Essen Justiz

„Tempelbomber“ zu Haftstrafen verurteilt

Essen. Wegen des Bomben-Anschlags auf ein Sikh-Gebetshaus hat das Landgericht am Dienstag drei Jugendliche zu Haftstrafen zwischen sechs und sieben Jahren verurteilt. Theo Kruse (CDU) sieht die Urteile als Beleg für das Scheitern von Landesinnenminister Ralf Jäger (SPD) und dessen Aussteigerprogramm ‚Wegweiser‘. „Jägers Wegweiser zeigt in die falsche Richtung“, sagte Kruse.

Landgericht Essen (Bild: NRW.direkt)

Der 17-jährige Anführer Yusuf T. muss für sieben Jahre in Jugendhaft, sein ebenfalls 17-jähriger Komplize Mohammed B. für sechs Jahre und neun Monate. Der 17-jährige Tolga I. wurde zu sechs Jahren Haft verurteilt. „Das Motiv war Hass auf andere Religionen. Sie hatten sich radikalisiert, hielten Kontakt zu salafistischen Kreisen und waren an Koran-Verteilaktionen beteiligt“, zitierte die Bild-Zeitung einen Gerichtssprecher. Hinweise auf direkte Kontakte zur Terror-Organisation Islamischer Staat (IS) gab es jedoch keine. Wegen des jugendlichen Alters der Verurteilten fand der Prozess vor der 5. Jugendstrafkammer des Essener Landgerichts unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

Bei dem Anschlag auf das Sikh-Gebetshaus in Essen wurden am 16. April drei Teilnehmer einer indischen Hochzeitsfeier verletzt, ein 60-jähriger Priester schwer. „Es hätte sehr viel mehr passieren können, wenn sich zum Zeitpunkt des Anschlags noch Menschen in dem Gebäude befunden hätten“, sagte der Essener Polizeipräsident Frank Richter Tage nach dem Attentat.

„Jägers ‚Wegweiser‘ zeigt in die falsche Richtung“

Der Anschlag auf den Sikh-Tempel wurde zum Politikum, weil sich schnell herausstellte, dass einer der Angeklagten am Salafisten-Aussteigerprogramm „Wegweiser“ teilgenommen hatte. Yusuf T. kam in das Programm, nachdem die Leitung seiner Schule im Oktober 2014 erstmals über sein auffälliges Verhalten berichtet hatte. So soll er vom IS geschwärmt und dessen Anschläge in Paris gelobt haben. Einer jüdischen Mitschülerin habe er gedroht, ihr „das Genick zu brechen“. Am 12. April, vier Tage vor dem Attentat auf den Sikh-Tempel, hatte er mit seinen Eltern zum letzten Mal an einer „Wegweiser“-Sitzung teilgenommen.

Theo Kruse, innenpolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, sieht die Urteile als Beleg für das Scheitern von Landesinnenminister Ralf Jäger (SPD). „Diese Urteile sind der traurige Beleg dafür, dass Innenminister Jäger die Salafisten-Szene in Nordrhein-Westfalen nicht im Griff hat. Denn das Gericht sah es als bewiesen an, dass die drei Jugendlichen intensiven Kontakt in die salafistische Szene hatten. Über Monate und Jahre hinweg hatten sie sich radikalisiert. Dass das möglich war, ist ein Armutszeugnis für den Minister. Die Zahl der Salafisten hat sich unter Jäger versechsfacht“, sagte Kruse nach der Verkündung der Urteile. „Jägers Wegweiser zeigt in die falsche Richtung.“ (ph)

Print Friendly, PDF & Email