Politik

Türkische Gemeinde gegen Heimatministerium

Düsseldorf. Die Türkische Gemeinde lehnt das im Bund geplante Heimatministerium mit einem Verweis auf die deutsche Geschichte ab. Die Bundestagsabgeordnete Sylvia Pantel (CDU) aber begrüßt die Pläne. „Die Aufarbeitung unserer Geschichte darf nicht bedeuten, dass die eigene Identität aufgegeben wird“, sagte sie.

Sylvia Pantel

Die von der Großen Koalition beabsichtigte Erweiterung des Bundesinnenministeriums um die Bereiche Bau und Heimat zu einem Heimatministerium stößt bei Linken sowie Migrantenverbänden auf Kritik. Am weitesten geht dabei die Türkische Gemeinde, die ihre Ablehnung eines solchen Ministeriums unter anderem mit der deutschen Geschichte begründet.

„Die Fokussierung auf den Heimat-Begriff setzt den falschen Akzent zur falschen Zeit“, sagte der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde, Gökay Sofuoglu, am Freitag in der Berliner Zeitung. Der Begriff Heimat beschreibe einen „von Mensch zu Mensch unterschiedlichen Erfahrungs- und Gefühlsraum“, sagte Sofuoglu: „Ihn auf den politischen Kontext zu übertragen, halten wir nicht nur aufgrund der deutschen Vergangenheit für problematisch. Wir befürchten, dass er nicht Zusammenhalt und Zusammengehörigkeit, sondern Ausgrenzung und Spaltung fördert.“

„Was soll an dem Begriff Heimat negativ sein?“

Die Düsseldorfer Bundestagsabgeordnete Sylvia Pantel (CDU) aber kann die Haltung der Türkischen Gemeinde nicht verstehen. „Was soll an dem Begriff Heimat negativ sein? Ich finde es problematisch, wenn der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde daran Kritik übt und uns unsere Geschichte vorwirft. Da muss ich die Gemeinde fragen, warum sie sich nicht äußert, wenn ihre Landsleute auf die Straße gehen und ‚Vatan Sana canım feda‘ (Deutsch: ‚O Heimat, dir sei mein Leben geopfert‘) schreien.“

„In unserem Land blicken wir auf eine lange Geschichte, eine interessante Kultur und eine offene Gesellschaft zurück. Wir haben den dunklen Teil unserer Geschichte, im Gegensatz zu anderen Ländern, schonungslos aufgearbeitet. Das mahnt uns, dass sich dieser Teil unserer Geschichte nicht wiederholen darf. Aber das darf nicht bedeuten, dass die eigene Identität aufgegeben wird“, sagte Sylvia Pantel am Sonntag unserer Redaktion. „Unsere Kultur mit unserem Brauchtum und unsere demokratische Grundordnung an unsere Kinder weiterzugeben, halte ich für erstrebenswert. Und deshalb begrüße ich die Entscheidung, das Bundesinnenministerium zu einem Heimatministerium auszubauen. Eine Heimat zu haben, bereichert und verbindet. Ich kann daran nichts Trennendes finden, es sei denn, man hat etwas anderes vor.“ (ph)

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