Düsseldorf Justiz

Wehrhahn-Anschlag vor Gericht

Düsseldorf. Vor dem Landgericht begann am Donnerstag der Prozess um den Wehrhahn-Anschlag. Die Jüdische Gemeinde reagierte darauf mit Erleichterung. Deren Verwaltungsdirektor Michael Szentei-Heise sprach dabei aber auch von einer „massiven Zunahme judenfeindlicher Angriffe“ in den letzten zwei Jahren.

S-Bahnhof Wehrhahn (Bild: NRW.direkt)

Bei dem mit einer mit TNT gefüllten Rohrbombe durchgeführten Anschlag wurden am 27. Juli 2000 in der Nähe des S-Bahnhofs Düsseldorf-Wehrhahn zehn Menschen zum Teil lebensgefährlich verletzt. Eine im fünften Monat schwangere Frau verlor ihr ungeborenes Kind. Bei den Opfern handelte es sich um Einwanderer aus Russland, der Ukraine, Kasachstan und Aserbaidschan. Sechs von ihnen waren Juden, vier waren Russlanddeutsche.

Bereits kurz nach dem Anschlag wurde der heute 51-jährige sowie der rechtsradikalen Szene zugerechnete Ralf S. kurzzeitig festgenommen. Nachdem Nachbarn der Polizei berichtet hatten, dass er nachts mit einem Hund durch die Straßen patrouilliere, dabei einen Kampfanzug trage und sich „Sheriff von Flingern“ nenne, geriet er ins Visier der Ermittler. Die Beweise gegen ihn reichten jedoch nicht aus. Bei einer zwischenzeitlichen Inhaftierung soll er dann vor einem Mithäftling damit geprahlt haben, er sei für den Bomben-Anschlag in Düsseldorf verantwortlich. Der Mithäftling gab die Information an die Polizei weiter. Die nahm das zum Anlass, die Ermittlungen 2014 wieder aufzunehmen. Anfang 2017 wurde er erneut festgenommen; dieses Mal waren sich die Behörden sicher, den Täter endlich gefunden zu haben.

Vorgeworfen wird Ralf S., den Anschlag aus fremdenfeindlichen Motiven begangen zu haben. Beim Prozessauftakt am Donnerstag vor dem Düsseldorfer Landgericht aber bestritt der 51-Jährige die Tat. Er habe diese nicht begangen und wisse auch nicht, wer das gewesen sei. Oberstaatsanwalt Ralf Herrenbrück hingegen sieht aufgrund der Indizien eine erdrückende Beweislast und verwies darauf, dass es bei dem Anschlag Tote gegeben hätte, wenn das TNT nicht verunreinigt gewesen wäre.

„Massive Zunahme judenfeindlicher Angriffe“

Bei der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf (JGD) wurde mit Erleichterung auf den Prozessbeginn reagiert. „Natürlich ist die Panne bei den Ermittlungen peinlich und ärgerlich, dass es so lange gedauert hat, bis der vermeintliche Täter gefasst wurde. Auch wenn wir da niemanden einen Vorsatz unterstellen“, sagte Michael Szentei-Heise, Verwaltungsdirektor der JGD, am Donnerstag in der Online-Ausgabe der Rheinischen Post. „Wir erhoffen uns eine Verurteilung, damit die Betroffenen von damals mit der Tat abschließen können. Denn das ist schon eine große Belastung.“

Über das derzeitige jüdische Leben in Düsseldorf sagte Szentei-Heise: „Wir stellen seit zwei Jahren eine massive Zunahme judenfeindlicher Angriffe fest. Es ist zwar so, dass die meisten Straftaten gegen Juden aus dem rechtsradikalen Milieu kommen, aber judenfeindliche Angriffe aus dem muslimischen Milieu nehmen zu. Und da müssen wir sehen, dass wir dem entgegentreten.“ (ph)

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