Kolumnen Politik

Vorerst kein Gender-Sternchen

Der Gender-Stern wird vorerst nicht in das Regelwerk der deutschen Sprache aufgenommen. Das ist auch gut so, denn Zeichen, die mit uns fremden Knack- oder Zischlauten zu ihrer Deutlichmachung gesprochen werden müssten, verfremden unsere Sprache unnatürlich und führen zu einem weiteren kulturellen Identitätsverlust. Solchen Verhunzungen unserer schönen Muttersprache sollten wir nicht nachgeben. Eine Kolumne von Anette Schultner.

Anette Schultner

Der sogenannte Gender-Stern wird vorerst nicht in das Regelwerk der deutschen Sprache einziehen. Bei seiner Tagung in Passau hat sich der Rat für deutsche Rechtschreibung am vergangenen Freitag einstimmig dafür ausgesprochen, den Sprachgebrauch zunächst weiter zu beobachten. „Die Erprobungsphase verschiedener Bezeichnungen des dritten Geschlechts verläuft in den Ländern des deutschen Sprachraums unterschiedlich schnell und intensiv“, sagte der Vorsitzende Josef Lange. Dies solle nicht durch vorzeitige Empfehlungen und Festlegungen des Rats beeinflusst werden, befand das Gremium.

Seit Menschengedenken war das so Offenbare klar, von der Biologie bis zur Theologie: Es gibt zwei Geschlechter, Mann und Frau. Und seltene medizinische Anomalien, die eine geschlechtliche Zuordnung nicht ganz so offensichtlich machen. Doch genauso, wie man jemanden, der vielleicht sogar von Geburt an mehr oder weniger als fünf Finger an einer Hand hat, mit vollem Respekt behandeln und dennoch feststellen würde, dass eine Hand jenseits von Anomalien, Krankheiten oder Unfällen einfach fünf Finger hat, so ändert auch die seltene Intersexualität, geschweige denn Transsexualität, nichts daran, dass es zwei Geschlechter gibt: Männer und Frauen.

„Und Gott schuf sie als Mann und Frau“

Für Christen, die ihrem Glauben näher sind als dem Folgen von Zeitgeist-Erscheinungen, ist es eindeutig: „Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau“ (1. Buch Mose 27). Diese Stelle in der Bibel ist – leicht erkennbar – für uns eine besonders wichtige.

Gerade in den letzten drei Jahren, vor dem Hintergrund der Flüchtlingskrise, konnte man in Deutschland aus den Kirchen den Verweis auf diese Textstelle so oft hören, wie auf fast nichts anderes: Der Mensch, und zwar ausnahmslos jeder Mensch, ist nach dem Ebenbilde Gottes geschaffen. Daraus hat er seine besondere Würde. Bei allen Diskussionen über Menschen, bei allen unterschiedlichen politischen Ansätzen und Bewertungen, darf die Gottesebenbildlichkeit, die jedem Menschen natürliche Würde gibt, nicht vergessen werden. Was nicht heißt, dass das Verhalten von Menschen nicht würdelos, ja, mitunter bösartig sein kann und daraus nicht Rückschlüsse für die Gesellschaft und die Politik erfolgen müssten. Auch unser unter anderem deutlich christlich inspiriertes Grundgesetz spricht aus dem Gedanken der Gottesebenbildlichkeit des Menschen gleich in Artikel 1 des Grundgesetzes von der unantastbaren Menschenwürde eines jeden: „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.“

Aber die dem zugrunde liegende Bibelstelle lässt eben auch nicht den mindesten Zweifel an der Binarität der Geschlechter. Das christliche Menschenbild ist zweifellos in geschlechtlicher Hinsicht – und nicht nur darin – binäres. Damit hier kein Missverständnis entsteht: Eine Anomalie in der geschlechtlichen Entwicklung, physisch oder psychisch, beeinträchtigt selbstverständlich genauso wenig die jedem Menschen zukommende Menschenwürde wie es auch nicht eine Anomalie an der Hand könnte. Doch die Binarität der Geschlechter ist eindeutig – und etwas anderes zu behaupten nur einer politisch korrekten Zeitgeisterscheinung geschuldet.

Sprache als Code der maximal politisch Korrekten?

Im November 2017 gab es ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts, nach dem im Geburtenregister neben „männlich“ und „weiblich“ noch eine dritte Option geschaffen werden soll, was auch die Debatte um die Sprache weiter verschärft hat.

Das ist eine Entwicklung, mit der Deutsch, einst die Sprache der Dichter und Denker, zum Code der maximal politisch Korrekten zu verkommen droht. Derzeit geht es im Wesentlichen um Schreibweisen wie die mit dem Sternchen, dem sogenannten „Asterisk“, wie im Wort „Schüler*in“. Oder dem Tiefstrich, dem sogenannten Gender-Gap, wie bei „Schüler_in“. Solche Dinge werden ernsthaft diskutiert.

Bei seiner Sitzung im Juni in Wien war der Rat für deutsche Rechtschreibung übereingekommen, dass geschlechtergerechte Sprache verständlich, lesbar, vorlesbar, grammatisch korrekt sowie eindeutig und rechtssicher sein soll. Eine Variante, die jetzt schon verstärkt praktiziert werde, sei die Verwendung geschlechtsneutraler Begriffe wie „Studierende“ statt „Studenten und Studentinnen“ oder „Lehrperson“ statt „Lehrer“. Es müsse dabei auch unterschieden werden, um welche Art Text es sich jeweils handele, sagte Josef Lange. Bei einem Gesetzes- oder Verwaltungstext gebe es andere Maßstäbe als bei einem journalistischen oder literarischen Text.

Sprachwissenschaftler sieht bedrohliche Entwicklung

Ein scharfer Kritiker von Schreibweisen mit Sternchen oder Tiefstrich ist der renommierte Sprachwissenschaftler Peter Eisenberg, bis zu seiner Emeritierung 2005 Professor für Deutsche Sprache der Gegenwart an der Universität Potsdam. Nach Eisenbergs Ansicht ist besonders der Asterisk ein sprachfremdes Element. Er fürchtet, dessen Einführung in der Behördensprache sei nur ein erster Schritt: „Jetzt wird er toleriert, in zwei bis drei Jahren akzeptiert und dann heißt es: ‚Warum kommt er nicht auch in Schulbücher?'“ In mehreren Medien sprach Eisenberg vor einer Woche von einer bedrohlichen Entwicklung, die von geschlossenen Zirkeln gewaltig vorangetrieben werde.

Dass sich der Rat für deutsche Rechtschreibung erneut dafür ausgesprochen hat, den tatsächlichen Sprachgebrauch erst einmal weiter zu beobachten, halte ich angesichts der derzeit geführten Diskussion für eine vernünftige Entscheidung. Eine natürliche Sprachentwicklung ist einer von bestimmten Zirkeln aufoktroyierten Entwicklung eindeutig vorzuziehen. Denn wer sich aufmerksam anschaut, in welchen Kreisen Gender-Sternchen und Unterstriche verwendet werden, wird gleichzeitig feststellen, dass die große Mehrheit der Menschen damit nichts anfangen kann.

Verständigung mit Knack- und Zischlauten?

Besonders die Vorschläge mit Symbolen wie Gender-Sternchen und Tiefstrichen sind hinsichtlich der geforderten Sprechbarkeit in unserer Sprache in einen natürlichen Sprachfluss passend nicht umsetzbar. Wie sollen Sternchen und Unterstriche denn ausgesprochen werden? Mit uns bislang fremden Lauten, wie es sie zum Beispiel im Thailändischen gibt? Dann müssen wir nur noch durch flächendeckende Schulungen der Deutschen die Integration in ihre neue Sprache sicherstellen.

Nein, liebe Leser, auf solche Dinge sollten wir verzichten. Das würde unsere schöne und auch auf korrektem Weg flexibel nutzbare Sprache nur verschandeln und uns entfremden. Vernünftig und sich in unsere deutsche Muttersprache natürlich einfügend kann man Gender-Sternchen und dergleichen nicht sprechen. In Zusammenhängen, in denen man im Sinne der tatsächlich vorhandenen geschlechtlichen Binarität Männer und Frauen gezielt und individuell betont ansprechen möchte, etwa beim „Sehr geehrte Damen und Herren“, sollte man dies natürlich auch weiterhin tun.

Lassen Sie uns mit unserer Sprache weiterhin pragmatisch und vernünftig umgehen. Bitte verweigern Sie sich konsequent sprachlichem Unfug aus neomarxistisch-universitären Elfenbeintürmen und LSBTTIQ-Lobbyorganisationen. Der Unfug ging schon viel zu weit. Keinen Fingerbreit mehr.

Die Kolumnen von NRW.direkt geben die Meinung des jeweiligen Autors wieder. Dabei muss es sich nicht zwangsläufig um die Meinung unserer Redaktion handeln.

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Über den Autor

Anette Schultner

Anette Schultner engagierte sich bereits in Schul- und Studienzeiten parteipolitisch sowie in freien Gemeinden. Zunächst mehr als zwei Jahrzehnte in den Unionsparteien, später in der AfD. Dort war sie Mitgründerin und bis zu ihrem Ausscheiden aus der Partei Vorsitzende der „Christen in der AfD". Seit Herbst 2017 engagiert sich Schultner für die Blaue Wende. Dort ist sie auch als Referentin für Familien- und Kirchenpolitik tätig. Im April erschien bei SCM Hänssler ihr Buch „Konservativ. Warum das gut ist."