Mönchengladbach Panorama

Weiter Streit über „Arbeitshilfe“ zu Israel

Mönchengladbach. Nachdem eine Distanzierung der Evangelischen Kirche ausblieb, hat sich im Streit um deren „Arbeitshilfe“ zum 70-jährigen Jubiläum Israels jetzt die Jüdische Gemeinde zu Wort gemeldet. In einem offenen Brief bezeichnet sie die in der Arbeitshilfe genannten Vorwürfe als „verlogene Behauptungen fern jeder historischen Wahrheit“. All dies sei bereits „seit vielen Jahren täglich“ von jenen zu hören, „die Israel vernichten wollen“.

Feier der Jüdischen Gemeinde Mönchengladbach zum 70-jährigen Bestehen Israels (Bild: NRW.direkt)

Wie bereits berichtet, hatte der Landesverband der Jüdischen Gemeinden von Nordrhein eine Ende April zusammen mit der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR) geplante Israel-Reise abgesagt. Hintergrund der kurzfristig erfolgten Absage ist ein Essay von Rainer Stuhlmann in einer kürzlich veröffentlichten EKiR-Arbeitshilfe mit dem Titel „70 Jahre Staat Israel. Ein Termin auch im christlichen Kalender?“ Darin schrieb Stuhlmann unter anderem: „Was für Juden ein Grund zum Feiern ist, das ist für andere ein Grund zur Trauer. Den einen hat die Staatsgründung Schutz, Sicherheit, Gerechtigkeit und Freiheit gebracht, den anderen Vertreibung, Zerstörung, Zwang und Unrecht.“ Weiter behauptete Stuhlmann: „Die von den Vereinten Nationen beschlossene Teilung Palästinas in einen jüdischen und einen arabischen Staat hat zu einem grausamen Krieg geführt, in dem es auf allen Seiten Opfer gegeben hat.“

Nach der Veröffentlichung der umstrittenen Arbeitshilfe warf der Journalist und langjährige Nahost-Korrespondent Ulrich Sahm Stuhlmann in einem Gastbeitrag für den Blog Ruhrbarone vor, dabei historische Fakten falsch dargestellt zu haben: „Nicht die Empfehlung der UNO-Generalversammlung von 1947 hat zu einem Krieg geführt. Der Krieg wurde von den arabischen Staaten Ägypten, Syrien, Libanon, Jordanien und anderen beschlossen, weil sie keinen jüdischen Staat in ihrer Mitte dulden wollten. Deshalb fielen sie in der Nacht nach der Ausrufung Israels 1948 über den frisch gegründeten jüdischen Staat her, um ihn zu vernichten“, schrieb Sahm. Sein Fazit lautete: „Die Argumente Stuhlmanns stammen aus dem klassischen Repertoire palästinensischer Propaganda zur Delegitimierung Israels und der Juden.“ Nachdem jedoch eine entsprechende Erklärung der Kirchenleitung oder eine Distanzierung zu Stuhlmanns Artikel ausblieb, entschloss sich der Landesverband der Jüdischen Gemeinden einstimmig zur Absage der Israel-Reise.

„Verlogene Behauptungen fern jeder historischen Wahrheit“

Jetzt hat auch die Jüdische Gemeinde in Mönchengladbach in Form eines offenen Briefes an die Evangelische Kirche im Rheinland reagiert. „Eine Reise nach Israel, die Sie kürzlich mit Juden durchführen wollten, konnte wegen Ihrer oben genannten Veröffentlichung nicht realisiert werden“, heißt es in dem Mitte dieser Woche vom Gemeinderat unterzeichneten und unserer Redaktion vorliegenden Brief. „Das Fragezeichen in Ihrem Titel deutet an, warum. Sie unterstellen Juden unter anderem ‚Vertreibung, Zerstörung, Zwang und Unrecht‘, das Herbeiführen einer ‚Katastrophe‘ für die Araber, eine ‚menschenverachtende Besatzung‘ mit ‚militärischer Überlegenheit‘ und ‚brutal Interessen durchzusetzen‘, eine ‚aggressive Siedlungspolitik‘ sowie ‚Unrecht‘, dem ‚die Welt tatenlos zuschaut‘ und so weiter.“

„Genau diese Vorwürfe hören wir seit vielen Jahren täglich von jenen, die Israel vernichten wollen“, heißt es weiter. „Solche verlogenen Behauptungen, fern jeder historischen und politischen Wahrheit, tragen den Keim Ihres Jahrhunderte alten Antijudaismus – vom Kreuz unter das Hakenkreuz und zurück – in sich, sind heute im Kleid des Antizionismus die Fortsetzung jener antijüdischen Gesinnung. Ihre Schrift verdeutlicht einmal mehr, wie wichtig der Staat Israel für uns ist, nämlich als unsere einzige Lebensversicherung.“ (ph)

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