Düsseldorf Panorama

Störungsfreie Chanukka-Feier in Düsseldorf

Düsseldorf. Mit dem Entzünden der sechsten Kerze feierten rund 300 Menschen am Sonntagabend auf dem Grabbeplatz das Chanukka-Fest. „Ich kann verstehen, dass Menschen jetzt Angst haben“, sagte der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, Oded Horowitz. „Aber es muss weitergehen, auch im Namen der Demokratie.“

Thomas Geisel entzündet die sechste Kerze, rechts Chaim Barkahn (Bilder: NRW.direkt)

„Nach allem, was in den letzten Wochen passiert ist, feiern wir in unserer Landeshauptstadt stolz unser Chanukka-Fest im Jahr 2017“, rief Rabbiner Chaim Barkahn. Rund 300 Menschen, die auf Einladung der jüdische Gemeinschaft Chabad Lubavitch sowie der Jüdischen Gemeinde am frühen Sonntagabend zum Grabbeplatz in Düsseldorf gekommen waren, applaudierten begeistert.

Der Düsseldorfer Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) ergänzte: „Es gehört sich, dass wir das mitten in der Stadt machen.“ Dann sprach Geisel „die verabscheuungswürdigen Szenen“ an, die es „in manchen Städten“ gegeben habe und betonte: „Das darf es in Düsseldorf nicht geben.“ Der Oberbürgermeister sagte, sich bereits bei den Polizisten dafür bedankt zu haben, „dass wir dieses heitere Fest hier ungestört feiern können“.

Was mit „allem, was passiert ist“ konkret gemeint war, wurde jedoch nicht ausgesprochen: Nach der Ankündigung von US-Präsident Donald Trump, die US-Botschaft in Israel von Tel Aviv nach Jerusalem zu verlegen, kam es in Berlin zu hauptsächlich von Muslimen besuchten antisemitischen Kundgebungen, bei denen Parolen wie „Tod Israel“ gebrüllt sowie israelische Flaggen verbrannt wurden. In dieser Woche schwappten die hässlichen Ereignisse auch nach Nordrhein-Westfalen: Am Donnerstag musste ein Chanukka-Fest in Mülheim an der Ruhr aus Sicherheitsgründen abgesagt werden. Nur zwei Tage später sorgten rund 1.000 Personen mit türkischen und palästinensischen Flaggen sowie „Allahu akbar“-Rufen in Hagen für die erste größere israelfeindliche Kundgebung an Rhein und Ruhr seit 2014.

„Es muss weitergehen, auch im Namen der Demokratie“

Lediglich Oded Horowitz wurde in seiner Rede auf dem Grabbeplatz bei den Anspielungen auf die jüngere Vergangenheit zumindest ein bisschen konkreter: „Es muss weitergehen, auch im Namen der Demokratie“, sagte der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf. Er könne verstehen, dass Menschen jetzt Angst haben. „Menschen, die Fahnen verbrennen und solche Dinge rufen, können im nächsten Schritt auch Anderes tun. Das hat die Geschichte gezeigt“, sagte Horowitz. Aber deshalb sei es wichtig, „auch das Gute, das Licht zu sehen“.

Nach den Reden entzündete Thomas Geisel die sechste Kerze des Chanukka-Leuchters. Das auch als jüdisches Lichterfest bezeichnete Chanukka ist ein acht Tage dauerndes Fest, das an die Wiedereinweihung des zweiten jüdischen Tempels in Jerusalem im jüdischen Jahr 3.597 (164 v. Chr.) erinnert.

Den Traditionen entsprechend gab es nach dem Entzünden der Kerzen Sufganiot, mit Marmelade gefüllte und frittierte Krapfen. Geschenke für die Kinder, die chassidische Band Mizmor Chir aus Frankreich, heiße Getränke sowie ein Feuerschlucker sorgten trotz des bedrohlichen Hintergrunds dafür, dass Chanukka in diesem Jahr zumindest in Düsseldorf doch noch ein heiteres Fest wurde.

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