Düsseldorf Justiz Lau-Prozess Mönchengladbach

Urteil gegen Sven Lau verzögert sich

Düsseldorf/Mönchengladbach. Beim Prozess gegen den Salafisten-Prediger Sven Lau ist in der nächsten Woche noch kein Urteil zu erwarten. Das Gericht muss sich zuerst mit den Hilfsbeweisanträgen befassen, die Laus Anwalt Mutlu Günal bei seinem Plädoyer gestellt hat.

Sven Lau bei einer Rede in Mönchengladbach (Archivbild: NRW.direkt)

Das teilte das Düsseldorfer Oberlandesgericht (OLG) am Freitag mit. Hilfsbeweisanträge sind Beweisanträge, die nur im Falle einer beabsichtigten Verurteilung des Angeklagten als gestellt gelten. Mutlu Günal hatte bei seinem Plädoyer am Mittwoch einen Freispruch für Sven Lau beantragt, dabei aber vorsorglich mehrere Hilfsbeweisanträge gestellt. Jetzt muss der Fünfte Strafsenat des OLG über die Anträge und damit auch über eine mögliche Wiedereröffnung der Beweisaufnahme beraten.

Die Bundesanwaltschaft hatte für den ehemaligen Mönchengladbacher Salafisten-Chef eine Gesamtfreiheitsstrafe in Höhe von sechs Jahren und sechs Monaten wegen vierfacher Unterstützung einer in Syrien aktiven Terror-Organisation gefordert. Die Ankläger betrachten es als erwiesen, dass der 36-jährige Sven Lau „den gewaltsamen Jihad unter Ausnutzung seiner Stellung als Prediger unter dem Deckmäntelchen der humanitären Hilfe von Deutschland aus unterstützt“ habe. Dabei sei er „durch den ebenfalls bundesweit bekannten Prediger Pierre Vogel emotional getragen“ worden.

Vom Mönchengladbacher Salafisten-Chef zum „Staatsfeind Nr. 1″

Lau und Vogel sind 2010 durch ihre gemeinsamen Auftritte in Mönchengladbach zu öffentlicher Bekanntheit gekommen. Damals bildeten sie zusammen mit dem Braunschweiger Imam Muhammed Ciftci das Führungstrio des Mönchengladbacher Salafisten-Vereins Einladung zum Paradies (EZP). Nachdem eine Bürgerinitiative ein Jahr lang gegen die EZP-Salafisten demonstrierte, gab Pierre Vogel jedoch auf und verließ die Stadt wieder.

Später widmete sich Sven Lau dem syrischen Bürgerkrieg. Seine Reisen nach Syrien begründete er mit humanitärer Hilfe. Bei einer Hausdurchsuchung gefundene Fotos zeigen jedoch, wie er in einem syrischen Lager mit einer Kalaschnikow auf einem Panzer posiert. Im September 2014 sorgte er mit Patrouillengängen seiner „Scharia-Polizei“ in Wuppertal-Elberfeld für bundesweite Schlagzeilen. Der FOCUS bezeichnete ihn daraufhin als „Staatsfeind Nr. 1“.

Print Friendly, PDF & Email