Illegales Rennen in Mönchengladbach Justiz Mönchengladbach

Todes-Raser zu drei Jahren Haft verurteilt

Mönchengladbach. Ein 29-Jähriger wurde am Dienstag vom Landgericht zu drei Jahren Haft verurteilt. Bei dessen Raserei mitten in der Innenstadt wurde im Juni 2017 ein Fußgänger getötet. Der Anwalt der Hinterbliebenen sprach von einem angemessenen Urteil, von dem ein Signal ausgehe.

Während sein 26-jähriger Mitangeklagter sein Gesicht hinter einer schwarzen Jacke verbarg, verzichtete Manuel S. beim Betreten des Gerichtssaals auf derlei Verhaltensweisen. Regungslos wartete er auf sein Urteil. Als der Vorsitzende Richter Ralf Gerads verkündete, dass S. für drei Jahre in Haft muss, schluckte er kurz. Staatsanwaltschaft und Nebenklage hatten zwei Jahre und zehn Monate Haft gefordert. Sein Verteidiger Gerd Meister wollte eine „bewährungsfähige“ Strafe. Die ursprünglich von der Staatsanwaltschaft erhobene Mordanklage wurde vom Landgericht nicht zugelassen.

Der 29-jährige Manuel S. musste sich seit Mitte Oktober vor der 2. Großen Strafkammer des Mönchengladbacher Landgerichts verantworten. Ihm wurde vorgeworfen, mit seinem 180 PS starken Seat Cupra am 16. Juni 2017 bei einem Überholmanöver während eines Rennens in der Mönchengladbacher Innenstadt mit rund 100 Kilometern pro Stunde (km/h) in den Gegenverkehr gerast und dabei einen Fußgänger erfasst und getötet zu haben.

Nachdem der Fußgänger nach dem Aufprall 37 Meter durch die Luft geschleudert wurde, kam dessen Körper nur zum Stillstand, weil er unter einem abgestellten Auto eingeklemmt wurde. Der 38-jährige Mann starb noch vor Ort. Manuel S. hatte das Unfallgeschehen beim Prozessauftakt eingeräumt, aber bestritten, dass es sich dabei um ein Rennen gehandelt habe. Für seine ungewöhnlich hohe Geschwindigkeit hatte er keine Erklärung.

„Hat sich auf eine Kraftprobe eingelassen“

Die Strafkammer kam jedoch zu der Überzeugung, dass er das „rasante Anfahren“ mehrerer Fahrzeuge an einer Ampel „als Aufforderung zum Rennen“ verstanden habe. „Er selber hat keine Erklärung. Wir vermögen die Erklärung nur darin zu sehen, dass er sich zu einer Kraftprobe herausgefordert gefühlt hat“, sagte Ralf Gerads in der Urteilsbegründung. Da anfänglich auch ein drittes Fahrzeug stark beschleunigt habe, könne dies auch nicht als „Solo-Rennen“ gewertet werden.

Der Richter wies darauf hin, dass der tödliche Unfall „vorhersehbar“ sowie „in mehrfacher Hinsicht vermeidbar“ gewesen wäre. So etwa bei einem Beachten des Tempolimits von 40 km/h, dem ordnungsgemäßen Beobachten der Straße oder einem Zurücklenken des Fahrzeugs von der Gegenfahrbahn auf die linke Fahrspur. „Er hatte es bis fast zuletzt in der Hand, das Geschehen zu vermeiden“, sagte Ralf Gerads. „Ein Meter hat gefehlt, und die Kollision hätte nicht mehr stattgefunden.“

„Hat bewusst darauf vertraut, dass es gut geht“

Einen sogenannten Eventualvorsatz, bei dem der Täter das Ergebnis seines Handelns billigend in Kauf nimmt, sah die Kammer jedoch nicht. Manuel S. habe bewusst darauf vertraut, dass es „gut gehen würde“, erläuterte der Richter. Damit blieb es bei einer Verurteilung wegen fahrlässiger Tötung. Außerdem urteilte das Gericht, dass S. seinen Führerschein erst nach Ablauf von zwei Jahren wieder ausgehändigt bekommt.

Bei dem zweiten Angeklagten sah die Strafkammer jedoch keine Anhaltspunkte für die Teilnahme an einem Rennen. Dessen Fahrverhalten habe gezeigt, „dass für ihn kein Rennen in Betracht kommt“, erläuterte Ralf Gerads. Damit könne ihm der tödliche Unfall auch nicht zugerechnet werden. Im Ergebnis wurde der 26-Jährige lediglich zu 3.000 Euro Geldstrafe wegen Unfallflucht verurteilt. Staatsanwaltschaft und Nebenklage hatten für ihn eine Bewährungsstrafe wegen fahrlässiger Tötung gefordert und dies mit einer Beteiligung an einem Rennen begründet.

Der Esslinger Rechtsanwalt Horst Hornek, der als Nebenkläger die Eltern des getöteten Fußgängers vertrat, sprach von einem „angemessenen Urteil“. Das Gericht habe nicht anders urteilen können, denn „das war einfach zu heftig“. Seine Mandanten haben sich ein Urteil gewünscht, von dem ein Signal ausgeht. „Und dieses Signal ist jetzt da“, sagte Hornek.

Bild: Markierungen der Polizei auf dem Teil der Straße, an dem der Fußgänger erfasst und getötet wurde. Bildrechte: NRW.direkt

Print Friendly, PDF & Email