Düsseldorf Nachrichten

Voreilige Vorwürfe an die Wasserschutzpolizei?

Düsseldorf. Bei der Rettung eines im Rhein treibenden Mannes mussten Einsatzkräfte am Sonntag das Schloss zur Wache der Wasserschutzpolizei aufbrechen, da diese in den Nachtstunden nicht besetzt war. Daraufhin wurden Vorwürfe laut, deswegen sei die Sicherheit auf dem Rhein nicht mehr gewährleistet. Tatsächlich aber gibt es bislang keine Hinweise auf einen Zusammenhang zum späteren Tod des bis jetzt unbekannten Mannes.

In der Nacht zum Sonntag gegen 3 Uhr 30 entdeckten Passanten eine Person im Düsseldorfer Hafenbecken und alarmierten sofort die Rettungskräfte. Rund 60 Einsatzkräfte waren daraufhin mit fünf Rettungsbooten, dem Feuerlöschboot, der Taucherstaffel sowie mit 15 Landfahrzeugen auf dem Rhein und am Rheinufer im Einsatz. Aus der Luft wurden sie von einem Polizeihubschrauber unterstützt. Die Suche der Rettungskräfte konzentrierte sich auf den Bereich der Fußgängerbrücke am Parlamentsufer. Diese Bereiche wurden intensiv abgesucht, unter anderem auch mit Wärmebildkameras. Nach rund 35 Minuten wurde ein Mann durch das Rettungsboot der Feuerlöschboot-Station aus dem Wasser gerettet. Bereits auf dem Boot erfolgte die medizinische Erstversorgung des Mannes durch die Rettungsassistenten. Gleichzeitig steuerte das Rettungsboot den Übergabepunkt in Höhe der Anlegestelle der Wasserschutzpolizei an.

Auf der Landseite aber waren die Retter damit konfrontiert, dass die Wache der Wasserschutzpolizei in den Nachtstunden nicht besetzt und deren Tür deswegen verschlossen war. Für Feuerwehrleute eine nicht ungewöhnliche Situation; die ersten Retter kletterten einfach über das Tor, später wurde das Schloss aufgebrochen. Erst nach zwei Stunden konnten die Rettungskräfte ihren aufwendigen Einsatz wieder beenden. Der etwa 40-jährige Mann wurde nach erfolgreicher Reanimation sofort in eine Düsseldorfer Spezialklinik gebracht. Dort aber verstarb er noch am Sonntag.

Sofortige Vorwürfe gegen die Wasserschutzpolizei

Schnell wurden im Internet Vorwürfe laut, es sei ein Skandal, dass die Feuerwehr keinen Schlüssel zur Wache der Wasserschutzpolizei hatte. Dadurch seien „wertvolle Minuten verloren gegangen“. Kritiker sahen in der 2015 erfolgten Auflösung der Düsseldorfer Wasserschutzpolizei und deren Bündelung in Duisburg die eigentliche Ursache für das Unglück. Seit dieser Bündelung sind nur noch die Wasserschutzpolizei-Stationen in Duisburg, Emmerich und Köln rund um die Uhr besetzt. Die Wachen in Bonn, Düsseldorf und Wesel sind jetzt nur noch temporär besetzt.

Bei der Polizei aber versteht man diese schnellen Schlussfolgerungen nicht. „Auf dem Wasser ist eine Rettung immer schwieriger als an Land“, sagte der für die Wasserschutzpolizei zuständige Duisburger Polizeisprecher Ramon van der Maat. Er verwies darauf, dass die Wasserschutzpolizei ihren Steiger und ihre Boote ebenso vor unbefugtem Zutritt schützen müsse wie jeder andere Anrainer am Rhein auch. Auch hätte das Rettungsboot der Feuerwehr den rund 100 Meter entfernt gelegenen eigenen Steg ansteuern können.

Ein Sprecher der Düsseldorfer Feuerwehr sagte, dass die eigentlichen Rettungsmaßnahmen bereits auf dem Wasser begonnen hatten. Dass die Tür zum Gelände der Wasserschutzpolizei nicht einfach aufgeschlossen werden konnte, sei frustrierend gewesen, habe aber nicht zu einer Verzögerung der Rettungsmaßnahmen geführt.

Todesursache und Identität des Mannes bislang ungeklärt

Die Düsseldorfer Polizei verwies darauf, dass bislang noch nicht geklärt sei, woran der Mann tatsächlich gestorben ist. Die Leiche werde gerade obduziert, sagte eine Polizeisprecherin am Dienstag. Bislang wisse die Polizei nicht einmal, wer der Mann ist. Ob er Selbstmord begehen wollte, sei derzeit ebenfalls ungeklärt. Auch die Polizei habe bislang keine Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen dem fehlenden Schlüssel für das Gelände der Wasserschutzpolizei und dem Tod des Mannes.

Damit spricht bis jetzt alles dafür, dass die sofort in Richtung der Wasserschutzpolizei erhobenen Vorwürfe voreiliger Natur sind. Ob es jedoch richtig ist, dass ausgerecht die in direkter Nähe zum Düsseldorfer Landtag befindliche Wache der Wasserschutzpolizei nicht rund um die Uhr besetzt ist, dürfte eine andere Frage sein. Die aber muss von der neuen Landesregierung beantwortet werden.

Bild: Wasserschutzpolizei Düsseldorf. Bildrechte: NRW.direkt

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