Wirtschaft und Verkehr

Unverständnis für Absage an Wöhrl

Düsseldorf. KD-Sprecher Stefan Koch reagiert mit Unverständnis darauf, dass das Wirtschaftsministerium das Übernahmeangebot des Unternehmers Hans Rudolf Wöhrl für Air Berlin sofort zurückgewiesen hat. „Hier drängt sich der Gedanke auf, dass man daran überhaupt kein Interesse hat“, sagte Koch. Fluggästen in der Landeshauptstadt würden bei einer marktbeherrschenden Stellung der Lufthansa „erhebliche Preissteigerungen“ drohen, warnen Kartellrechtler.

Stefan Koch (Bilder: NRW.direkt)

Nur zwei Tage nachdem bekannt wurde, dass der erfahrene Nürnberger Luftfahrt-Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl bei Air Berlin einsteigen und die insolvente Airline als Ganzes übernehmen will, reagierte das Bundeswirtschaftsministerium mit Ablehnung. „Das Modell Air Berlin als eine eigenständige Airline ist ja gescheitert“, sagte Wirtschaftsstaatssekretär Matthias Machnig (SPD) am Samstag dem Inforadio des RBB. Man müsse „nüchtern zur Kenntnis nehmen, dass man jetzt mehrere Partner braucht“.

Am Montag legte Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries nach und sprach sich für eine Stärkung des ehemaligen Staatsunternehmens Lufthansa aus. „Ich würde es begrüßen, wenn die Lufthansa größere Anteile von Air Berlin übernimmt“, sagte die SPD-Politikerin dem Handelsblatt. Die Lufthansa sei „ein Champion im Luftverkehr“, sagte Zypries. Damit übernahm Zypries die Position und auch die Sprachregelung von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU), der sich ungeachtet kartellrechtlicher Bedenken mehrfach für eine Übernahme großer Teile von Air Berlin durch die Lufthansa ausgesprochen hatte.

Die Vorgänge seien mit einem „starken Gschmäckle“ verbunden, kommentierte Stefan Koch, Sprecher des Konservativen Dialogs (KD). „Grundsätzlich bin ich dafür, dass alle Angebote fair und offen geprüft werden. Wie das Bundeswirtschaftsministerium dies innerhalb kürzester Zeit beim Angebot von Herrn Wöhrl geschafft haben will, erschließt sich mir nicht. Hier drängt sich der Gedanke auf, dass man daran überhaupt kein Interesse hat“, sagte Koch am Montag auf Nachfrage unserer Redaktion. Beim Konservativen Dialog handelt es sich um einen im Herbst 2016 gegründeten Zusammenschluss konservativer CDU-Politiker aus Düsseldorf.

„Große Koalition schafft ein Monopol“

Hans Rudolf Wöhrl selbst kritisierte laut Medienberichten, die Große Koalition sorge „nicht für mehr Wettbewerb, sondern schafft ein Monopol“. Die Bundesregierung hatte Air Berlin kurz vor dem Insolvenzantrag in der vergangene Woche einen Brückenkredit in Höhe von 150 Millionen Euro gewährt. Daraufhin bezeichnete die irische Billigfluglinie Ryanair das Vorgehen der deutschen Politik als „Komplott“, das nur dazu diene, der Lufthansa Wettbewerbsvorteile zu verschaffen, und legte bei der EU-Kommission Kartellbeschwerde ein.

Im Falle einer Komplettübernahme von Air Berlin durch die Lufthansa würde diese in Düsseldorf eine marktbeherrschende Stellung erlangen. Kartellrechtler warnen seit einer Woche davor, dass dies mit „erheblichen Preissteigerungen“ für die Fluggäste verbunden wäre. (ph)

Bild ganz oben: Airbus von Air Berlin in Düsseldorf

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