letzten Sommer in der Altstadt. Bei diesem Übergriff konnten die rund zehn und allesamt bärtigen Tatverdächtigen nicht ermittelt werden. Geisel versprach, sich dafür einzusetzen, „dass Juden in Düsseldorf und Deutschland sicher leben können“. Sein Büro habe dazu einen „ganzen Maßnahmen-Katalog gegen Antisemitismus entwickelt“.

„Es zeigt, wie viele Menschen Sorgen haben“

Auch die Rede von Oded Horowitz fiel in diesem Jahr deutlich eindringlicher aus als zuletzt. „Auf der einen Seite freut es mich, auf der anderen Seite zeigt es auch, wie viele Menschen Sorgen haben“, sagte er zu der ungewöhnlich hohen Besucherzahl. Horowitz erinnerte an die Ereignisse rund um eine Rede von Charlotte Knobloch in der letzten Woche. Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern hatte die AfD bei einem Gedenkakt für die Opfer des Nationalsozialismus im bayerischen Landtag als verfassungsfeindlich bezeichnet. Daraufhin verließ der Großteil der AfD-Fraktion noch während Knoblochs Rede unter Protest den Plenarsaal. Danach hatte Knobloch über Beschimpfungen, Beleidigungen und Drohungen „im Minutentakt“ berichtet. „Wir haben uns vorgenommen, hierzubleiben. Das wäre ein Zeichen, dass jüdisches Leben nicht vernichtet wurde“, sagte Oded Horowitz zum Ende seiner Rede.

Am Rande der Veranstaltung erteilte Thomas Geisel der Forderung der Jungen Union (JU), den Flughafen der Landeshauptstadt nach Heinrich Heine zu benennen, um ein Zeichen gegen Antisemitismus zu setzen, eine klare Absage. „Wenn die JU ein solches Zeichen setzen will, dann soll sie dem Namen ‚Johannes-Rau-Flughafen‘ zustimmen“, sagte Thomas Geisel gegenüber NRW.direkt. „Niemand hat so viel für jüdisches Leben in Nordrhein-Westfalen und die Aussöhnung mit Israel getan wie Johannes Rau.“ Dabei wies der Oberbürgermeister darauf hin, dass es in Düsseldorf bereits eine Heinrich-Heine-Universität gebe, Flughäfen in Deutschland aber bislang immer nur nach Nachkriegspolitikern benannt wurden. Mit seinem Wunsch, den Flughafen nach dem ehemaligen Ministerpräsidenten und Bundespräsidenten Johannes Rau zu benennen, war Geisel vor drei Jahren am Widerstand der CDU-Ratsfraktion gescheitert.

Vorsitzende des Ganey-Tikva-Vereins unter den Besuchern

Petra Hemming und Thomas Geisel (Bilder: NRW.direkt)

Kurz zuvor begrüßte der Oberbürgermeister Petra Hemming, die Vorsitzende des Ganey-Tikva-Vereins (GTV), die mit ihrem Lebensgefährten zu der Gedenkveranstaltung gekommen war. Wie bereits mehrfach berichtet, war der GTV in Bergisch Gladbach ursprünglich für die Aktivitäten rund um die Städtepartnerschaft mit der israelischen Stadt Ganey Tikva zuständig. Im Juli 2018 hatte Bürgermeister Lutz Urbach (CDU) jedoch entschieden, dass die Stadt mit den Vertretern des Vereins nicht mehr zusammenarbeitet und alle Aktivitäten im Zusammenhang mit der Städtepartnerschaft wieder ins Bürgermeisterbüro zurückgeholt werden, da der Verein „seinen Fokus auf die Bekämpfung von Antisemitismus gelegt“ habe und „verstärkt Positionen einer radikalen Israel-Politik“ verfolge.

Der Besuch von Petra Hemming in Düsseldorf hatte jedoch auch mit ihrem an den Weihnachtsfeiertagen verstorbenen Vater Heinz zu tun. Heinz Hemming hatte die Städtepartnerschaft Düsseldorf-Haifa mit aufgebaut. Petra Hemming nutzte die Gelegenheit, sich bei Thomas Geisel für dessen Kranz bei der Beerdigung ihres Vaters zu bedanken.

Gedenkkonzert der Lyrikerin Rose Ausländer gewidmet

Im Anschluss an die Veranstaltung am Mahnmal nahm Oberbürgermeister Geisel an einem Gedenkkonzert im Maxhaus teil. Das Konzert des Komponisten Jan Rohlfing war der Lyrikerin Rose Ausländer (1901-1988) gewidmet und trägt den Titel „Wirf deine Angst in die Luft“. Die weltweit bedeutende Autorin wurde in Czernowitz in der Bukowina geboren und lebte seit 1965 in Düsseldorf. Sie verstarb 1988 im Nelly-Sachs-Haus, dem Altenheim der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf; ihr Grab befindet sich auf dem jüdischen Teil des Nordfriedhofes.

Vor dem Konzert hielt auch Herbert Rubinstein von der Jüdischen Gemeinde eine Gedenkrede. In seiner stark mit persönlichen Erinnerungen angereicherten Rede sprach Rubinstein als Überlebender und Zeitzeuge der Shoa. Auch er erinnerte an das Engagement von Johannes Rau für jüdisches Leben in Deutschland. Aber auch Herbert Rubinstein beendete seine Rede mit eindringlichen Worten: „Die Zeit ist reif, dass die demokratische politische Mitte die Zeichen der Zeit erkennt, denn das Böse liebt die Krankheit, die den Nationalsozialismus in die Lage versetzt hat, die Herrschaft zu erlangen: sie heißt Uneinigkeit, Verharmlosung und Wegsehen. Wie sprach Rose Ausländer? ‚Bald wächst der Himmel unter dem Gras, fallen deine Träume ins Nirgends.'“

Bild ganz oben von rechts: Thomas Geisel, Oded Horowitz und Bastian Fleermann, Leiter der Mahn- und Gedenkstätte. Links Oberrabbiner Raphael Evers, mit Gitarre Kantor Aaron Malinsky

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