Düsseldorf Politik

„Taten statt Worte sind gefragt“

Düsseldorf. Die Kundgebung gegen Judenhass in der letzten Woche sei „richtig und wichtig“ gewesen, meint Oded Horowitz. Solidarität alleine reiche aber nicht. „Nun muss endlich auch die Politik liefern“, fordert der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde. Erst vor zwei Monaten hatte Horowitz ein härteres Durchgreifen von Politik und Polizei gefordert. Seine Forderung nach der Abschiebung antisemitischer Zuwanderer aber verhallte ungehört.

Oded Horowitz (Bild: NRW.direkt)

Wie bereits berichtet, kamen am Donnerstag vergangener Woche mehr als 200 Menschen zu einem „Kippa-Tag“ auf dem Heinrich-Heine-Platz in Düsseldorf. Hintergrund der kurzfristig organisierten Veranstaltung waren die jüngsten Übergriffe auf Männer, die wegen ihrer Kippa als Juden zu erkennen waren. Oded Horowitz, Vorstandvorsitzender der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf sowie des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden von Nordrhein, konnte urlaubsbedingt jedoch nicht an der Solidaritätskundgebung teilnehmen.

An diesem Donnerstag aber meldete sich Oded Horowitz in einem in der Jüdischen Allgemeinen veröffentlichten Gastartikel zu Wort. „Selbstverständlich freut es mich, wenn nichtjüdische Menschen gemeinsam mit uns öffentliche Zeichen der Solidarität setzen. Es hilft auch etwas dabei, sich selbst in unruhiger werdenden Zeiten wie diesen zu beruhigen, im Sinne von ‚Noch ist es für uns jüdische Bürger in Deutschland nicht so gefährlich, als dass wir uns nicht mehr sicher fühlen könnten'“, schrieb er darin. Aus diesem Grund sei er „dankbar für all diejenigen Düsseldorfer, die nach dem letzten antisemitisch motivierten Angriff auf einen Jugendlichen mit Kippa mitten im Herzen der Stadt spontan eine Solidaritätsveranstaltung auf die Beine gestellt haben“.

„Dennoch dürfen wir uns nichts vormachen. Allein mit Solidarität werden wir den immer stärker auftretenden und sich in offener Gewalt ausdrückenden Antisemitismus nicht in den Griff bekommen“, schrieb Horowitz weiter. „Den Antisemiten, welcher Prägung auch immer, erreicht man nicht: höchstens, um als Gegendemonstrant die Veranstaltung womöglich noch zu stören. Seien wir ehrlich: Allein mit Antisemitismusbeauftragten auf Landes- und Bundesebene wird der Kampf gegen Judenhass, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit nicht zu führen sein.“

„Es geht um die jüdische Zukunft in diesem Land“

Zum Abschluss seines Gastartikels forderte Oded Horowitz, die Politik müsse „endlich eingestehen, dass die Wurzel des Übels nicht erst vor Kurzem importiert wurde, dass es keine Einzelfälle sind, sondern wir es mit einer verbreiteten Gesinnung zu tun haben. Verharmlosen geht nicht mehr, es geht um die jüdische Zukunft in diesem Land. Daher sind Taten statt Worte gefragt – mit Solidarität als Zuschlag.“

Konkrete Forderungen an die Politik stellte er in dem am Donnerstag veröffentlichten Artikel jedoch nicht. Im Mai hatte Oded Horowitz ein härteres Durchgreifen von Politik und Polizei bei judenfeindlichen Übergriffen gefordert. Die Angriffe von muslimischen Zugewanderten bedeuten eine „neue Qualität, die hinzu gekommen ist“, sagte er in einem Interview der WAZ. In der Endkonsequenz müsse ein härteres Durchgreifen auch Abschiebungen antisemitischer Zuwanderer bedeuten. Diese Forderung verhallte jedoch ungehört. (ph)

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