Politik

Streit um Kopftuchverbot für junge Mädchen

Düsseldorf/Herford. Der Islamrat reagiert mit scharfer Kritik auf Überlegungen zu einem Kopftuchverbot für Mädchen unter 14 Jahren. Die Lehrerin und Islamismus-Expertin Birgit Ebel hingegen begrüßt die Überlegungen. „Wenn das tatsächlich durchgesetzt würde, wären wir an den Schulen endlich einen Schritt weiter“, sagt Ebel und verweist auf die für Lehrer „klar spürbare Einflussnahme auf Kinder durch den politischen Islam“.

Mädchen mit Kopftüchern (Bild: NRW.direkt)

Der Islamrat für Deutschland reagierte mit scharfer Kritik auf Überlegungen der Landesregierung zu einem Kopftuchverbot für Mädchen unter 14 Jahren. „Kopftuchzwang und Kopftuchverbot schlagen in dieselbe Kerbe: Beide entmündigen Musliminnen“, sagte der Vorsitzende des Islamrats, Burhan Kesici, und bezeichnete die Debatte laut übereinstimmender Medienberichte als „populistisch, symbolgeladen und inhaltsleer“.

Die Vorstellung, muslimischen Mädchen werde das Kopftuchtragen aufgezwungen, sei überholt und widerspreche der verbreiteten Lebensrealität von Muslimen in Deutschland, sagte Kesici weiter. Dies treffe nur „in einigen wenigen Fällen“ vielleicht zu. Deswegen bei allen jungen Musliminnen die grundgesetzlich geschützte Religionsfreiheit einzuschränken, sei „unverhältnismäßig und verfassungswidrig“. Der Islamrat für Deutschland vertritt fast 40 Mitgliedsvereine. Der größte davon ist die wegen islamistischer Tendenzen umstrittene Islamische Gemeinschaft Milli Görüs (IGMG).

In der letzten Woche hatten Landesintegrationsminister Joachim Stamp (FDP) und Integrations-Staatssekretärin Serap Güler (CDU) ein Kopftuchverbot für Mädchen unter 14 Jahren ins Gespräch gebracht. Begründet wurde das damit, religionsunmündige Kinder dürften nicht zum Tragen eines Kopftuchs gedrängt werden. Während Stamp schnell den Rückhalt seiner Parteikollegen hatte, darunter auch die Zustimmung von FDP-Chef Christian Lindner, bekam Güler aus ihrer eigenen Partei anfänglich mehr Widerspruch als Zustimmung. Am Montag aber sprach sich auch Ministerpräsident Armin Laschet für ein solches Verbot aus und bezeichnete Gülers Vorstoß als „guten Vorschlag, den wir auch umsetzen wollen“.

„Einflussnahme auf Kinder durch den politischen Islam klar spürbar“

„Wenn das in Nordrhein-Westfalen tatsächlich durchgesetzt würde, wären wir an den Schulen endlich einen Schritt weiter“, sagte die Lehrerin und Islamismus-Expertin Birgit Ebel am Montag unserer Redaktion. „Seit dem Putschversuch in der Türkei ist hier bei uns eine Einflussnahme auf Kinder und Jugendliche durch den politischen Islam ganz klar spürbar.“ So berichteten auch viele ihrer Kollegen von anderen Schulen aus NRW irritiert von einer „tendenziellen Zunahme von Kopftuchträgerinnen im Kindesalter sowie der offensiven ‚Vorwärtsverteidigung‘ weiblicher Verhüllung und der Zurschaustellung von Mädchen und Frauen als vermeintlich die ‚Sünde und Unsittlichkeit‘ provozierendes Wesen“, erläuterte Ebel. Dabei werde „die Legende der freien Entscheidung der Verhüllten gefüttert“.

„Damit verhindern die Eltern dieser Kinder selbst ihre Integration in die moderne Gesellschaft, indem sie sich so separieren und ihre Rückständigkeit öffentlich optisch erkennbar machen und damit überdeutlich manifestieren. Ein Teufelskreis für die Betroffenen, die sich aus der Ideologiefalle kaum noch befreien können“, befürchtet Birgit Ebel. Die Lehrerin aus Herford wurde als Gründerin der gegen Rassismus, Islamismus und Sexismus gerichteten Initiative „extremdagegen!“ bundesweit bekannt. (ph)

Der Artikel wurde am Erscheinungstag um 17 Uhr 29 geändert. Grund war eine Meldung, nach der sich inzwischen auch Ministerpräsident Armin Laschet den Forderungen nach einem solchen Verbot angeschlossen hat.

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