Düsseldorf Politik

Wenig Fragen zum „Maghreb-Viertel“

Düsseldorf. Als sich Oberbürgermeister Geisel am Mittwoch den Fragen der Oberbilker stellte, wurde er nur wenig auf das „Maghreb-Viertel“ angesprochen. Ein Anwohner wollte das Image des durch Kriminalität und Drogenhandel in landesweite Schlagzeilen gekommenen Viertels durch „eine PR-Kampagne in Richtung Multikulti“ aufpoliert sehen.

Am frühen Mittwochabend fand in der Volkshochschule hinter dem Hauptbahnhof der siebte „OB-Dialog“ statt. Dieses Mal stellte sich der Düsseldorfer Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) den Anwohnern des Stadtteils Oberbilk. Wer jedoch nach den landesweiten Schlagzeilen um das „Maghreb-Viertel“ einen vollen Saal und hitzige Debatten dazu erwartet hatte, der wurde enttäuscht. Nur etwas mehr als 100 Anwohner nutzten die Gelegenheit, den Oberbürgermeister mit Fragen oder Kritik zu konfrontieren.

Auch ging es zumeist um andere Themen, so etwa die Kürzungen für die Volkshochschule, barrierefreie Wohnungen oder Klagen über den öffentlichen Personennahverkehr in der Landeshauptstadt. Ein Mann nutzte die Gelegenheit, sich darüber zu beschweren, er sei bei der Ausländerbehörde „angeschrien“ und „beleidigt“ worden. Thomas Geisel bat um die entsprechenden Unterlagen und versprach sofort Abhilfe: „Wir sind hier nicht in byzantinischen Rechtsverhältnissen, wir leben in einem Rechtsstaat.“

„Was verkaufen die?“

Erst nach einer halben Stunde kam eine Anwohnerin auf das auch „Klein-Marokko“ genannte Viertel zu sprechen. Die Frau schilderte, dass sie vor den Shisha-Bars immer junge Männer mit „dicken Autos“ sehen würde, „die wir uns nie leisten könnten“ und fragte rhetorisch: „Was verkaufen die?“

Zur Antwort verwies Oberbürgermeister Geisel auf die Razzia der Düsseldorfer Polizei im Januar sowie deren „Sonderkommission Casablanca“. Auch erinnerte er daran, dass es die marokkanische Gemeinde selber war, die um konsequentere Maßnahmen gegen die durch junge nordafrikanische Zuwanderer dramatisch gestiegene Kriminalität gebeten hatte und warnte vor einem Generalverdacht gegen ausländische Bewohner.

„Das ist kein Kindergeburtstag, da durchzugehen“

Das aber überzeugte nicht jeden, eine andere Anwohnerin sprach die Unterführung am Mintropplatz an: „Das ist kein Kindergeburtstag, da durchzugehen“. Sie beklagte, zu wenig Polizei in dem Viertel zu sehen und verstand nicht, warum das ebenfalls hinter dem Hauptbahnhof gelegene US-Konsulat besser bewacht sei. Geisel verwies darauf, dass die Polizeipräsenz in dem Problem-Viertel bereits erhöht wurde: „Das Problem ist erkannt, aber noch nicht komplett gebannt.“

Skurril wurde es, als ein Anwohner beklagte, die Medienberichterstattung über das Viertel hätte dazu geführt, dass er inzwischen auch aus dem Ausland auf die Verhältnisse an der Ellerstraße angesprochen würde. Der Mann wollte von Thomas Geisel wissen, ob das nicht „medienmäßig umgekrempelt“ werden könnte, etwa mit einer „PR-Kampagne in Richtung Multikulti“. Unter dem Beifall der Anwohner antwortete Geisel: „Das ist nicht die Wahrnehmung von Oberbilk.“ Trotz des brisanten Hintergrunds verlief der OB-Dialog in Düsseldorf-Oberbilk insgesamt harmonisch, aufgrund der wenigen Fragen war die Veranstaltung nach nur etwas mehr als einer Stunde bereits wieder beendet.

Bild: NRW.direkt

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