Düsseldorf Justiz

Vergewaltigung einer 90-Jährigen gestanden

Düsseldorf. Fünf Monate nach der brutalen Vergewaltigung einer 90-Jährigen muss sich jetzt ein 19-jähriger Intensivtäter vor dem Landgericht verantworten. Der gab die Tat sofort zu. Danach räumte er ein, 2016 nach Deutschland gekommen zu sein, um sich der Strafverfolgung in Spanien zu entziehen.

Souhayl M. beim Prozessbeginn (Bild: NRW.direkt)

Die Tat sorgte Anfang Oktober in Düsseldorf für Entsetzen: Nachdem sie in der Lambertuskirche eine Kerze für ihre Familie angezündet hatte, wurde eine 90-jährige Frau auf ihrem Rückweg durch die Altstadt überfallen und brutal vergewaltigt. Die Frau wehrte sich nach Kräften, hatte aber keine Chance. Zuerst nahm der Täter seinen Penis aus der Hose und erzwang Oralverkehr. Während er die Seniorin würgte, sagte er: „Still, sonst tot.“ Danach vergewaltigte er die Frau auch noch vaginal und anal. Erst als sich die Frau hilfesuchend an einen Passanten wandte, ließ er wieder von ihr ab und flüchtete. Aufgrund ihrer Verletzungen musste die Seniorin anschließend in einem Krankenhaus behandelt werden.

Seit Donnerstag muss sich der 2016 nach Deutschland gekommene Souhayl M. vor der 7. Großen Strafkammer des Düsseldorfer Landgerichts für die Tat verantworten. Über seinen Anwalt räumte der 19-jährige spanische Staatsbürger den Vorwurf der Vergewaltigung sofort ein. Er habe mit Freunden Alkohol, Kokain und Ketamin konsumiert; zuerst zuhause, danach in einer Diskothek in der Altstadt. „Ich war gut drauf an dem Abend“, sagte er dazu wörtlich. Auf dem Heimweg habe er aber fast kein Geld mehr gehabt. Als er die Frau gesehen habe, sei ihm „spontan“ die Idee eines Überfalls gekommen. Zur Vergewaltigung gab er keine Erklärung ab; in diesem Punkt bestätigte er lediglich die dazu verlesene Anklageschrift.

Spanien nach Verurteilung zum Sozialdienst wieder verlassen

Bei der anschließenden Befragung durch die Vorsitzende Richterin offenbarte sich, dass Souhayl M. bereits in Spanien immer wieder mit dem Gesetz in Konflikt gekommen war. Unter anderem wurde er dort auch wegen eines Vergewaltigungsversuchs im Dezember 2015 verurteilt. Den aber bestritt der in Spanien aufgewachsene Mann: „Es gibt verschiedene Fassungen.“ Er zog sich darauf zurück, dass es dabei um Raub ging und Gewalt im Spiel war.

Als er in Spanien zu einem viermonatigen Sozialdienst bei der Müllabfuhr verurteilt und die Aussetzung der Haftstrafe mit einer fünfjährigen Bewährungsfrist verbunden wurde, entschied er sich, das Land wieder zu verlassen: „Ich kenne mich, das war das Beste, was ich tun konnte.“ Als die Richterin nachfragte, ob er keine Möglichkeit gesehen habe, fünf Jahre ohne Straftaten zu bleiben, antwortete Souhayl M.: „Ich konnte es mir nicht vorstellen.“ Kurz darauf sagte er: „Ich war schon immer sehr aggressiv.“

Familienmitglieder empfahlen ihm Deutschland

Zuerst ging er an seinen marokkanischen Geburtsort zurück. Dort rieten ihm Familienmitglieder, zu Freunden nach Deutschland zu gehen. Nach einer Zwischenlandung in Frankfurt kam er Mitte Mai 2016 in Düsseldorf an. Nachdem er zwei Wochen hier war, kam er in Untersuchungshaft, weil er einen 17-Jährigen verprügelt und ausgeraubt hatte. Danach arbeitete er in einem spanischen Restaurant. Da dort Spanisch gesprochen wurde, sah er keine Notwendigkeit, die deutsche Sprache zu lernen. Während die Richterin immer wieder nachhakte und alle Details seiner kriminellen Vorgeschichte wissen wollte, wand er sich mehrfach.

Reue oder ähnliche Regungen waren bei seinen Schilderungen nicht zu erkennen. Dafür offenbarte er Angst, seine Familie könne erfahren, was er gemacht hat. Die wisse zwar, dass er in Deutschland im Gefängnis sitzt – glaube aber noch immer, er sei in Abschiebehaft genommen worden. Der Prozess wird am 27. März fortgesetzt. Nachdem Souhayl M. die Tat gestanden hat, besteht die Möglichkeit, dem inzwischen 91-jährigen Opfer die Vernehmung dazu zu ersparen.

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