Hagen Politik

Unfaire Kandidatenkür in Hagen?

Hagen. Ist Katerina Gaitanoglou, parteiinterne Herausforderin der umstrittenen CDU-Politikerin Cemile Giousouf, bei ihrer Bewerbung mit unfairen Bedingungen konfrontiert? Der Kreisvorsitzende Christoph Purps spricht davon, dass es in der CDU bereits einen einhelligen Pro-Giousouf-Beschluss gebe. Dennoch werde bei der Kandidatenkür „ordnungsgemäß und demokratisch“ verfahren, so sein Versprechen.

Cemile Giousouf (l.) und Katerina Gaitagnoglou. Das Foto wurde lange vor Gaitanoglous Kandidatur in Berlin aufgenommen. (Bild: Privat)

Cemile Giousouf (l.) und Katerina Gaitanoglou. Das Foto wurde lange vor Gaitanoglous Kandidatur in Berlin aufgenommen. (Bild: Privat)

Wie bereits berichtet, wird die Hagener CDU am nächsten Montag in einer Delegiertenwahl darüber entschieden, ob Cemile Giousouf oder Katerina Gaitanoglou bei der Bundestagswahl 2017 als Direktkandidatin aufgestellt wird. Der Hintergrund beider Bewerberinnen könnte kaum unterschiedlicher sein: Dank des für eine so junge Politikerin ungewöhnlich guten Listenplatzes 25 zog die vom CDU-Landesvorsitzenden Armin Laschet protegierte Muslimin Giousouf 2013 erstmals in den Bundestag ein. Sofort wurde die damals 35-Jährige von der CDU/CSU-Bundestagsfraktion zu deren integrationspolitischer Sprecherin gewählt. Laschets Kalkül ging auf; die Medien feierten Cemile Giousouf als erste muslimische Bundestagsabgeordnete der Union und bezeichneten sie als „Brückenbauerin“.

Durch ihre Nähe zu umstrittenen türkischen Moschee-Gemeinden wurde Giousouf jedoch schnell zur Skandalnudel der Hagener CDU: So wurde im Herbst 2014 bekannt, dass sie eine Delegation der als antisemitisch geltenden und damals noch vom Verfassungsschutz beobachteten Islamischen Gemeinschaft Milli Görüs (IGMG) in der Hagener CDU-Kreisgeschäftsstelle empfangen hatte. Hinzu kam, dass Giousouf auf einer Türkei-Reise im Herbst 2014 von türkischem Boden aus Kritik an einer in einem baden-württembergischen Schulbuch erschienenen Erdogan-Karikatur geübt hatte. Eine Presse-Anfrage, ob diese Reise von der Union Europäisch-Türkischer Demokraten (UETD) organisiert wurde, einer Lobby-Organisation der türkischen Regierungspartei AKP, blieb unbeantwortet.

Landtagsmandat versprochen?

Nachdem Ende 2014 auch noch Bilder die Runde machten, die Giousouf in traditionell islamischer Frauenkleidung in der Hagener Moschee des von der Türkei aus gesteuerten Dachverbandes DITIB zeigten, krachte es in der Hagener CDU; erste Parteimitglieder erklärten ihren Austritt. Kurz darauf warf der Hagener SPD-Chef Timo Schisanowski der CDU vor, sie würde Giousouf nur deshalb noch den Rücken stärken, weil die Landespartei im Gegenzug den Hagenern ein Landtagsmandat für Melanie Purps versprochen habe, der Gattin des Kreisvorsitzenden Christoph Purps. Der aber wies die Vorwürfe sofort zurück und betonte, Giousouf leiste als Bundestagsabgeordnete „hervorragende Arbeit“.

Die 27-jährige Katerina Gaitanoglou, Enkelin griechischer Gastarbeiter, machte bei ihrer Bewerbung um die direkte Kandidatur hingegen unmissverständlich deutlich, dass sie sich im Gegensatz zu Giousouf nicht als Ansprechpartnerin solcher Gruppierungen wie DITIB, UETD oder Milli Görüs verstehe. Ihre Kandidatur begründete sie im NRW.direkt-Interview damit, dass Giousouf zumeist türkische Interessen vertreten habe und sie selbst als Abgeordnete auch die Interessen anderer Bevölkerungsgruppen sowie der Hagener Wirtschaft vertreten wolle. Mit dieser Haltung erwarb sich die angehende Religionslehrerin an der Parteibasis schnell viele Sympathien. In Hagen ist die Christin vielen bereits durch ihr ehrenamtliches Engagement für die rund 4.000 Menschen umfassende griechisch-orthodoxe Gemeinde bekannt.

„Nicht im Sinne des Kreisvorsitzenden“

Aber nicht überall in der Hagener CDU stieß Gaitanoglous Agenda auf Gegenliebe. In der vergangenen Woche sei ihr Versuch, sich vor Partei- und Ortsunionsspitzen zumindest einmal präsentieren zu dürfen, abgeschmettert worden. „Vom Kreisgeschäftsführer wurde mir am Telefon mitgeteilt, dass dies nicht im Sinne des Kreisvorsitzenden sei“, schilderte sie. Nachdem sie dennoch erste Vorstellungsgespräche durchsetzen konnte, machte sie vereinzelt die Erfahrung, dass ihr dabei „jedes Wort im Munde umgedreht wurde“. Auch werde sie bei solchen Anlässen immer wieder unterbrochen und könne ihre politischen Vorstellungen dann gar nicht mehr darlegen.

Offenbar haben auch die höchst unterschiedlichen Haltungen von Giousouf und Gaitanoglou zum Umgang mit islamischen und islamistischen Organisationen dazu geführt, dass bei der Hagener CDU jetzt mit solch harten Bandagen um die Bundestagskandidatur gekämpft wird. So wurde Gaitanoglou von Giousouf-Unterstützern zu verstehen gegeben, dass der Empfang der Milli Görüs-Delegation durch die Abgeordnete richtig gewesen sei, da „eine Integrationspolitikerin auch mit diesem Spektrum reden müsse“. Trotz der ihr dabei entgegengebrachten Feindseligkeit blieb Gaitanoglou aber bei ihrer Haltung, dass sie nicht bereit ist, mit als antisemitisch geltenden Gruppierungen zu reden oder diese gar in den Räumen einer christlichen Partei zu empfangen.

„Einhelliger Pro-Giousouf-Beschluss“ in der CDU?

Christoph Purps zog sich am Donnerstag gegenüber der WAZ darauf zurück, dass es in der CDU bereits einen einhelligen Pro-Giousouf-Beschluss gebe, „und daran haben wir dann auch nicht zu rütteln“. Er habe jedoch den Ortsunionen freigestellt, mit Katerina Gaitanoglou für Vorstellungsrunden in Kontakt zu treten. Darüber hinaus könne sich die Herausforderin darauf verlassen, dass es bei der Nominierung zu einem „ordnungsgemäßen und demokratischen Verfahren“ komme und sie „bei der Aufstellungsversammlung alles vortragen kann“. Dinge, die in einer demokratischen Partei eigentlich selbstverständlich sein sollten und damit keiner weiteren Erwähnung bedürfen. Auch wurde nicht näher erläutert, was genau unter einem „einhelligen Pro-Giousouf-Beschluss in der CDU“ zu verstehen ist. Anhänger von Katerina Gaitanoglou reagierten auf diese Aussage mit „Zweifeln an Purps‘ Demokratieverständnis“.

Damit wird die Kandidatenkür am nächsten Montag in Hagen von vielen Parteimitgliedern auch mehr und mehr als Grundsatzentscheidung darüber verstanden, welche Interessen eine CDU-Bundestagsabgeordnete zu vertreten hat. Auf Nachfrage unserer Redaktion zeigte sich Katerina Gaitanoglou vier Tage vor der parteiinternen Entscheidung kämpferisch. „Ich hätte mir aber einen menschlich-korrekten Umgang gewünscht. Zur Demokratie gehört auch, dem anderen zuzuhören und ihm auch dann nicht ins Wort zu fallen, wenn man seine Meinung nicht teilt. Man muss eine andere Meinung nicht teilen, aber in der Demokratie sollte man sie respektieren“, sagte sie wörtlich.

Lesen Sie dazu auch unser Interview mit Katerina Gaitanoglou

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