Neuss Politik

Warnungen vor „Immobilien-Irrsinn“

Neuss/Kaarst. Eine Veranstaltung des AfD-Mittelstandsforums über die Auswirkungen der Flüchtlingskrise auf den Immobilienmarkt konnte am Mittwoch erst stattfinden, nachdem darauf verzichtet wurde, diese auch öffentlich anzukündigen. Matthias Gellner zeichnete bei seinem Vortrag ein düsteres Bild für die Chancen von Geringverdienern auf bezahlbaren Wohnraum.

Der Vortrag von Matthias Gellner, einem Immobilienmakler aus Bottrop und Mitglied im Bundes- sowie Landesvorstand des AfD-Mittelstandsforums, zum Thema „Vom Asyl-Chaos zum Immobilien-Irrsinn?“ stand unter einem schlechten Stern: Nachdem der ursprünglich angekündigte Vortragsort wegen Drohungen gegen den Vermieter in die der Stadt gehörende Alte Schmiede in Neuss verlegt werden musste, stellte sich heraus, dass diese von keiner Partei für Veranstaltungen genutzt werden darf. Kurzfristig einen neuen Veranstaltungsort anzukündigen, war der Neusser AfD jedoch „zu blöd“. Damit wussten viele interessierte Zuhörer nicht mehr, wo Gellners Vortrag stattfindet, weshalb sich am frühen Mittwochabend nur noch etwas mehr als zwanzig Menschen dazu einfanden.

Zu Beginn seines Vortrags zeigte sich Matthias Gellner darüber verärgert, dass die Presse Linksextremisten, die Veranstaltungen der AfD mit Drohungen verhindern, als „Aktivisten“ bezeichne: „Das sind keine Aktivisten, das sind Kriminelle.“ Das von der örtlichen Presse als „reißerisch“ kritisierte Motto seines Vortrags verteidigte er: „Es kann keiner bestreiten, dass wir hier ein Asyl-Chaos haben, geordnet ist das schon lange nicht mehr.“ Danach sprach er davon, dass im letzten Jahr rund eine Million Asylsuchende in Deutschland aufgenommen wurden. Zwei Prozent davon haben tatsächlich Anspruch auf Asyl, rund 40 Prozent ein befristetes Bleiberecht als Kriegsflüchtlinge. Die verbleiben 58 Prozent hätten zwar kein Bleiberecht, die meisten davon würden jedoch geduldet und damit in Deutschland bleiben. „Und die brauchen auch ein Dach über dem Kopf.“ Für die nächste Zeit erwarte er, dass etwa 600.000 Zuwanderer auf den Immobilienmarkt drängen werden. Bundesweit gebe es aber bereits jetzt 700.000 Wohnungen zu wenig.

„Geringverdiener werden auf der Strecke bleiben“

Was jetzt an Wohnungsbau erfolge, sei ein „kleines Konjunkturpaket“, bei dem es Gewinner und Verlierer geben werde, sagte er weiter. Zu den Gewinnern würden etwa Handwerker gehören, die teilweise auf Monate hinaus ausgebucht seien. Zu den Verlierern aber zählte er die Geringverdiener. Durch die Kosten für die Unterbringung und Versorgung von Asylsuchenden sei in vielen Kommunen die Grundsteuer stark gestiegen, was bereits jetzt zusammen mit höheren Baukosten steigende Mieten bewirke. Der Mechanismus von Angebot und Nachfrage werde auf dem Markt für bezahlbaren Wohnraum einen „Verdrängungswettbewerb“ bewirken, bei dem „die Geringverdiener auf der Strecke bleiben“.

Und diese Entwicklung werde auch vor den Schwächsten der Schwachen nicht haltmachen: So sprach der Immobilienmakler davon, dass Einrichtungen, die für die Unterbringung eines Obdachlosen pro Tag 15 Euro bekommen, für die eines Asylsuchenden jedoch 50 Euro bekommen. Damit sei die Unterbringung von Obdachlosen für solche Einrichtungen finanziell nicht mehr attraktiv.

Warnung vor Ghettobildung

Auch warnte der Vertreter des Mittelstandsforums eindringlich davor, dass die durch Asylsuchende verschärfte Knappheit von bezahlbarem Wohnraum zu Gebäuden mit extrem hohen Anzahl an Wohnungen führen werde: „Wir werden wieder Riesenklötze auf der grünen Wiese bekommen.“ Als Beispiel für die damit verbundene Ghettobildung benannte er einen in Hamburg für insgesamt 800 Wohneinheiten geplanten Gebäudekomplex: „Dann soll mir noch jemand erzählen, dass dort Integration stattfindet.“ Dort bereits entstandene Immobilien würden „enorm an Wert verlieren“, womit deren Eigentümer „doppelt gestraft sind“.

Nach Gellners rund einstündigem Vortrag hatten die Zuhörer eine weitere Stunde lang die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Sofort wurde der Immobilienmakler zu möglichen Lösungen befragt. Er machte deutlich, dass er eine Lösung nur darin sehe, keinen sozialen Wohnungsbau mehr zu fördern. Stattdessen müsste ein Wohngeldausgleich erfolgen, um Ghettobildung zu verhindern. Auch gebe es im Mittelstandsforum die Überlegung, „denen, die keine Bleibeperspektive haben, erst gar keine Anreize zu bieten“. Trotz des nur kleinen Kreises von Zuhörern blieb Matthias Gellner auch bei der Diskussion mit seinem Publikum bei vorsichtigen und moderaten Formulierungen. Einzelne AfD-Anhänger aber wurden umso deutlicher: „Wir müssen die Grenzen schließen.“

Bild: NRW.direkt

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