Ostwestfalen-Lippe Politik

Wegen Islamismus-Vortrag angekettet

Herford. Um einen Vortrag der kurdischstämmigen Aktivistin Leyla Bilge zum Thema Islamismus zu verhindern, haben sich Linksextremisten im Haus unter den Linden angekettet. Mindestens drei Polizisten wurden bei der Räumung verletzt. Einem Veranstaltungsbesucher wurde ein Zahn ausgeschlagen. Bilges Schwester wurde von den Linken beschimpft und mit Cola übergossen.

Leyla Bilge (Bild: NRW.direkt)

„Islamismus – Kinderehen und Scharia“ lautete der Titel des Vortrags, den Leyla Bilge am Dienstagabend im Haus unter den Linden in Herford halten wollte. Bilge wurde 2014 vom Kölner EXPRESS als „eine der Frauen des Jahres“ bezeichnet. Grund dafür waren ihre Reisen ins irakische und syrische Kriegsgebiet, um vor Ort den Opfern des IS-Terrors zu helfen. Leyla Bilge überwachte dort die Verwendung von Hilfsgütern und gründete in einem von Kurden kontrollierten Gebiet eine Schule für Vollwaisen. Nachdem sie sich 2016 der AfD angeschlossen hatte, fiel die Aktivistin jedoch bei vielen Medien in Ungnade.

Um Bilges Vortrag in Herford zu verhindern, ketteten sich am Dienstag etwa 20 Personen im Treppenhaus des Haus unter den Linden an. Nach mehreren Schlichtungsversuchen löste die Polizei die unerlaubte Störung der öffentlichen Veranstaltung auf. Teilweise mussten die Störer aus dem Treppenhaus getragen werden. Andere widersetzen sich den Polizeikräften, wobei mindestens drei Beamte verletzt wurden. Laut der Polizei ergaben spätere Identitätsfeststellungen, dass die Störer ausnahmslos dem sogenannten linksautonomen Spektrum zuzurechnen sind.

An den Vermittlungsversuchen soll auch Inge Höger, Bundestagsabgeordnete der Partei „Die Linke“, beteiligt gewesen sein. Laut der Neuen Westfälischen habe sie den Linksextremisten freien Abzug zugesagt, wenn sie eigenständig gehen würden. Auf der Internet-Seite des Kreisverbandes Herford der Linken kritisierte Höger jedoch später die Polizei: „Die AfD hat hier nichts verloren. Ich habe mich sehr gefreut, wie viele Menschen aus der Mitte der Gesellschaft an dem Protest teilgenommen und sich mit der Blockade im Haus solidarisiert haben. Das Vorgehen mancher Polizeikräfte hat mich allerdings schockiert.“ Der Fraktionsvorsitzende der Linken im Herforder Kreistag, Fabian Stoffel, sprach von einem „brutalen Polizeieinsatz“ und kündigte Anzeigen gegen die „gewalttätigen Beamtinnen und Beamten“ an. Von Seiten der Polizei war trotz mehrfacher Versuche keine Stellungnahme zu bekommen.

„Da muss ihnen jemand den Schlüssel gegeben haben“

Unklar ist bislang, wie die Linksextremisten in das Haus unter den Linden gekommen sind. Leyla Bilge sagte unserer Redaktion, dass sich die Extremisten bereits drei Stunden vor der Veranstaltung angekettet hatten. „Da muss ihnen jemand den Schlüssel gegeben haben“, vermutete Bilge. Weiter berichtete sie, dass einem Teilnehmer der AfD-Veranstaltung ein Zahn ausgeschlagen und ihre Schwester von den Linken beschimpft sowie mit Cola übergossen wurde. Mindestens 40 Gäste konnten wegen des linksextremen Spektakels nicht an der Veranstaltung teilnehmen, kritisierte die kurdischstämmige Aktivistin.

Ihr Vortrag habe aber später stattgefunden. „Ich lasse mich doch durch so was nicht aufhalten“, lautete ihr kurzer Kommentar. Für die Vorwürfe der Linken gegen die Einsatzkräfte zeigte sie kein Verständnis: „Die Polizei hat denen immer wieder Zeit gegeben, freiwillig zu gehen, immer wieder noch mal fünf Minuten. Und wenn die dann immer noch nicht gehen, muss die Polizei gewaltsam für Ordnung sorgen. Dafür ist sie da.“ (ph)

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