Kolumnen Politik

Weihnachten und die heilige Familie

Die heilige Familie vor 2.000 Jahren war der Beginn der christlichen Zivilisation. Die Angriffe auf Ehe und Familie, die wir heute immer stärker erleben, sind ein Angriff auf unsere Kultur, unseren Glauben und auf die göttliche Ordnung selbst. Ehe und Familie im eigentlichen Sinne, nicht in absurden Begriffsverschiebungen, brauchen unsere entschlossene Verteidigung. Eine Kolumne von Anette Schultner.

Anette Schultner

In wenigen Tagen feiern wir Heiligabend und Weihnachten. Häufig wird beim Weihnachtsfest auch vom „Fest der Liebe“ gesprochen. Und was sonst, wenn nicht unendliche Liebe von Gott-Vater zu uns Menschen, kam in der Geburt Jesu – wahrer Mensch, wahrer Gott – zum Ausdruck. In Johannes 1, 1-4 und Johannes 1, 14 lesen wir, dass Jesus das Wort (logos) war, das immer schon bei Gott, dem Vater, gewohnt hatte, und durch das alles gemacht war. Und dass in Jesus dieses Wort Mensch wurde:

„Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Dasselbe war im Anfang bei Gott. Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist. In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen.“ (Johannes 1, 1-4)

„Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.“ (Johannes 1, 14)

Die Frohe Botschaft

Jesus, der Mensch. Er freute sich und litt, aß, trank und schlief, wanderte und predigte, arbeitete, betete und feierte. Im Gegensatz zu allen anderen Menschen blieb Jesus ohne jede Schuld und wurde so das makellose Opferlamm zur Errettung der Menschen, die das Opfer für sich annehmen (Römer 3, 22ff). Um dieses wirkliche Opfer überhaupt sein zu können, musste Jesus ganz Mensch werden – aus Fleisch und Blut. Und deshalb dürfen wir – jeder, der Jesus die Tür öffnet und ihn eintreten lässt -, seine Gnade erfahren, die ihren Anfang nahm in einem Stall in Bethlehem. Falls Sie es sich fragen: Ja, Jesus klopft auch bei Ihnen an. Jetzt, in diesem Moment.

Das ist die überwältigende Frohe Botschaft, die wir immer, aber neben Ostern besonders zu Weihnachten, feiern. Wir haben viele Traditionen, die das weihnachtliche Fest heimelig machen, die auch mir viel bedeuten, aber lassen wir uns von Weihnachtsbaum, Zimtsternen und Festrummel nie den Blick auf das Wesentliche verstellen: Jesu Geburt.

Der Vorbildcharakter der heiligen Familie

Und dann waren da noch neben dem heiligen Kind Maria und Josef. Diese besondere Familie, die ihren Anfang nahm in Bethlehem, kann uns viel lehren. Sie hat Vorbildcharakter. Da ist Josef, der am wenigsten übernatürlichen Rang hat und doch Haupt seiner Familie ist. Wir erfahren in der Bibel nicht sehr viel von Josef – und doch wird sein vorbildlicher Charakter deutlich. Er versucht nach Möglichkeit seine Familie zu schützen. Er liebt geradezu selbstlos. Schon als er von Marias Schwangerschaft erfährt, verhält er sich ihr gegenüber aufopfernd, obwohl er zunächst naheliegend vermutet, betrogen worden zu sein.

Bevor Josef im Traum ein Engel erscheint, der ihm sagt „Josef, du Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria, deine Frau, zu dir zu nehmen; denn was sie empfangen hat, das ist von dem Heiligen Geist“ (Matthäus 1, 20-21), wollte er heimlich von Maria gehen. In Matthäus 1, 19 steht dazu: „Josef aber, ihr Mann, der fromm und gerecht war und sie nicht in Schande bringen wollte, gedachte, sie heimlich zu verlassen.“

Warum das aufopfernd ist? Hätte Josef sich von der schwangeren Maria öffentlich getrennt und gesagt, dass er nie bei ihr lag, wäre Maria in Schande geraten und es hätte ihr nach damaligem jüdischem Recht sogar die Steinigung gedroht. Wenn Maria, als mit Josef Verlobte, aber einfach heimlich von ihm verlassen worden wäre, hätte man angenommen, dass Josef Maria geschwängert hat, im vollzogenen Geschlechtsakt den Vollzug der Ehe gesehen und damit Maria als Frau mit ehelichen Rechten. Man hätte über Maria wohl die Nase gerümpft, aber als zu meidender, verachtenswerter und ehrloser Buhmann hätte Josef dagestanden, der seine schwangere Frau bei Nacht und Nebel verlassen hat. Josef war bereit, sich also in dieser Weise für Maria aufzuopfern, wozu es aber nicht mehr kam, nachdem der Engel des Herrn zu Josef im Traum sprach. Josef blieb bei Maria und dem Kind, flüchtete mit ihnen, schützte und sorgte treu für sie.

Gott liebt Ehe und Familie

Jesus, das Kind, aber immerhin auch menschgewordener Gott, ordnete sich seinen Eltern unter; es gehorchte ihnen (Lukas 2, 51). Gott liebt Ehe und Familie so sehr, dass Er selbst bereit ist, sich den Gesetzmäßigkeiten einer Familie anzupassen.

Auch Maria nimmt ihre Rolle von Gott an. Für sie musste ihre überraschende Schwangerschaft am erschreckendsten sein. Gleichzeitig kam sie darin Gott so nahe, wie kein anderer Mensch vor oder nach ihr. Ich bin evangelisch, habe also nicht das römisch-katholische Marienverständnis. Und doch, die hohe Verehrung Marias verstehe ich. Sie scheint mir geradezu selbstverständlich. In der Schwangerschaft teilte Maria mit Jesus – wahrer Mensch, wahrer Gott – sogar einen Blutkreislauf. Lässt man sich wirklich darauf ein, ein kaum zu fassender Gedanke.

Die heilige Familie als Beginn christlicher Zivilisation

Die Familie ist die Keimzelle der Gesellschaft und diese heilige Familie vor 2.000 Jahren war der Beginn der christlichen Zivilisation. Matthias von Gersdorff schrieb zur Heiligen Nacht: „In dieser Nacht nahm ein Geschichtsprozess seinen Anfang, der alle geistlichen, intellektuellen, gesellschaftlichen und materiellen Werke des Christentums der letzten 2.000 Jahre hervorbrachte. Mit der Heiligen Familie, umgeben von den Hirten Bethlehems, beginnt das Christentum eine gesellschaftliche und deshalb auch eine kulturelle und politische Realität zu werden. Im Keim waren um den Stall zu Bethlehem alle geistig-geistlichen Reichtümer präsent, die im Laufe der Geschichte zum Vorschein kommen würden.“

Die Angriffe auf Ehe und Familie, die wir heute immer stärker erleben, sind ein Angriff auf unsere Zivilisation, unsere Kultur, unseren Glauben und auf die göttliche Ordnung selbst. Ehe und Familie im eigentlichen Sinne, nicht in absurden Begriffsverschiebungen, brauchen unsere entschlossene Verteidigung. Dabei zähle ich auf Sie! Frohe und gesegnete Weihnachten Ihnen und Ihren Lieben!

Die Kolumnen von NRW.direkt geben die Meinung des jeweiligen Autors wieder. Dabei muss es sich nicht zwangsläufig um die Meinung unserer Redaktion handeln.

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Über den Autor

Anette Schultner

Anette Schultner engagierte sich bereits in Schul- und Studienzeiten parteipolitisch sowie in freien Gemeinden. Zunächst mehr als zwei Jahrzehnte in den Unionsparteien, später in der AfD. Dort war sie Mitgründerin und bis zu ihrem Ausscheiden aus der Partei Vorsitzende der „Christen in der AfD". Seit Herbst 2017 engagiert sich Schultner für die Blaue Wende. Dort ist sie auch als Referentin für Familien- und Kirchenpolitik tätig. Im April erschien bei SCM Hänssler ihr Buch „Konservativ. Warum das gut ist."