Düsseldorf Justiz Lau-Prozess Mönchengladbach

Vogel: „Kriege ‚Stütze‘ vom Staat“

Düsseldorf/Mönchengladbach. Der Salafisten-Prediger Pierre Vogel war am Dienstag im Lau-Prozess als Zeuge geladen. Obwohl seine Vernehmung fast nichts hervorbrachte, gewährte sein Auftritt vor Gericht tiefe Einblicke. Er räumte ein, auch von „Stütze“ zu leben.

Pierre Vogel in Mönchengladbach (Archivbild: NRW.direkt)

Rund ein Dutzend Journalisten wartete am Dienstagvormittag vor dem Hochsicherheits-Gerichtssaal des Düsseldorfer Oberlandesgerichts (OLG), um Bilder von Pierre Vogel zu machen. Statt des Salafisten-Predigers kam Sven Laus Anwalt Mutlu Günal und sagte, er gehe davon aus, dass Vogel seinen Mandanten entlasten werde. Kurz darauf kam ein halbes Dutzend Salafisten, einer davon blaffte die Fotografen sofort an und verbot die Veröffentlichung seines Bildes.

Wer nicht kam, war Pierre Vogel. Der aber war als Zeuge im Lau-Prozess geladen und hätte längst da sein müssen. Seit September 2016 vor dem Fünften Strafsenat des OLG gegen Sven Lau verhandelt. Vorgeworfen wird dem ehemaligen Mönchengladbacher Salafisten-Chef die Unterstützung in Syrien aktiver Terror-Organisationen.

Dann aber fand Pierre Vogel doch noch den Weg in den Gerichtssaal und die Sitzung konnte mit fast 45-minütiger Verspätung beginnen. Deren Ende stand sofort fest, da Vogel und sein Rechtsbeistand nur bis 12 Uhr Zeit hatten. Der Richter kündigte sofort an, Pierre Vogel am 3. Mai erneut vorzuladen. Dann belehrte er den Salafisten-Prediger ungewöhnlich gründlich über dessen Recht, die Aussage zu verweigern, falls er sich sonst selber belasten würde. Die Frage nach seinem Beruf beantwortete Pierre Vogel ausweichend: „Ich arbeite bei Hilfsorganisationen, mit Mindestlohn. Und seit Januar kriege ich auch ‚Stütze‘ vom Staat.“ Rätsel warf seine Antwort auf die Frage auf, ob er mit Sven Lau verwandt oder verschwägert sei: „Noch nicht.“

Enge Weggefährten in Mönchengladbach

2010 und 2011 waren Pierre Vogel und Sven Lau durch ihr Engagement für den Mönchengladbacher Salafisten-Verein Einladung zum Paradies (EZP) eng miteinander verbunden. Die Landespolitik reagierte mit Untätigkeit auf deren Aktivitäten, aber eine Bürgerinitiative demonstrierte so lange regelmäßig gegen die Salafisten, bis Pierre Vogel entnervt seine Koffer packte und die Stadt wieder verließ.

Als der Vorsitzende Richter Frank Schreiber nach den Protesten der Bürgerinitiative fragte, reagierte Vogel mit Vorwürfen an die Medien: „Das hat erst angefangen, als RTL Aktuell gelogen und erzählt hat, wir würden dort Kinder zu Terroristen ausbilden.“ Der Salafisten-Prediger beharrte darauf, „immer voll gegen Terrorismus“ gewesen zu sein.

Über Sven Lau sagte Pierre Vogel nur Gutes: „Ich glaube, dass er ein guter Mensch ist.“ Beide verbinde eine „enge Freundschaft“, auch sei er von Sven Laus Unschuld überzeugt. Zu sehen war von dieser engen Freundschaft jedoch nichts: Während Vogel über Sven Lau sprach, schaute dieser demonstrativ zur Richterbank. Bereits als Pierre Vogel den Saal betrat, war keine Begrüßung zu erkennen; stattdessen suchte Lau den Blickkontakt zu seinen Glaubensbrüdern im Zuschauerraum.

Keine besonderen Erinnerungen an Ismail I.

In der Sache aber brachte Pierre Vogels Vernehmung fast nichts hervor. Zu einer Hadsch-Reise nach Saudi-Arabien im Jahr 2013 mit Sven Lau und Ismail I. befragt, fiel ihm „nichts Besonderes“ ein. Ismail I. sei „ein ganz normaler Pilger“ gewesen. Der 2015 wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung verurteilte Libanese Ismail I. gilt als Hauptbelastungszeuge im Prozess gegen Sven Lau. Er hatte Lau im November 2016 schwer belastet und wurde kurz darauf mit seiner vorzeitigen Entlassung aus der Haft belohnt.

Auch daran, während des Prozesses gegen Ismail I. regelmäßig mit Sven Lau dazu telefoniert zu haben, konnte sich Pierre Vogel nicht mehr erinnern. „Wir gehen immer davon aus, dass es einen gibt, der Lügen über uns erzählt. Unsere Szene ist von V-Männern durchlöchert wie ein Schweizer Käse. Vielleicht liegt es daran“, lautete Vogels seltsam anmutende Erklärung dazu.

Schnell war es 12 Uhr und Pierre Vogel und sein Rechtsbeistand mussten wieder weiter. Ob die Fortsetzung seiner Vernehmung in der nächsten Woche auch Erkenntnisse in der Sache bringt, bleibt abzuwarten.

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