Kolumnen Politik

Warum die Ahmadiyya nicht anerkannt werden sollte

In einer Sachverständigen-Anhörung zur Ahmadiyya-Gemeinde im Landtag erläuterte die Islamismus-Expertin Sigrid Herrmann-Marschall, dass Frauen nach deren Ideologie im Diesseits auf Gleichberechtigung verzichten müssen, um im Jenseits die Gleichwertigkeit vor Gott zu erlangen. Dieses Beispiel bestätigt meine Auffassung, dass das Frauenbild dieser Gemeinde gegen unser Grundgesetz verstößt und die AMJ deswegen nicht als Körperschaft des öffentlichen Rechts anerkannt werden sollte. Eine Kolumne von Sylvia Pantel.

Sylvia Pantel

In diesem Jahr dürfte darüber entschieden werden, ob die Ahmadiyya Muslim Jamaat (AMJ) in Nordrhein-Westfalen als Körperschaft des öffentlichen Rechts (KöR) anerkannt wird. In Deutschland hat die AMJ nach eigenen Angaben rund 40.000 Mitglieder. In Hessen wurde die umstrittene Gemeinde bereits 2013 als KöR anerkannt, im darauf folgenden Jahr auch in Hamburg. Mit diesem Status ist die laut ihrer Satzung einem Kalifen in Pakistan unterstehende Ahmadiyya-Gemeinde christlichen Kirchen in Deutschland rechtlich gleichgestellt.

Durch medienwirksam positiv dargestellte soziale Aktivitäten sowie einen deutsch-patriotischen Auftritt hat sich die AMJ in den letzten Jahren bei vielen Politikern den Ruf einer eher liberalen Gemeinde erworben. Zur öffentlichkeitswirksamen Darstellung der AMJ gehört auch der „muslimische Kirchtag“, der vom 5. bis 7. Juli in Karlsruhe stattfindet. Die Gemeinde hat bereits angekündigt, dass sich rund 40.000 deutsche Muslime dort versammeln wollen. Dabei soll nicht nur demonstrativ die deutsche Flagge gehisst werden, sondern auch „nach Lösungen für den gesellschaftlichen und sozialen Frieden in Deutschland“ gesucht werden. Damit soll ein Zeichen für „Frieden, Vielfalt und Toleranz“ gesetzt werden. Aktivitäten, die bei vielen deutschen Politikern natürlich auf Zustimmung stoßen und die für sich betrachtet auch lobenswert sind.

Frauenfeindliche Broschüren im Rathaus

Welche Ideologien sich jedoch hinter solchen öffentlichkeitswirksamen Auftritten verbergen können, mussten wir in Düsseldorf im Februar 2017 erleben: „Eine Reise durch die islamische Zeit“ hieß die Ausstellung, die damals vier Tage lang im Rathaus zu sehen war. Die Ausstellung geriet jedoch zum Skandal, nachdem der Düsseldorfer Anzeiger berichtet hatte, dass dort auch Broschüren mit Titeln wie „Die Rechte und Pflichten einer Frau im Islam“, „Die islamische Ehe“ oder „Warum trägt die Muslima Schleier oder Kopftuch?“ angeboten wurden.

Bei näherer Betrachtung hatten die bunten Heftchen jedoch frauenfeindliche Inhalte offenbart. Etwa, dass Frauen nicht ohne Einverständnis des Mannes arbeiten gehen dürfen sowie Schleier oder Kopftuch tragen, um sich „vor anderen Männern zu schützen“. Auch sollten Frauen, im Gegensatz zu Männern, die unter bestimmten Voraussetzungen bis zu vier Frauen ehelichen können, nur einen Mann haben, weil sie sonst zu häufig schwanger würden. Die Aussage, dass Frauen nicht gegen ihren Mann opponieren, war ebenfalls in einer der Broschüren zu finden. Die CDU-Ratsfraktion protestierte zu recht gegen diese Ausstellung, denn dass Frauen unter dem Deckmantel der Religionsfreiheit in ihren Bürgerrechten beschnitten werden, darf und kann so nicht hingenommen werden.

Sachverständige äußern sich dazu im Landtag

Am 17. Januar fand nun im Landtag eine Sachverständigen-Anhörung zum Antrag der Ahmadiyya-Gemeinde als KöR statt. Auch wenn die endgültige Entscheidung darüber von der Staatskanzlei getroffen wird, kann der Landtag dazu zumindest eine Empfehlung abgeben. Als Sachverständige waren die Islamismus-Expertin Sigrid Herrmann-Marschall sowie die beiden Staatsrechtler Professor Reiner Tillmanns und Professor Fabian Wittreck geladen. Letztere beurteilten die Situation fast ausschließlich unter juristischen Aspekten.

Sigrid Herrmann-Marschall hingegen erläuterte die Ideologie der Ahmadiyya-Gemeinde und fokussierte sich bei der Beantwortung der an sie gerichteten Fragen insbesondere darauf, ob die Ziele der AMJ überhaupt mit denen unseres Gemeinwesens zu vereinbaren sind. Dabei erläuterte sie, dass das Fernziel der Gemeinde in der globalen Ausbreitung des Islams in Form eines weltweiten Kalifats in der Auslegung der Ahmadiyya bestehe.

Eine Trennung von Staat und Religion sei „vom Religionsgründer schon vorab nicht gedacht“ gewesen. „Das Hinwirken darauf können wir in unserem Land tatsächlich schon beobachten“, warnte die Islamismus-Expertin. „Und dieses Ziel sollten wir, meine ich, alle wahrnehmen.“

Gleichwertigkeit im Jenseits, aber keine Gleichberechtigung im Diesseits

Auf Nachfrage zum Geschlechterbild der AMJ erläuterte Herrmann-Marschall, dass die von den Ahmadiyyas benutzte Begrifflichkeit der „Gleichwertigkeit“ mitnichten gleiche Rechte für Frauen im Diesseits bedeute. Die Gleichwertigkeit werde erst vor Gott erzielt. Im Diesseits aber müssten Frauen mindere Rechte hinnehmen sowie sich den islamischen und göttlichen Regeln unterwerfen, um im Jenseits gleichwertig zu sein.

Damit stand auch in dieser Sachverständigen-Anhörung das von der AMJ propagierte Frauenbild im Raum. Mich bestätigen diese Erkenntnisse in meiner Meinung, dass ein solches Frauenbild nicht mit der im Artikel 3 unseres Grundgesetzes festgeschriebenen Gleichberechtigung von Mann und Frau zu vereinbaren ist. Frauen haben zu lange für ihre Rechte gekämpft, als dass diese jetzt fragwürdigen Ideologien geopfert werden. Und deswegen sollte die Ahmadiyya-Gemeinde auch nicht als Körperschaft des öffentlichen Rechts anerkannt werden.

Die Kolumnen von NRW.direkt geben die Meinung des jeweiligen Autors wieder. Dabei muss es sich nicht zwangsläufig um die Meinung unserer Redaktion handeln.

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Über den Autor

Sylvia Pantel

Sylvia Pantel ist direkt gewählte Bundestagsabgeordnete für den Düsseldorfer Süden. Im Parlament sitzt sie in den Ausschüssen für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie Menschenrechte und Humanitäre Hilfe. Zusammen mit Philipp Lengsfeld ist sie Koordinatorin der Bundestagsabgeordneten im Berliner Kreis, einem Zusammenschluss konservativer CDU-Politiker. Außerdem ist sie Vorsitzende der Düsseldorfer Frauen Union (FU) sowie stellvertretende FU-Landesvorsitzende. Sylvia Pantel ist verheiratet und fünffache Mutter.