Düren Justiz

Untergetauchter Guineer blamiert NRW-Justiz

Düsseldorf/Düren. Zuerst soll sich Dicki B. mit Gewalt seiner Abschiebung widersetzt haben. Dann legte er einen Brand in seiner Unterkunft. Dank der Nachsicht der NRW-Justiz musste der 19-jährige Guineer jedoch nie in Haft und konnte untertauchen. Die Staatsanwaltschaft aber sieht bei sich kein Versagen; ein Untersuchungs-Haftbefehl wäre „unverhältnismäßig“ gewesen, so deren Überzeugung.

Bild: NRW.direkt

Wie bereits berichtet, musste die für Donnerstag angesetzte Verhandlung gegen den 19-jährigen Dicki B. vom Amtsgericht Düsseldorf kurzfristig absagt werden, weil der aus Guinea stammende Angeklagte nicht auffindbar war. Dicki B. war wegen Körperverletzung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte angeklagt, weil er sich am 16. November 2017 seiner Abschiebung mit Gewalt widersetzt haben soll.

Als er von zwei Polizisten begleitet mit einem Flugzeug zunächst nach Lissabon gebracht werden sollte, soll der Guineer einen vor ihm sitzenden Fluggast gewürgt sowie die Beamten zu schlagen, zu treten und zu beißen versucht haben. Daraufhin habe der Pilot entschieden, dass Dicki B. und die beiden Polizisten wegen seines massiven Widerstandes nicht befördert werden können und das Flugzeug wieder verlassen müssen. Dennoch wurde der 19-Jährige nicht in Untersuchungshaft genommen.

U-Haft für die Staatsanwaltschaft „unverhältnismäßig“

Die Staatsanwaltschaft rechtfertigte am Donnerstag ihre Entscheidung, Dicki B. nach der durch ihn selbst vereitelten Abschiebung wieder freizulassen: Für einen Untersuchungs-Haftbefehl habe der Vorwurf nicht gereicht, sagte ein Sprecher der Strafverfolgungsbehörde laut Medienberichten. Zumal es sich um einen Heranwachsenden handele, für den Jugendstrafrecht gelte. Das wäre „unverhältnismäßig“ gewesen, so die Überzeugung der Staatsanwaltschaft.

Ähnlich grotesk mutet an, was eine Nachfrage der WAZ beim Amtsgericht in Düren offenbarte: Nur vier Monate nachdem er mit Gewalt seine Abschiebung vereitelt hatte, wurde Dicki B. dort wegen Brandstiftung verurteilt. Der ausreisepflichtige 19-Jährige hatte eine Decke im Zimmer seiner Unterkunft angezündet. Nachdem die Feuerwehr den Brand gelöscht hatte, musste die Einrichtung erst einmal geschlossen werden. 40 Bewohner mussten von der Stadt auf andere Häuser verteilt werden. Aber trotz der Vorgeschichte setzte das Amtsgericht Düren die Strafe zur Bewährung aus.

Print Friendly, PDF & Email